Sonntag, 21. April 2019

Betriebsrenten der Dax-Konzerne Die 100-Milliarden-Euro-Lücke

Die Betriebsrenten der Dax-Konzerne sind sicher, auch wenn die Lücke zwischen Pensionsvermögen und -verpflichtungen zuletzt wieder gewachsen ist

In den Pensionsvermögen der Dax-Konzerne klafft eine Lücke von 102 Milliarden Euro. Gleichwohl sind die Betriebsrenten nicht gefährdet, ist Thomas Jasper von der Unternehmensberatung Towers Watson überzeugt. Er sagt, wo er die größten Gefahren für die betriebliche Altersvorsorge sieht.

mm: Herr Jasper, die Konzerne in Deutschland legen Geld für die Pensionsansprüche ihrer Mitarbeiter an. Die Lücke zwischen Pensionsvermögen und Verpflichtungen in 2011 hat sich offenbar vergrößert. Lässt sich das in absoluten Zahlen beziffern?

Jasper: Ende 2011 wiesen die Dax-Konzerne hochgerechnet pensionsspezifische Vermögenswerte in Höhe von 165 Milliarden Euro aus, dem standen Pensionsverpflichtungen von 250 Milliarden Euro gegenüber. Bei den MDax-Konzernen standen 16 Milliarden Euro Planvermögen rund 33 Milliarden Euro Verpflichtungen gegenüber. Der Ausfinanzierungsgrad der Pläne, der das Verhältnis von Vermögen und Verpflichtungen ausdrückt, betrug damit 66 Prozent im Dax und rund 49 Prozent im MDax und liegt damit 2,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Die anstehenden Geschäftsberichte für das Jahr 2011 werden zeigen, wie sich Pensionsvermögen und -verpflichtungen genau entwickelt haben.

mm: Deckungslücken im Pensionsvermögen - das klingt beunruhigend. Müssen sich die Beschäftigten nun Sorgen machen?

Jasper: Nein, und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst gelten als Pensionsvermögen im engen Sinne nur Gelder, die vom Unternehmensvermögen getrennt und zweckgebunden für die Altersversorgung angelegt werden. Für unsere Studie werden nur diese Gelder, nicht aber die klassischen internen Pensionsrückstellungen, die viele Unternehmen für die Zahlung der Pensionen gebildet haben, betrachtet. Aber auch diese Unternehmen sind zumindest im bilanziellen Sinne vollständig ausfinanziert.

Zudem sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, für die Pensionszusagen einzustehen. Darüber hinaus sind die Pensionszusagen über verschiedene Mechanismen gegen eine etwaige Insolvenz des Arbeitgebers versichert. Auch wenn die Lücke zwischen Vermögen und Verpflichtungen aktuell sehr groß erscheint, dürfen wir nicht vergessen, dass die Unternehmen oft noch Jahrezehnte Zeit haben, das entsprechende Deckungskapital aufzubauen. Nach unseren Analysen haben sie das in den vergangenen Jahren auch getan.

mm: Welchen zentralen Grund sehen Sie dafür, dass der Deckungsgrad im vergangenen Jahr nun doch wieder zurückgefallen ist?

Jasper: Letztlich sind die Verpflichtungen schneller gestiegen als das Vermögen. Zudem bauen Dax-Unternehmen gegenwärtig durch neu erdiente Ansprüche und die Verzinsung bestehender Ansprüche mehr Verpflichtungen auf als sie durch Pensionszahlungen tilgen. Ob der Ausfinanzierungsgrad tatsächlich 2011 gefallen ist, wird auch maßgeblich durch die Wahl des Rechnungszinses bestimmt, der für die Verpflichtungsbewertung herangezogen wird. Dieser richtet sich nach der Umlaufrendite von Unternehmensanleihen hoher Bonität. In Folge der Finanzkrise haben sich hier im Jahresverlauf deutliche Verwerfungen gezeigt, so dass die Bestimmung des angemessenen Rechnungszinses besondere Sorgfalt erfordert.

mm: Nach drei Quartalen 2011 wiesen die Pensionsvermögen der Konzerne wegen des hohen Aktienanteils einen Wertverlust von 1,2 Prozent aus. Wie sieht es auf Jahressicht aus?

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