Montag, 14. Oktober 2019

Streit um mehr Transparenz Verstehen Sie Ihren Riester-Vertrag?

Quadratur des Kreises: Der Weg zu mehr Transparenz in der staatlich geförderten Altersvorsorge über ein zweiseitiges Informationsblatt ist schwierig und umstritten

3. Teil: Verständlich geht auch anders

Bei der Darstellung der Effektivkosten bemängelt ITA-Chef Ortmann, dass der IFF-Entwurf auf den einzelnen Informationsblättern für die unterschiedlichen Produktarten Synonyme verwendet, was zur Verwirrung beitragen kann. Für verwirrend hält der Experte zudem die Vorgehensweise, die Effektivkosten neben einer Prozentzahl zusätzlich auch in einem kumulierten Euro-Betrag anzugeben. So bleiben die prozentualen Effektivkosten in etwa gleich hoch, auch wenn der unterstellte jährliche Ertrag etwa von 2 Prozent auf 8 Prozent vervierfacht wird. Nicht stabil ist dagegen der Euro-Betrag, er steigt nahezu um den gleichen Faktor wie der unterstellte jährliche Ertrag.

"Das liegt daran, dass Kosten auf die künftige Wertentwicklung berechnet werden. Wenn man eine solche Angabe in Euro bringt, dann müsste der Betrag abgezinst dargestellt werden", wendet Ortmann ein. Alternativ ließen sich mehrere Wertentwicklungsannahmen ausweisen und dafür jeweils die prozentualen Effektivkosten und die Effektivkosten in Euro angeben. Das bedürfte dann aber einer Tabelle, und die Kosten sind nur eines von 19 Elementen, die das lediglich zwei Seiten lange Produktinformationsblatt berücksichtigen soll.

Ortmann will sagen: Es gibt Zusammenhänge bei Finanzprodukten, die sind nicht ganz einfach und man sollte den Verbraucher vielleicht sogar besser damit verschonen.

Wie die Quadratur des Kreises auf zwei Din-A4-Seiten

Allein der Diskurs über die richtige und am besten verständliche Darstellung der Kosten eines Finanzproduktes zeigt die Schwierigkeit des Unterfangens, mehr Transparenz zu schaffen. Auf beschränkten zwei Din-A4-Seiten gleicht es fast der Quadratur des Kreises. Vielleicht muss man tatsächlich noch einmal neu denken. Vielleicht sind es womöglich die ganz einfachen Relationen, die ein Finanzprodukt für den Laien überhaupt erst verständlich und damit transparent machen. Was spräche etwa gegen folgende Informationen auf einem Produktblatt?

• "Bei diesem Produkt müssen Sie mindestens X Jahre leben, um mit der garantierten Rente das herauszubekommen, was Sie eingezahlt haben."

• "Bei diesem Produkt müssen Sie Y Jahre leben, um mit der in Aussicht gestellten Rente inklusive Überschüsse eine Inflation von 2 Prozent zu schlagen."

• "Beim Kauf dieses Produkts müssen sie auf X Euro Rente auf Grund aller Kosten verzichten."

Trotz der Einwände, die man gegen so eine Darstellungsform erheben könnte, einen Gedanken sollten diese Vorschläge des BdV dem Gesetzgeber vielleicht wert sein. Denn letztlich geht es um Verständlichkeit - und ohne diese bleibt Transparenz nur ein frommer Wunsch.

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