Mittwoch, 16. Oktober 2019

Streit um mehr Transparenz Verstehen Sie Ihren Riester-Vertrag?

Quadratur des Kreises: Der Weg zu mehr Transparenz in der staatlich geförderten Altersvorsorge über ein zweiseitiges Informationsblatt ist schwierig und umstritten

2. Teil: Effektivkostenquote - eine Zahl kann nicht alles leisten

Der Verbraucher sollte wissen, dass die neue Vergleichskennziffer nur dann aussagekräftig ist, wenn dem Vergleich etwa zweier Verträge jeweils gleiche Laufzeiten, gleiche Beitragszahlungsdauer und die identische unterstellte Verzinsung vor Kosten zugrunde liegen, sagt Kleinlein. Zudem sollten die zu vergleichenden Policen auch mit der gleichen Sterbetafel kalkuliert worden sein, denn sie ist mit entscheidend für die Höhe der Risikokosten.

Zum Hintergrund: Bei einer Rentenversicherung geht der Versicherer das Risiko ein, dass der Kunde länger lebt als erwartet, das Unternehmen also länger Rente zahlen muss. Dieses "Langlebigkeitsrisiko" muss der Anbieter in der Kalkulation mit bestimmten Kosten ansetzen. Das Problem laut Kleinlein: Die neue Kennziffer berücksichtige diese Risikokosten eben nicht.

Zudem ließen sich die Effektivkosten finanzmathematisch auch leicht manipulieren, wendet der Mathematiker weiter ein. "Ein Angebot, das einen späteren Rentenbezug unterstellt, erscheint immer merklich günstiger als eines mit einem passgenauen Rentenbeginn." So weist das IFF-Produktinformationsblatt für die Riester-Fondspolice bei einem Rentenbeginn mit 65 eine Effektivkostenquote von 2,1 Prozent aus. Ginge man aber bei identischer Kalkulation von einem Rentenbeginn mit 70 aus, läge die Kostenquote bei nur 1,8 Prozent.

"Das Produkt erscheint kostengünstiger, obwohl die Abschlusskosten bei gleichen Verwaltungskosten dann sogar höher sind", sagt der Experte und rechnet vor: Wenn der Kunde mit 67 in Rente geht, stünden ihm beim ersten Angebot 54.569 Euro für die Rente zur Verfügung, beim zweiten mit der niedrigeren Kostenquote jedoch nur 53.732 Euro. "Trotz niedrigerer Kostenquote fällt die Rente also geringer aus." Der Verbraucher habe jedoch keine Chance, dies anhand eines Vergleichs der Kostenquoten zu erkennen, kritisiert der BdV-Vorsitzende.

Ortmann, der den IFF-Entwurf sehr detailliert und auf neun eng bedruckten Seiten bespricht, hält die prozentuale Effektivkostenquote im Gegensatz zu Kleinlein zwar für die richtige Größe. Doch allein diesem einen von elf Informationsblöcken auf dem IFF-Informationsblatt widmet der ITA-Geschäftsführer zwei Seiten Kritik und Anregungen. Darüber hinaus schlägt Ortmann an vielen Stellen treffendere Begriffe und verständlichere Grafiken vor als sie das IFF verwendet - etwa bei der Darstellung der Chance-Risiko-Verteilung.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung