Mittwoch, 24. April 2019

Produktcheck Betriebsrente oft ein Verlustgeschäft

Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten

5. Teil: Was tun bei Arbeitgeberwechsel?

Portabilität/Arbeitgeberwechsel: Wer den Arbeitgeber wechselt, möchte den Betriebsrentenvertrag natürlich mitnehmen. Das ist leichter gesagt als getan - auch wenn der Arbeitnehmer seit 2005 das Recht hat, die erworbenen Betriebsrentenansprüche zum neuen Arbeitgeber mitzunehmen.

Das Recht besteht lediglich für das angesammelte Kapital, nicht für den Vertrag selbst. Vielfach hat der neue Arbeitgeber für seine Belegschaft Gruppenverträge mit anderen Partnern abgeschlossen und wird daher in der Regel den Aufwand scheuen, mit jedem neuen Arbeitnehmer dessen Entgeltumwandlung an einen neuen Vertragspartner überweisen zu müssen. Allein vor diesem Hintergrund wird der neue Arbeitgeber den Wechsel in sein Modell empfehlen.

Zu klären ist auch, ob sich ein Wechsel rechnerisch überhaupt lohnt. Abschlusskosten können gerade in den ersten Jahren einen Vertrag unterschiedlich hoch belasten. Nicht selten steht in den ersten Jahren auf dem Betriebsrentenkonto weniger Geld als der Arbeitnehmer eingezahlt hat.

Wechselt der Kunde mit einem älteren Tarif in einen neuen, muss er zudem den seit Jahresbeginn niedrigern Rechnungszins von 1,75 Prozent hinnehmen, was die garantierte Rentenleistung empfindlich schmälert. Der neue Arbeitgeber muss zudem keineswegs den gleichen Leistungsumfang zusagen: Bestimmte Leistungen wie eine Hinterbliebenenversorgung könnten bei der Kapitalübertragung wegfallen.

Um festzustellen, ob die Übertragung des Kapitals lohnt, sollte der Arbeitnehmer auf jeden Fall sein Auskunftsrecht wahrnehmen. Das heißt: Der alte Versorgungswerk muss mitteilen, wie viel Geld zur Verfügung steht und welche Rente der Arbeitnehmer daraus später beziehen könnte. Der neue Anbieter wiederum muss mitteilen, welche Rentenleistung er für das übertragene Kapital bietet.

Lohnt der Wechsel des Anbieters nicht, kann der Arbeitnehmer seinen Betriebsrentenvertrag beitragsfrei stellen, was im Ergebnis eine deutlich niedrigere Rente bedeutet.

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