Sonntag, 25. August 2019

Altersvorsorge Lebensversicherer senken Zinsen auf breiter Front

Zukunft der Altersvorsorge: Was Experten sagen und raten
Corbis

Viele Lebensversicherte bekommen es in diesen Wochen schwarz auf weiß. Ihre Überschussbeteiligung sinkt 2012 erneut. Im Branchenschnitt fällt die Verzinsung auf 3,87 Prozent - der niedrigste Stand der Nachkriegsgeschichte. Die Rentenlücke wächst, Vorsorgesparer müssen nachbessern, um das Minus auszugleichen.

Hamburg - Erste Strichproben zur Deklarationsrunde Ende vergangenen Jahres hatten es bereits angedeutet. Die Lebensversicherer müssen der anhaltenden Niedrigzinsphase erneut Tribut zollen und senken ihre Überschussbeteiligung für das laufende Jahr 2012 auf breiter Front deutlich.

Nach einer Umfrage des "Hamburger Abendblatts" unter den 40 größten Anbietern, die zusammen 90 Prozent des Marktes abdecken, sinkt die Verzinsung der Sparguthaben auf 3,87 Prozent im Schnitt. Der Analysefachblatt der Assekuranz, Map-Report, dem bislang 40 Unternehmen geantwortet haben, kommt auf 3,93 Prozent. Map-Report rechnet allerdings mit dem Mittelwert aller Rechnungszinssätze. 2011 hatte die Branche die vertriebspsychologisch wichtige "Vier" vor dem Komma noch halten können: 4,08 Prozent betrug die Durchschnittsverzinsung. Im Jahr 2000 schrieben die Unternehmen ihren Kunden noch rund 7,2 Prozent gut.

Auch wenn einzelne Versicherungsvorstände im Interview mit manager magazin Online es anders interpretieren - da in diesem Jahr zugleich der Garantiezins auf 1,75 Prozent sinkt, verliert das Produkt Lebensversicherung weiter an Attraktivität. Mit nachhaltig steigenden Kapitalmarktzinsen und der Chance auf wieder höhere Gutschriften rechnet die Branche in den kommenden Jahren angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa selber nicht.

Auch wenn die Unternehmen bereit wären, bei der Kapitalanlage höhere Risiken für attraktivere Renditen einzugehen, bleiben ihre Möglichkeiten doch beschränkt. Denn ab dem Jahr 2013 müssen sie nach den neuen Eigenkapitalrichtlinien (Solvency II) risikoreichere Investments mit mehr Eigenmitteln unterlegen. Viele Lebensversicherer würden damit geradezu gezwungen, fortgesetzt in fest aber eben niedrig verzinste Papiere zu investieren - zum Beispiel vermeintlich sichere Staatsanleihen, wenden Kritiker ein.

Menschen, die ihre Altersvorsorgeplanung ausschließlich auf der Basis einer Renten- oder Kapitallebensversicherung aufgebaut haben, müssen jetzt zur Kenntnis nehmen, dass einstige Prognosen nicht mehr stimmen. Die Lücke zur gesetzlichen Rente, die die hochgerechneten Erlöse aus der Lebensversicherung ja eigentlich füllen sollten, ist in den vergangenen zwölf Jahren gewachsen.

Daraus lassen sich zwei Strategien ableiten: Entweder erhöht der Verbraucher seine Sparanstrengungen, um das angestrebte Versorgungsniveau zu erreichen. Oder er schränkt seinen Konsum eben im Alter stärker ein.

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