Sonntag, 21. April 2019

Produktcheck Betriebsrente oft ein Verlustgeschäft

Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten

3. Teil: Kritik am Ansatz der Öko-Test-Untersuchung

Kritiker monieren Ansatz der Untersuchung

Die Analyse von Öko-Test bleibt nicht unwidersprochen. Heribert Karch, Chef der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba), hält die "reißerische", zentrale Schlussfolgerung, "Finger weg" von der betrieblichen Altersversorgung, für völlig verfehlt. Aufgabe von Testern sei es, dem Einzelnen mehr Entscheidungskompetenz zu verschaffen. "Hier muss man leider sagen: Mission verfehlt", urteilt Karch über die Öko-Test-Analyse.

Bereits der Ansatz der Untersuchung, den Vergleich auf 55jährige zu fokussieren, hält der Betriebsrentenexperte für "sehr fragwürdig". Damit würden zwei "Binsenweisheiten" zu einem zentralen Element der Kritik gemacht. Erstens: "Geld sinnvoll und nach aufsichtsrechtlichen Maßgaben anzulegen, kostet wiederum Geld."

Zweitens: "Je kürzer der Anlagehorizont, je älter man also ist, desto stärker fallen Vertragskosten ins Gewicht". In einem Niedrigzinsumfeld wie derzeit gefährde dies logischerweise Renditen. "Die staatliche Förderung von Altersversorgung hat hier einen Glättungseffekt. Und dies gilt für alle Angebote. Der Ausweis von Negativrenditen ist insoweit nicht aufklärerisch. Er verschweigt die Wirkungsgrade der Vorsorge", sagt Karch.

"Eines der großen Missverständnisse" der Debatte

Der Betriebsrentenexperte hält es ohnehin für eines der "großen Missverständnisse" der Debatte seit der Riester-Reform, die Instrumente der betrieblichen Altersversorgung in Produktvergleichen für den Verbraucher aufbereiten zu wollen. Nicht selten beteiligten sich die Arbeitgeber am Vermögensaufbau ihrer Arbeitnehmer oder schulterten die Kosten dafür allein, so dass ihre gesetzlichen Rentenleistungen weniger oder gar nicht gemindert würden. Die BAV sei vor diesem Hintergrund auch ein Instrument der Mitarbeiterbindung. Diese Funktion der Betriebsrente und das Engagement der Arbeitgeber blende die Untersuchung aus.

"Durch den Arbeitgeber als Sachwalter sowie den sozialen Deal im Unternehmen erreicht die BAV ein Profil von faktischer Rendite und Sicherheit, die sie außerhalb aller gängigen Zinsvergleiche stellt. Nicht obwohl, sondern gerade weil sie kein reines Marktmodell ist", sagt Karch. Aber auch im direkten Leistungsvergleich zu individuell vertriebenen Finanzprodukten habe sie "meist die Nase vorn", ist der Experte weiterhin überzeugt.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung