Dienstag, 25. Juni 2019

Versicherer Straßen, Wind und Sonne statt Staatsanleihen

Renditen von 6 Prozent und mehr: Die Versicherer entdecken Erneuerbare Energien als alternatives Investment zu vermeintlich sicheren Staatsanleihen

Deutsche Versicherer investieren Milliarden Euro in erneuerbare Energien und Infrastrukturprojekte - und wollen ihr Engagement ausbauen. Davon könnte am Ende auch der Versicherte profitieren. Doch bevor weitere Milliarden fließen, wartet die Assekuranz auf Zusagen aus Berlin.

Hamburg - Die Schuldenbremse in Europa ist beschlossen, die Regierungen müssen ihre Haushalte sanieren und Schulden abbauen. So will es der Fiskalpakt. Sanierungsbedürftig sind aber nicht nur die Staatsfinanzen, sondern auch Straßen, Brücken, Kanalisationen, Schienen- und Stromnetze. Allein die Erneuerung der Verkehrswege und Energieversorgung wird die EU-Staaten in den nächsten zehn Jahren mindestens 700 Milliarden Euro kosten, schätzt die UBS. Der Finanzierungsbedarf ist enorm. Institutionelle Investoren könnten hier einspringen.

Die Erst- und Rückversicherer gehören mit 1280 Milliarden Euro Kapitalanlagen zu den größten institutionellen Investoren in Deutschland. Angesichts Euro-Schuldenkrise und niedriger Kapitalmarktzinsen suchen sie händeringend nach neuen Investmentoptionen - jenseits von schwach rentierenden, vermeintlich sicheren Staatsanleihen und Bankpapieren.

Das ist verständlich: Die Lebensversicherer, bei ihnen allein liegen rund 747 Milliarden der Assets, müssen ihren Kunden im Schnitt 3,4 Prozent Zinsen auf den Sparanteil zahlen und möglichst noch eine Überschussbeteiligung obendrauf. Mit herkömmlich festverzinslichen Papieren lässt sich das immer schwerer erreichen.

Die Suche nach alternativen Investments, die kalkulierbar fortlaufend höhere Renditen als einfache Rentenpapiere abwerfen, ist daher verständlich. Investitionen in Infrastrukturprojekte oder Erneuerbare Energien, die über lange Zeiträume gesicherte Erträge liefern, stellen aus Sicht der Assekuranz diese Alternative dar. Sie kommen der langfristig orientierten Kapitalanlage der Branche mit ihren zugleich langfristigen Zahlungsverpflichtungen sehr entgegen.

Stabile Renditen - unabhängig vom Kapitalmarkt

"Infrastrukturprojekte bieten stabile Renditen, die von den Risiken der Kapitalmärkte relativ unabhängig sind. Außerdem handelt es sich hier um sehr langfristige Anlageformen, die eine solide Grundlage für unser Geschäftsmodell der Lebensversicherung darstellen", sagt Rainer Husmann, Geschäftsführer der Allianz Capital Partners. Die Tochter der Allianz-Gruppe ist die konzerneigene Investitionsplattform für alternative Anlagen.

Auch die Meag, der Vermögensmanager der Münchner Rück und dessen Erstversicherungsgruppe Ergo, schätzt die Vorteile solcher Investments: "Stabile Cashflows, insbesondere bei regulierten Anlageformen, sowie niedrige Korrelation mit Aktien, Renten und Immobilien."

In der Versicherungswirtschaft gelten Allianz und Münchener-Rück-Gruppe als Vorreiter bei alternativen Investments. Die Allianz hat bislang 1,3 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investiert. Der Konzern verfügt über gut drei Dutzend Wind- und Solarparks in Europa, die Energie für mehr als 350.000 Haushalte produzieren und erwägt, Kundengelder auch in einen deutschen Offshore-Windpark zu investieren. Voraussetzung: Zu erwartende Renditen und Langzeitrisiken so eines Investments auf hoher See müssen ausgeglichen sein.

Auch an Energie-Infrastrukturinvestments ist die Allianz interessiert. Der Versicherer beteiligte sich bislang mit umgerechnet 1,2 Milliarden Euro an der norwegischen Statoil-Tochter Gassled. Das Unternehmen betreibt die Leitungen, die norwegisches Gas nach Großbritannien und Europa transportieren. Die Transportpreise reguliert das norwegische Ministerium für Erdöl und Energie.

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