Donnerstag, 14. November 2019

Altersvorsorge Riskanter Kostenvergleich für Riester-Sparer

Auftrag Transparenz: Die Bundesregierung sucht nach Wegen, dem Verbraucher mehr Durchblick bei der Riester- und Rürup-Rente zu verschaffen

Viele Lebensversicherer scheuen den direkten Vergleich. Genau den will die Bundesregierung jetzt erleichtern und per Gesetz für mehr Transparenz in der Riester-Rente sorgen. Das wird dauern - und auch ein Kostenvergleich kann in die Irre führen.

Hamburg - Es ist ein Riesengeschäft: In den vergangenen zehn Jahren hat der Staat die Riester-Rente mit mehr als 13 Milliarden Euro allein durch Zulagen gefördert. Davon profitieren alle Produktanbieter. Staatliche Subventionen sichern starken wie schwachen Anbietern vergleichsweise sichere Einnahmen. Geht es um einen unabhängigen Vergleich, lassen sich viele Lebensversicherer aber nach wie vor nicht in die Karten schauen.

Ein weiterer Beleg dafür ist der jüngste Riester-Check von "Finanztest". Fast die Hälfte der angefragten Versicherer entzog sich dem Vergleich, legte kein Angebot vor. Die Verweigerungshaltung nimmt zu, muss auch der unabhängige Analysedienst "Map-Report" feststellen. Das für seine Rendite- und Kostenanalysen gefürchtete Magazin "Öko-Test" arbeitet deshalb immer öfter mit verdeckt eingeholten Angeboten.

Die Verweigerungshaltung vieler Versicherer stößt auf Kritik. "Sie handeln verbraucherunfreundlich und verhindern einen funktionierenden Qualitätswettbewerb", sagt Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). FDP-Bundestagsmitglied Erik Schweickert hält es für ein "Armutszeugnis", dass viele Anbieter kein Interesse an der Transparenz und Vergleichbarkeit ihrer Produkte hätten. Der bündnisgrüne Abgeordnete und Rentenexperte Wolfang Strenmann-Kuhn sieht die Versicherer "in der Pflicht, die notwendigen Informationen bereit zu stellen". Seinen Kollegen von der Linkspartei, Matthias Birkwald, zitiert "Finanztest" mit den Worten: "Bei fehlender Transparenz und Information bleibt jede Wahlmöglichkeit eine Farce."

Die Vorwürfe sind nicht neu. Die Riester-Rente ist in der Vergangenheit wegen ihrer oft hohen und versteckten Kosten immer wieder als intransparent kritisiert worden. In manchen Fällen übersteigen die Vertragskosten das Doppelte der staatlichen Förderung. Einschätzen kann der Kunde dies aber nicht, ein Vergleich ist kaum möglich.

Viel Informationen auf einem Blatt

Ein verbindliches und einheitliches Produktinformationsblatt (PIB) soll künftig für mehr Durchblick in der Riester-Rente sorgen und alle für den Verbraucher relevanten Informationen insbesondere zu Leistungen, Garantien, Kosten und Risiken enthalten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf, der manager magazin online vorliegt, will die Bundesregierung am Mittwoch verabschieden.

Signifikant sind unter anderem: die Einordnung des Vertrags in eine von fünf vorgegebenen Chancen-/Risikoklassen; die Darstellung der Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Wertentwicklungen; ebenso verpflichtende Informationen zum Preis-/Leistungsverhältnis sowie zum Anbieterwechsel. Verpflichtend sind auch Hinweise zu den Folgen einer Vertragskündigung sowie zur Möglichkeit der Beitragsfreistellung.

Wer einen Moment innehält, ahnt vermutlich, dass die Einordnung in eine Chancen-/Risikoklasse unter Berücksichtigung einer möglichen Wertentwicklung viel Rechenarbeit erfordert. Dem ist auch so und die Zertifizierungsstelle, die über die Förderfähigkeit von Vorsorgeprodukten entscheidet, damit vermutlich überfordert. Deshalb kann und wird die Aufgabe komplexer Simulationsrechnungen sehr wahrscheinlich einer privatrechtlichen "Produktinformationsstelle Altersvorsorge" (PIA) übertragen werden. So mancher Verbraucherschützer wittert hier Gefahr

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung