Sonntag, 15. September 2019

Altersvorsorge Riskanter Kostenvergleich für Riester-Sparer

Auftrag Transparenz: Die Bundesregierung sucht nach Wegen, dem Verbraucher mehr Durchblick bei der Riester- und Rürup-Rente zu verschaffen

3. Teil: Kostenvergleich kann in die Irre führen

Kosten belasten die Rendite eines Vorsorgevertrages und damit auch die spätere Rente. Wie und in welchem Ausmaß sie das unter der Annahme einer bestimmten Wertentwicklung tun, soll eine einzige Kennziffer zeigen: die "Reduction in Yield" (RiY) - oft auch als Effektivkosten- oder Gesamtkostenquote bezeichnet

Einige Anbieter nutzen diese Kennzahl bereits in neuen Verträgen. Kleinlein als auch Gatschke fordern erneut, auf die Kennziffer zu verzichten, weil sie aus ihrer Sicht einen Produktvergleich massiv unterminiere und den Verbraucher in die Irre führe. Dies gelte insbesondere dann, wenn der Kunde Verträge mit unterschiedlicher langer Laufzeit vergleichen wolle.

Zum einen berücksichtige die RiY nicht alle Vertragskosten. So fehlen etwa die Kosten im Rentenbezug, kritisiert Kleinlein. Zum anderen basiere die Kennziffer auf einer unterstellten Rendite vor Kosten, die falsche Erwartungen wecken könnte. Der Verbraucher könne Angebote nur dann vergleichen, wenn sie jeweils exakt von gleichen Verzinsungen vor Kosten ausgingen und die Verträge exakt gleich lang laufen. Verspreche ein Konkurrenzprodukt höhere Erträge, sei entweder kein Vergleich möglich oder er führe in die "Irre".

Im Ergebnis könnte dies dazu führen, dass der Kunde nicht nur zu dem riskanteren Produkt greift, sondern auch zu dem tatsächlich teureren. Kleinlein macht dies an zwei Beispielen deutlich.

Favorisierte Kostenquote in der Kritik

Ein Angebot der Chance-Risiko-Klasse 5 - das mit einer Rendite vor Kosten von 8 Prozent gerechnet wird - weist eine Gesamtkostenquote von 1,7 Prozent aus. Ein anderes Angebot der Chance-Risiko-Klasse 2 weist bei identischen Kosten eine Quote von 1,8 Prozent aus. Der Kunde werde dann durch die Kostenangabe irregeführt und greife sehr wahrscheinlich - "trotz identischer Kosten" - zum riskanteren Produkt.

Im zweiten Beispiel vergleicht der Anleger zwei Angebote. Das eine stellt ihm einen Rentenbeginn mit 67 Jahren in Aussicht, das andere mit 62 Jahren. Das erste Angebot weist eine Kostenquote von 1,0 und das zweite von 1,1 Prozent aus. Unter dem Aspekt der Kosten dürfte der Kunde wohl zu dem länger laufenden Vertrag greifen. In Euro und Cent gerechnet sei der kürzer laufende Vertrag tatsächlich aber mit geringeren Kosten belastet und würde dem Kunden eine höhere Rente bieten, erläutert Kleinlein. Der "Irreführung" des Kunden sei damit Tür und Tor geöffnet. "Öko-Test" stellte indes in eigenen Analysen die gleichen Schwächen der "Reduction in Yield" heraus und rät dem Gesetzgeber ebenfalls dringend davon ab.

Verbraucherschützer favorisieren ein anderes Modell - die "Reduction in Payment" (RiP). Im Kern gibt sie an, um wieviel Prozent die Ablaufleistung einer Rentenversicherung durch die Vertragskosten insgesamt geschmälert wird. Sie umfasse damit auch die entgangenen Erträge, die ein Verbraucher durch Vertragskosten erleidet. Die RiP bilde damit den gesamten Vermögensverlust im Vergleich zu einem Vertrag ohne Kosten ab.

Der angebliche Vorteil: Mit der prozentualen RiP ließen sich nicht nur Verträge unterschiedlicher Anbieter, sondern auch unterschiedlicher Laufzeit vergleichen. Da mit dieser Kenngröße die Gesamtkosten eines Vertrags auch in Euro und Cent darstellbar seien, halten Verbraucherschützer sie nicht nur für griffiger sondern auch für weniger manipulationsanfällig im Vergleich zur "Reduction in Yield".

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