Dienstag, 25. Juni 2019

Zwangsvorsorge Selbstständige müssen Staatsrente nicht fürchten

Drohende Altersarmut: Die Bundesregierung will drei Millionen Selbstständige jetzt zur Vorsorge verpflichten

Millionen Selbstständigen ohne Altersabsicherung droht die Zwangsvorsorge. Sie müssen sich nun für die gesetzliche Rente oder Policen der Assekuranz entscheiden. Eine Analyse zeigt: Die Rente vom Staat ist besser als ihr Ruf.

Hamburg - Jetzt ist es amtlich. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will ab Sommer 2013 Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichten. Gut drei Millionen Freiberuflern, die bislang nicht einem Altervorsorgesystem angehören, droht dann die Zwangsvorsorge.

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Selbstständigen entweder mit einem Rentenprodukt der privaten Vorsorgeindustrie oder über die gesetzliche Rentenversicherung vorsorgen. Die Frage gesetzlich oder privat wird auf diejenigen Erwerbstätigen, die noch keinem Vorsorgesystem angehören, also unweigerlich zukommen.

Die Zeitschrift "Öko-Test" nimmt sich dieser Frage in der April-Ausgabe (30. März) an und vergleicht die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung mit jenen der Riester-, Rürup- und ungeförderten Privatrente, bei denen der Anbieter zulässt, dass sie auch ohne staatliche Förderung bespart werden.

Der aktuelle Vergleich setzt auf einer Analyse privater Vorsorgeangebote für Selbstständige auf. Es wurden lediglich Produkte einbezogen, die dem Versicherten den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantieren.

Viele private Vorsorgeprodukte sehen im Vergleich schlecht aus

Um es vorwegzunehmen: Der Vergleich mit der gesetzlichen Rente fällt für die privaten Vorsorgeprodukte in vielen Fällen nicht gut aus und dürfte die Diskussion um das von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) verfolgte Ziel, über das "Vorsorgekonto" eine Alternative zur kritisierten Riester-Rente zu schaffen, neu entfachen.

Bei der Frage "gesetzlich oder privat" musste Öko-Test zunächst eine angemessene Vergleichsbasis schaffen. So zahlt die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) neben der regulären Altersrente auch Erwerbsminderungsrenten oder Geld zur Rehabilitation aus - staatliche Leistungen, die die einbezogenen privaten Rentenprodukte nicht abdecken. Die Tester haben diese Leistungen beim Vergleich herausgerechnet und gehen wie die DRV oder der Sachverständigenrat davon aus, dass lediglich 80 Prozent der Beiträge zum Aufbau der gesetzlichen Altersrente verwendet werden.

Demnach lässt sich in der gesetzlichen Rentenversicherung derzeit mit 80 Euro Beitrag ein Altersrentenanspruch von 0,46 Euro erwerben. Auf Basis dieser Relation haben die Tester gerechnet und die garantierten Rentenleistungen der Musterselbstständigen (30-Jähriger, 100 Euro Monatsbeitrag; 55-Jähriger, 175 Euro Monatseinzahlung; Renteneintritt jeweils mit 65) ermittelt.

Um prognostizierte Rentenleistungen vergleichen zu können, unterstellen die Tester in der GRV eine jährliche Rentensteigerung von 0,99 Prozent. So ermittelte gesetzliche und garantierte Renten werden zugleich um die Abschläge gekürzt, die bei einem vorzeitigen Renteneintritt mit 65 Jahren entstehen. Im Fall des 30-Jährigen sind es 7,2 Prozent, beim 55-Jährigen 3,3 Prozent Rentenabschlag. Anschließend ermittelten die Tester wie bei den privaten Angeboten die Rentenrenditen.

Ergebnisse und Fazit lassen aufhorchen. Sicheren Schutz vor Altersarmut, die die Bundesregierung mit der angestrebten Zwangsvorsorge unter Selbstständigen verhindern möchte, böte demnach nur die staatliche Rente, ist Ökotest überzeugt.

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