Sonntag, 17. November 2019

Streit um mehr Transparenz Verstehen Sie Ihren Riester-Vertrag?

Quadratur des Kreises: Der Weg zu mehr Transparenz in der staatlich geförderten Altersvorsorge über ein zweiseitiges Informationsblatt ist schwierig und umstritten

Die Bundesregierung will Riester- und Rürup-Produkte transparenter machen. Ein für alle Anbieter verbindliches Info-Blatt soll das leisten. Der Entwurf liegt jetzt vor. Allein der Streit über die Kostenquote zeigt - das Unterfangen mutet an wie die Quadratur des Kreises. Dabei könnte es auch ganz einfach sein.

Hamburg - "Kaufe nur, was Du verstehst." Dieser Investmentgrundsatz sollte auch bei der Altersvorsorge gelten. Machen wir die Probe aufs Exempel und lesen, was ein Versicherer zu den Kosten seiner Riester-Rente schreibt: "Verwaltungskosten 4,5 Prozent jedes Eigenbeitrages und jeder Zulage, dazu jährlich zwölf Euro zuzüglich ein Euro pro Beitragszahlung sowie jährlich 1,5 Prozent der Jahresrente."

Angaben wie diese versteht kein Verbraucher. Sie verschleiern bewusst, verhindern den Produktvergleich und nähren die anhaltende Kritik an dem System der staatlich geförderten Altersvorsorge. Nach dem Willen der Bundesregierung soll ein für alle Anbieter einheitliches und ab 2013 verbindliches Produktinformationsblatt für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit nicht zuletzt bei den Kosten sorgen. Das beauftragte Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) hat mit einer Studie nun ein Standard-Produktinformationsblatt vorgelegt - und zwar jeweils für die nach staatlichen Riesterkriterien zertifizierten Produkte Fondspolice, Banksparplan, Bausparvertrag, Bankdarlehen (Wohn-Riester) und Zusatzpolice.

Die Kritik der Experten fällt unterschiedlich aus. Die Meinungen gehen vor allem bei der wichtigen Frage der Darstellung der Kosten auseinander - ein Konflikt, der sich bereits im Sommer vergangenen Jahres abzeichnete, als das Bundesfinanzministerium den Diskussionsentwurf zum Produktinformationsblatt vorlegte.

Kosten belasten die Rendite eines Vorsorgevertrages und damit auch die spätere Rente. Wie und in welchem Ausmaß sie das unter der Annahme einer bestimmten Wertentwicklung tun, soll die neue Kenngröße der Effektivkosten ("Reduction in Yield"; RiY) darstellen. Das IFF verwendet die RiY und folgt damit der vom Finanzministerium ausgesprochenen Empfehlung. Der Marktführer Allianz Leben hatte die RiY bereits Anfang 2011 für neue Produkte eingeführt.

Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), ist ein Verfechter der neuen "stabilen" Kenngröße und lobt den Standardentwurf für seine Kostendarstellung insgesamt: "Nach Einführung des neuen Produktinformationsblattes werden es die Anbieter deutlich schwerer haben, Kosten zu verstecken."

Axel Kleinlein, Vorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV), sieht dagegen durch die im IFF-Entwurf verwendeten Kennzahlen und Begriffe "der Irreführung Tür und Tor geöffnet". Besonders die "Effektivkosten", welche die Renditeminderung durch Kosten ausweisen, sind dem Versicherungsmathematiker ein Dorn im Auge.

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