Montag, 18. November 2019

Altersvorsorge Experten zerreißen neue Riester-Studie  

Lohnt die Riester-Rente? Der Expertenstreit über diese Frage ist voll entbrannt

Riestern lohnt sich, Renditen von 7 Prozent sind mit dieser Anlageform drin, lautet das Ergebnis einer neuen Studie. Doch Experten zerreißen diese Untersuchung, sie sei mit "schweren handwerklichen Fehlern" durchsetzt. Bringt Riester also doch nicht mehr als der Sparstrumpf?

Hamburg - Hätte Walter Riester geahnt, dass die nach ihm benannte Rente einmal so viel Aufruhr erzeugen würde, er hätte den Medien vermutlich verboten, seinen Namen mit schnöden Policen in Verbindung zu bringen. So aber tourt der Ex-Bundesminister als Vortragsreisender durch die Lande, verteidigt das Modell samt Namen - und verdient nebenbei daran.

Die Auftritte sind rarer geworden. Jenen in der Bundespressekonferenz vor wenigen Tagen wollte sich der 68-Jährige nicht entgehen lassen. Schließlich gab es positive Nachrichten zu verkünden. "Mehr als 7 Prozent Rendite sind drin. Riestern lohnt sich", fasste Mark Ortmann die zentrale Botschaft seiner Analyse zusammen. Sein Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) hatte Riester-Kontrakte der ersten Stunde untersucht.

Dass das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein paar Monate zuvor befand, im "Sparstrumpf" sei das Geld der Riester-Sparer genauso gut aufgehoben, wies der Ex-Minister barsch zurück: "Unsinn, Fehlinformation, völlig irreführend." Die Studie habe Millionen Menschen verunsichert, viele hätten ihre Police verlustreich gekündigt.

Der Streit um die DIW-Studie ist eskaliert. Zuletzt angeheizt durch den Assekuranz-Verband GDV soll nun am 1. Juni ein mit hochkarätigen Vertretern aus Politik und Wissenschaft besetzter Krisengipfel hinter verschlossen Türen die Wogen glätten und für eine mögliche Riester-Reform Vorschläge erarbeiten.

"Nicht seriös" und "wissenschaftlich ungenügend"

Doch auch die riester-freundliche ITA-Studie ist mittlerweile heftig umstritten. Allen voran werfen der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Studie "schwere handwerkliche Mängel" vor. "Wer einen transparenten Einblick in Riesterangebote bekommen will, dem hilft die Studie nicht. Sie hilft letztlich nur den Anbietern, schlechte Produkte besser unters Volk zu bringen", zieht BDV-Chef Axel Kleinlein ein Fazit. "Die Studie entkräftet die öffentliche Kritik an der Riester Rente nicht", erklärt auch Altersvorsorge-Experte Niels Nauhauser von der VZ Baden-Württemberg.

Grundsätzlich stößt beiden Kritikern sauer auf, dass das ITA aus lediglich acht untersuchten Fällen verallgemeinernde Aussagen zur Riester-Rente ableite. "Das ist nicht seriös und sagt nichts über den Markt aus", kritisiert Nauhauser. Beste Angebote aus dem Jahr 2002 könnten eine ordentliche Rendite abwerfen, wirft Kleinlein ein. Das habe auch die DIW-Studie gezeigt. "Doch acht Fälle sind weder repräsentativ, noch lässt sich daraus folgern, dass heutige Angebote rentabel sind", sagt Kleinlein.

Der Versicherungsmathematiker kritisiert vor allem, dass ITA-Chef Ortmann wichtige Aspekte wie die Verrentungsphase und die dafür anfallenden Kosten nicht berücksichtigt hat. "Es wird so getan, als könne ein Kunde einfach das angesparte Kapital abrufen. Er kommt aber nur mit Abzügen an das Geld wieder heran."

"Das war nicht unser Ziel", verteidigt Ortmann seinen Ansatz gegenüber manager magazin online. Bei allen Rentenprodukten müsse ein Lebensversicherer die Sterbewahrscheinlichkeit einschätzen, entsprechend Renten und Prämien festsetzen. "Aber das ist nicht typisch für Riester. Uns interessierte konkret die Rendite dieser Verträge", so Ortmann. Kleinlein kritisiert dieses Vorgehen als "aus wissenschaftlicher Sicht ungenügend".

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