Sonntag, 21. April 2019

Produktcheck Betriebsrente oft ein Verlustgeschäft

Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten

4. Teil: Tipps - was der Arbeitnehmer wissen sollte

Todesfallleistungen: Der Arbeitnehmer kann wie in der privaten Altersvorsorge über eine vereinbarte Beitragsrückgewähr im Falle seines Todes Hinterbliebene absichern. Stirbt er in der Ansparphase, wird das angesammelte Kapital an den Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder ausgezahlt. Alternativ fließt für sie eine Rente.

Stirbt der Versicherte in der Rentenphase, fließt die Betriebsrente bei einer vereinbarten Rentengarantiezeit für diese Zeitspanne in unveränderter Höhe an den Hinterbliebenen. Oder es lässt sich aus dem errechneten Kapital der Rentengarantiezeit eine lebenslange Hinterbliebenenrente finanzieren.

Diese möglichen Todesfallleistungen gewährt kein Anbieter umsonst. Eine vereinbarte Beitragsrückgewähr und Rentengarantiezeit schmälern die Rente des Arbeitnehmers.

Steuern und Sozialabgaben: In diesem Jahr können Arbeitnehmer durch Entgeltumwandlung bis zu 2688 Euro steuerfrei in einen Betriebsrentenvertrag einzahlen. Im Alter ist die Rente aber voll zu versteuern, zudem wird auf die Rente der volle Beitragssatz zur Kranken- und Pflegeversicherung erhoben.

Ein beliebtes Vertriebsargument für die Betriebsrente ist, dass der Arbeitnehmer durch die Umwandlung von Bruttolohn Sozialbeiträge einspart. In der Tat fallen bei einem Jahresbruttoeinkommen von bis zu 45.900 Euro für alle eingezahlten Beiträge die Sozialabgaben weg. Liegt das Einkommen darüber aber unter 67.200 Euro, entfällt immerhin noch der Beitrag zur gesetzlichen Arbeitslosen- und Rentenversicherung.

Genauso richtig ist, dass der Gehaltsverzicht sich auf die spätere gesetzliche Rente auswirkt und auf die Höhe der Ansprüche auf Kranken- und Arbeitslosengeld. Fließt durch Entgeltumwandlung weniger Geld in die gesetzliche Rentenkasse, gibt es halt weniger gesetzliche Rente. Lohnersatzleistungen wiederum werden grundsätzlich auf Basis des abgabenpflichtigen Gehalts berechnet. Fließt ein Teil des Gehalts auf das Betriebsrentenkonto, fällt das Arbeitslosen- und Krankengeld im Ernstfall geringer aus.

Auf der einen Seite "spart" der Kunde je nach Einkommenshöhe also Sozialleistungen, und auch der Arbeitgeber muss seinen Anteil daran nicht entrichten. Auf der anderen Seite aber verzichtet der Arbeitnehmer damit auch auf Rentenansprüche und Lohnersatzleistungen. Bei der privaten Altersvorsorge besteht dieser Nachteil nicht. Solange der Arbeitgeber nicht wenigstens seinen ersparten Anteil an Sozialleistungen auf den Umwandlungsbetrag obendrauf legt, sollte der Arbeitnehmer genau prüfen lassen, ob sich die BAV für ihn lohnt.

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