Freitag, 19. April 2019

Produktcheck Betriebsrente oft ein Verlustgeschäft

Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten

2. Teil: Mit der garantierten Rente oft ein Verlustgeschäft

Doch auch auf Basis der garantierten Renten kann der Kunde nicht sicher sein, sein eingezahltes Geld komplett wieder einzuspielen. Bei allen untersuchten klassischen Direktversicherungen macht er laut Öko-Test bis zum 85. Lebensjahr nur Verluste, wenn er lediglich die Garantierente bezieht.

Die Offerten der Pensionskassen sind nur unwesentlich besser. Immerhin: Bei einigen wenigen Kassen erzielt der Testkunde laut Öko-Test mit seiner garantierten Rente eine jährliche Rendite zwischen 0,25 und 1,13 Prozent - wenn er das 85. Lebensjahr erreicht. Diese wenigen besseren Angebote können die Inflationsrate aber auch nicht auffangen - und ihre garantierte Rente wirft nur im Ausnahmefall mehr Rendite ab als die Riester-Rente, wie eine andere Analyse von Öko-Test zeigt.

In seinen Renten-Analysen stellt Öko-Test die garantierten Leistungen immer wieder in den Vordergrund. Das ist vertretbar, hat in der Vergangenheit aber viel Kritik hervorgerufen. Richtig ist, das Magazin unterzieht auch die vom Anbieter prognostizierten Leistungen einem Renditecheck - berücksichtigt damit also sehr wohl mögliche Überschüsse.

Dauerhaft niedrige Kapitalmarktzinsen zwingen aber auch die betrieblichen Versorgungswerke zu mehr Realitätssinn in ihren prognostizierten Monatsrenten. Samt möglicher Überschüsse stellt der beste Anbieter dem Kunden eine Rentenrendite von 2,51 Prozent in Aussicht. Im schlechtesten Fall sind lediglich 0,6 Prozent Rendite drin, hat Öko-Test errechnet.

Fondsbasierte Tarife werfen nur unwesentlich mehr ab

Statt ein Produkt mit klassischer Anlagepolitik könnte der Arbeitnehmer auch eine fondsgebundene Variante der Direktversicherung oder Pensionskasse wählen, um seine Renditechancen zu erhöhen. Doch Vorsicht: Diese Tarife schaffen nach Öko-Test-Berechnungen in der Ansparphase zwar den Kapitalerhalt zu Rentenbeginn, ihre garantierten Renten liegen aber durchweg niedriger als jene der Klassiktarife: bestenfalls erzielen sie eine negative Rentenrendite von 0,59 Prozent.

Selbst wenn die hinter diesen Produkten liegenden Fonds jährlich 5 Prozent im Wert steigen sollten, komme durch die hohen Vertragskosten davon nur wenig beim Rentner an. Die errechnete Rentenrendite der besten Fondstarife liegt mit 2,59 Prozent beziehungsweise 2,85 Prozent nur unwesentlich höher als die beste Klassikrente, stellt Öko-Test fest.

Für ältere Arbeitnehmer mit einer kurzen Ansparphase lohne sich deshalb eine lebenslange fondsgebundene Betriebsrente "definitiv nicht", sind die Tester überzeugt. Allenfalls jüngere Kollegen könnten ein fondsgebundenes Produkt in Erwägung ziehen, wenn sie größere Renditechancen für ihre Rente nutzen wollen. So könnte ein 30jähriger Arbeitnehmer auf Basis der prognostizierten Renten immerhin eine Rentenrendite zwischen 3,24 und 4,45 Prozent erzielen - vorausgesetzt, die Fonds werfen dauerhaft die versprochene Rendite ab.

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