Montag, 23. September 2019

Altersvorsorge Lebensversicherer senken Zinsen auf breiter Front

Zukunft der Altersvorsorge: Was Experten sagen und raten
Corbis

2. Teil: Künftig Zweiklassengesellschaft in der Lebensversicherung

Experten erwarten im Gespräch mit manager magazin Online aber zugleich, dass mehr Menschen trotz privater Vorsorge im Alter künftig noch Geld hinzuverdienen müssen. "Das steht zu befürchten. Gerade angesichts der demographischen Entwicklung, die ja nichts anderes bedeutet, als dass künftig immer weniger arbeitende Menschen immer mehr Rentner mitversorgen müssen", sagt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef der Quirin Bank. Selbst in Kreisen leistungsstarker Lebensversicherer hält man dieses Szenario für immer wahrscheinlicher. "Die demographische Entwicklung erfordert flexiblere Lösungen als bisher. Eine Kombination aus Rente und Arbeitslohn ist denkbar", sagt etwa Debeka-Vorstandschef Uwe Laue im Interview.

Dabei dürfen sich Kunden mit Altverträgen und einem Garantiezins von 4 Prozent noch glücklich schätzen. Denn davon dürfen die Anbieter nur im drohenden Insolvenzfall und mit Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin abweichen. Dieser gilt seit der Beinahepleite der Mannheimer Leben zwar als äußerst unwahrscheinlich.

Nachhaltig sichere Alternativen sind rar

Fakt ist aber, dass Altkunden schwächerer Gesellschaften mit einem hohen Garantiezins künftig bei der Überschussbeteiligung besser gestellt sind als Neukunden. Denn so manchem Anbieter fällt es schwer, ausreichend Gewinne am Kapitalmarkt zu erwirtschaften, um bereits die durchschnittlichen Garantieverpflichtungen von 3,4 Prozent im Vertragsbestand zu bedienen. Zugleich schmilzen die Rücklagen, aus denen die Unternehmen in der Vergangenheit eine über dem Zinsniveau des Kapitalmarkts liegende Überschussbeteiligung mit finanziert haben, dahin. Einzelne Assekuranzvorstände und andere Experten denken deshalb bereits offen über abgespeckte Garantiezusagen nach.

Trotz aller Kritik an dem Produkt Lebensversicherung, insbesondere an seiner intransparenten Kostenstruktur, ist aber auch richtig, dass die Alternativen für eine dauerhaft sichere Altersvorsorge sehr beschränkt sind.

Die meisten international anlegenden Aktienfonds haben mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre im Schnitt eine jährliche Rendite von rund minus 1,4 Prozent abgeworfen, hat Map-Report nachgerechnet. Erst nach 20 Jahren wiesen sie in der Mehrzahl überhaupt positive Renditen aus, lägen von der Verzinsung der Lebensversicherer aber noch deutlich entfernt.

"Der Aktienmarkt bietet dem Amateuranleger jedenfalls keine Alternative zum Lebensversicherungsprodukt", ist Map-Report-Chef Manfred Poweleit überzeugt. Und noch ein Argument spreche für die Lebensversicherung: Im Gegensatz zu manchem Aktiensparer hat bislang kein Lebensversicherter in Deutschland einen Totalverlust erlitten.

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