Mittwoch, 16. Oktober 2019

Vorsorgekonto Rentenversicherung will Alternative zu Riester

Vorsorge umkrempeln: Nach zehn Jahre Riester-Rente sei es Zeit für ein neues Basisprodukt, fordern Kritiker

Die Rentenversicherung ringt hinter den Kulissen um eine Alternative zur Riester-Rente. Das dazu auserkorene staatsfondsähnliche "Vorsorgekonto" fiel zwar zunächst durch. Doch die Riester-Kritiker lassen nicht locker: Eine neue Version des Kontos soll den Systemwechsel vorbereiten.

Hamburg - Die Kritik an der staatlich geförderten Riester-Rente schwelt schon länger. Einige Experten fordern offen einen Systemwechsel, denn viele Bürger fühlen sich überfordert. Sie wenden sich ab von der privaten Altersvorsorge. Die Politik doktere lediglich an Symptomen herum, versuche ein wenig mehr Transparenz hier oder ein wenig Honorarberatung dort zu erreichen, monieren Kritiker.

Mit Blick auf das Vorsorgesystem in Deutschland spart Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde nicht mit Kritik. "Die bestehenden Angebote gehen meist am Bedarf der Verbraucher vorbei", sagt er. Die Verbraucher empfänden die Mehrzahl der Riester-Produkte als undurchsichtig und zu teuer - "und das völlig zurecht", ist Bonde überzeigt.

Bei einigen Produkten ginge die "staatliche Förderung fast gänzlich für Abschluss- und Verwaltungskosten drauf", wettert Bonde. Oft werde das Ziel der Riester-Rente verfehlt, "da in erster Linie die Finanzinstitute und nicht die Verbraucher von der Förderung profitieren".

Klare Worte. Der Minister würde diesen Worten auch gern Taten folgen lassen. Mit einem einfachen, transparenten, kostengünstigen und staatlich geförderten Basisprodukt für alle, dem sogenannten "Vorsorgekonto". Die Verbraucherkommission Baden-Württemberg, die Verbraucherzentralen und die Deutsche Rentenversicherung des Bundeslandes haben das Konzept des Vorsorgekontos vorangetrieben - nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Bei teils abweichenden Vorstellungen könnte das "Vorsorgekonto" wie folgt aussehen:

Provisionskosten abschaffen: Jeder Verbraucher soll ein Vorsorgekonto eröffnen können. Geführt von einer Einrichtung ohne Gewinnerzielungsabsicht, etwa der Deutschen Rentenversicherung oder der Staatsbank KfW, könnten damit die viel kritisierten Abschluss- und Provisionskosten eines herkömmlichen Altersvorsorgevertrags entfallen. Die laufenden Verwaltungskosten würden wegen des potentiell hohen Anlagevolumens auf ein Minimum begrenzt.

Lebenserwartung neu berechnen: Anders auch als herkömmliche Anbieter, würde eine öffentliche Institution eine "realistische Lebenserwartung" bei der Rentenkalkulation unterstellen. Unter dem Strich hätte dies eine tendenziell höhere Zusatzrente zur Folge. Viele Lebensversicherer dagegen kalkulieren mit einer sehr hohen Lebenserwartung ihrer Kunden, so dass sich ihr Rentenvertrag oft erst lohnt, wenn die Kunden steinalt werden.

Rentenvermögen vererben: Die in das Vorsorgekonto eingezahlten Beiträge sollen gänzlich vererbbar sein. Das angesammelte Vermögen soll eine unabhängige, kompetente Institution verwalten und möglichst nach ethischen und ökologischen Grundsätzen anlegen - zunächst nur in einer sicherheitsorientierten Anlageform. Später könnte der Verbraucher ein oder zwei chancen- und damit auch risikoreichere Anlageklassen hinzuwählen.

Kostenfreier Wechsel: Das Konto soll parallel zu schon bestehenden Vorsorgeverträgen nutzbar sein. Verbraucher sollen aber auch bereits bestehende und geförderte Verträge kostenfrei auflösen und die eingezahlten Beträge ohne Verluste in das Vorsorgekonto überführen können.

Das liest sich gut, fast wie ein "Herzliches Willkommen" in der neuen Altersvorsorgewelt. Im Kern folgte so ein "Vorsorgekonto" damit der Idee staatlicher Pensionsfonds, wie sie sich in Norwegen und Schweden etabliert haben.

Doch so einfach ist das in Deutschland nicht. Da gibt es gewichtige gegenlaufende Interessen. Politische und wirtschaftliche.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung