Mittwoch, 18. September 2019

Altersvorsorge Riskanter Kostenvergleich für Riester-Sparer

Auftrag Transparenz: Die Bundesregierung sucht nach Wegen, dem Verbraucher mehr Durchblick bei der Riester- und Rürup-Rente zu verschaffen

2. Teil: Wer rechnet, hat Einfluss

Lars Gatschke vom Bundesverband Verbraucherzentralen (Vzbv) erhofft sich von der zu schaffenden Produktinformationsstelle, dass die Berechnung von Kennziffern damit "zumindest einheitlich und vergleichbar erfolgt." Axel Kleinlein, Vorsitzender vom Bund der Versicherten (BdV) sieht dagegen erhebliche Unwägbarkeiten. "Dringend sollten sämtliche Berechnungswege und Formelwerke einem transparenten Verfahren öffentlich und unter Einbezug des Verbraucherschutzes diskutiert werden und nachvollziehbar sein - dies ist aber eben nicht vorgesehen", kritisiert der Versicherungsmathematiker.

Aus mathematischer Sicht sei klar, dass bereits die Wahl der Berechnungsmethode "weitreichende Folgen" für die Besser- oder Schlechterstellung bestimmter Produktarten habe könne. So könne etwa eine Methodik etabliert werden, die besonders gut für Versicherungen und schlecht für Sparpläne ist, oder umgekehrt.

Mathematiker der PIA werden laut Kleinlein also einen nicht unerheblichen Einfluss darauf haben, wie gut oder weniger gut wichtige, zum Vergleich gestellte Kennziffern für ein Produkt ausfallen werden. Um so mehr stellt sich für den Verbraucherschützer die Frage, ob und wie die PIA mit kompetenten und unabhängigen Mathematikern besetzt wird.

BdV: "Neutrale Positionierung nicht zu erwarten"

Angesichts eines starken Mangels an Mathematikern sei "zwingend davon auszugehen, dass sich keine Mitarbeiter finden lassen, die nicht von vornherein direkt oder indirekt der Anbieterseite zuzurechnen sind", befürchtet der BdV-Vorsitzende. "Eine neutrale Positionierung der PIA ist daher nicht zu erwarten", ist Kleinlein überzeugt.

Ein wichtiges Ziel ist es, dass Kunden alle Kosten eines Vertrags erkennen können. Das ist bislang Experten vorbehalten, zumal Anbieter ihre Kosten nicht einheitlich angeben und sehr kreativ darin sind, einzelne Kostenkomponenten tief im Vertragswerk zu verstecken, kritisieren Verbraucherschützer.

Positiv bewerten Gatschke und Kleinlein daher, dass der Gesetzgeber jetzt einen Katalog von Kostenarten vorschreibt. Damit könnten Versicherer dem Kunden künftig nicht mehr so leicht versteckte Kosten unterjubeln. "Kosten, die in dem Katalog nicht genannt werden und dem Verbraucher auch nicht durch ein individuelles Produktinformationsblatt bekannt gemacht werden, schuldet der Verbraucher dem Versicherer nicht", sagt Gatschke.

Ebenso positiv bewerten die Verbraucherschützer, dass der Gesetzgeber die Kosten bei einem Vertragswechsel auf 150 Euro beschränken will. Bislang machen die wenigsten Kunden von ihrem Wechselrecht Gebrauch, weil sie dann hohe Verwaltungsgebühren zahlen müssen.

Kosten bei Vertragswechsel nur vordergründig gedeckelt

Auch die vom neuen Anbieter erneut verlangten Abschluss- und Vertriebskosten können den Riester-Sparer von einem Vertragswechsel abhalten. Um den Wechsel zu erleichtern, soll der Anbieter künftig maximal die Hälfte des übertragenen Kapitals bei der Berechnung der erneuten Abschluss- und Vertriebskosten zugrunde legen dürfen.

Verbraucherschützer halten diese Regelung für unzureichend. Bei einem Anbieterwechsel sollten überhaupt keine neuen Abschluss- und Vertriebskosten anfallen dürfen, fordert Gatschke. Andernfalls würden die neuen Informationspflichten dem Kunden wenig nützen. "Wie soll ein Kunde adäquat reagieren können, wenn er erkennt, dass das Produkt richtig teuer für ihn wird und er eigentlich den Anbieter wechseln müsste, dann aber Gefahr läuft, von dem gebildeten Kapital noch einmal einen erheblichen Teil für neue Provisionen zahlen zu müssen", wendet der Verbraucherschützer ein.

Besonders teuer und daher wirtschaftlich unsinnig werde der Wechsel vor allem für Verbraucher, die lange in einen Vertrag eingezahlt haben und dann wechseln wollten, hebt Gatschke hervor. "Die Wechselmöglichkeiten sind also auch weiterhin stark eingeschränkt und führen stets zu massiven Verlusten", warnt ebenso Kleinlein.

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