Samstag, 25. Mai 2019

Versicherungvermittler Eine Frage der Ehre

Vertreter vor der Tür: Versicherungsvermittler in Deutschland sollen sich jetzt zu den Tugenden des "Ehrbaren Kaufmann" bekennen

2. Teil: "Verstoß gegen Selbstverpflichtung vor Gericht wertlos"

Das Geschäft des provisionsbasierten Versicherungsvertriebs steht nicht erst seit gestern in der Kritik - jetzt aber verschärft auf dem Prüfstand. So will die Politik die unabhängige Honorarberatung als echte Alternative etablieren, die Vermittler-Provisionen deckeln und die Versicherungswirtschaft verdonnern, verstärkt Policen zu Nettotarifen anzubieten - Policen also, deren Prämien keine Abschluss- und Provisionskosten beinhalten. Für die SPD sind sie die zentrale Voraussetzung, dass Honorarberatung eine Zukunft in Deutschland hat.

Unter Dauerbeschuss stehen die Versicherungsvermittler auch von Verbraucherschützern, zumeist bekennende Fürsprecher der Honorarberatung, die seit Jahren eine strikte Trennung von Beratung und Vermittlung von Versicherungs- und Finanzprodukten fordern. Ihre Kernthese: Das dominierende Provisionsmodell schaffe falsche Anreize, verhindere eine unabhängige Beratung, sei zu teuer und ziele oft am tatsächlichen Bedarf des Kunden vorbei.

Viel Anerkennung findet der BVK mit seinem Vorstoß in diesem Lager denn auch nicht. "Die Vermittler sehen, dass der Gegenwind in der Öffentlichkeit und der Politik stärker wird. Insofern kann man die Initiative auch als das letzte Aufbäumen eines Berufsstandes verstehen, der sich seine Pfründe sichern möchte", sagt Thorsten Rudnik, Vorstand vom Bund der Versicherten.

Mehr als 80 Prozent der Vermittler sind an einen Versicherer gebunden

"Selbstverpflichtungen sind in der Regel das Papier nicht wert, auf dem sie stehen", sagt Niels Nauhauser von der Verbrauchzentrale Baden-Württemberg. Der Rat der allermeisten Vermittler könne gar nicht unabhängig vom Geschäftsabschluss sein, denn schließlich würden sie unmittelbar durch diesen entlohnt. Wenn so eine Formulierung dennoch in einer Selbstverpflichtung stehe und die Vermittler sich dazu bekennen, "dann nur deshalb, weil sie vor Gericht wertlos ist", liefert Nauhauser den wohl entscheidenden Einwand.

Justitiabel sei der Verstoß gegen einen Kodex nicht, allenfalls ließen sich daraus vereinsrechtliche Konsequenzen für den Vermittler ableiten, sagt auch Professor Günter Hirsch, Versicherungsombudsmann und ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofes (BGH), im Gespräch mit manager magazin Online.

Von aktuell 257.795 registrierten Versicherungsvermittlern in Deutschland sind lediglich 45.989 (Versicherungsmakler und Versicherungsberater) nicht einem Versicherer verpflichtet. Alle anderen arbeiten als Vertreter für ein (Ausschließlichkeitsvertreter) oder mehrere Häuser (Mehrfachagent). Sie sind gebunden und dürfen also auch nur deren Produkte vermitteln, sagt Matthias Helberg, Versicherungsmakler in Osnabrück.

Ist vor diesem Hintergrund ein selbstverpflichtender Kodex für Versicherungsvermittler in Deutschland per se nicht zum Scheitern verurteilt?

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