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Zukunft der Altersvorsorge: Was Experten sagen und raten

Foto: Amac Garbe

Zukunft der Altersvorsorge III Was tun mit 50.000 Euro?

Niedrigzinsen und Politik setzen die Lebensversicherer unter Druck. Die Rendite der Policen fällt 2012 weiter ab, die Einnahmen brechen weg. Auf welche Weise sollte man 50.000 Euro investieren, um optimal für den Ruhestand vorzusorgen? Neun Experten geben Antworten.

Hamburg - Mit rund 90 Millionen Verträgen und 750 Milliarden Euro Kapitalanlagen sind die Lebensversicherer nach wie vor der wichtigste Altersvorsorgepartner der Deutschen. Doch für die politisch gut verdrahtete Branche, deren Geschäft über viele Jahre von der Steuerfreiheit aller Policen-Erträge und später dann von der staatlich geförderten Riester-Rente profitierte, wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel.

Wegen des nachlassenden Geschäfts in der Lebensversicherung muss die gesamte Assekuranz in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten sinkende Betragseinnahmen hinnehmen. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer selbst werden in diesem Jahr geschätzt um knappe 6 Prozent zurückfallen.

Die Branche hat zu kämpfen: Da sie das Geld der Versicherten möglichst langfristig und zu 88 Prozent in festverzinsliche Papiere anlegt, stellt das anhaltend niedrige Zinsniveau die größte Gefahr für die Unternehmen dar. Ihre Kunden spüren das schmerzhaft. Jahr um Jahr fällt die laufende Verzinsung ihres um die Kosten verminderten Sparbeitrags. Lag die Rendite vor zehn Jahren noch bei stolzen 7,1 Prozent im Branchenschnitt, dürfte sie in 2012 erstmals in der Nachkriegsgeschichte unter die Marke von 4 Prozent rutschen. Immer mehr Anbieter schaffen nicht einmal diese 4 Prozent, manche haben ihr Neugeschäft bereits eingestellt. Bitter für die Kunden: Zugleich nagt die Inflation von zuletzt 2,4 Prozent an der Rendite der Verträge.

Steigende Verzinsungen sind wegen der Schuldenkrise in Europa die kommenden Jahre nicht in Sicht, räumen Versicherungsvorstände ein. Die Vorsorgepläne vieler Menschen, die in erster Linie auf einer Lebensversicherung aufbauten, sind damit weitgehend Makulatur. Ihre Lücke zur gesetzlichen Rente, die die private Vorsorge eigentlich schließen sollte, wächst tendenziell.

Und die Lebensversicherung verliert an Attraktivität: Der Bundesfinanzminister hat der Branche gegen den Widerstand des Versicherungsverbandes GDV für das Neugeschäft ab 2012 einen auf 1,75 Prozent abgesenkten Garantiezins verordnet, um die schwächeren Anbieter zu entlasten. Denn ihnen fällt es immer schwerer, die durchschnittlich garantierten 3,4 Prozent ihres Vertragsbestands am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Einzelne Versicherungsvorstände und andere Experten denken deshalb bereits offen über abgespeckte Garantiezusagen nach.

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Zukunft der Altersvorsorge: Was Experten sagen und raten

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Härtere Eigenkapitalregeln werden die Wettbewerbsfähigkeit finanzschwächerer Anbieter noch verschlechtern: Denn die Versicherer müssen für risikoreichere Anlagen künftig mehr Eigenmittel zurücklegen. Damit aber würden sie in in niedrig verzinste Wertpapiere gezwungen und ihre Chancen im Wettbewerb beschnitten, monieren Kritiker. Eine attraktive Rendite sei so erst recht nicht zu erwirtschaften. Kunden dieser Anbieter drohe eine "Zweiklassengesellschaft". Soll heißen: Werden die Rücklagen knapp, müssten Neukunden künftig mit einer niedrigeren Überschussbeteiligung als Altkunden derselben Gesellschaft rechnen, deren Verträge 4 Prozent Zinsen garantieren und die der Anbieter zahlen muss.

Die Branche gerät nicht nur durch niedrige Kapitalmarktzinsen und schärfere Auflagen verstärkt unter Druck. Dass bei den Versicherten immer weniger ankomme, habe vor allem mit den hohen Kosten der Produkte zu tun, behaupten Studien immer wieder. Der zentrale Vorwurf: Viele Anbieter kalkulierten den Verkaufsschlager Riester-Rente für die Kunden nicht nur völlig undurchsichtig, sondern auch mit einer viel zu langen Lebenserwartung der Vorsorgesparer, so dass sich die Verträge erst lohnten, wenn die Versicherten steinalt werden. Die Angriffe gegen die Riester-Rente gipfelten zuletzt in dem von dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zugespitzten Vergleich, die Riester-Rente sei so löchrig wie ein "Sparstrumpf".

Jenseits des Skandals um den Versicherer Ergo hat das Image der Riester-Rente in ihrem Jubiläumsjahr auch durch die Tatsache Schaden genommen, das viele Riester-Sparer das komplizierte Zulagenverfahren offenbar nicht verstehen und nun 500 Millionen Euro staatliche Zulagen zurückzahlen müssen. Das Urteil mancher Experten nach gut zehn Jahren staatlich geförderter Altersvorsorge in Deutschland fällt nicht gerade freundlich aus. "Gut gedacht, schlecht gemacht." Sie fordern mittlerweile ganz offen einen "Systemwechsel".

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage der Lebensversicherer als wichtigster Vorsorgepartner der Deutschen hat manager magazin Online neun Experten nach ihrer Meinung befragt. Im Mittelpunkt stehen fünf Themen:

• Warum erlahmt das Interesse an privater Vorsorge? (Teil I)

• Müssen wir als Rentner trotz privater Vorsorge noch hinzuverdienen? (Teil I)

• Braucht Deutschland eine grundlegende Reform der Altersvorsorge? (Teil II)

• Würde eine "Positivliste" für Vorsorgeprodukte in Deutschland helfen? (Teil II)

• Wie jetzt am besten 50.000 Euro für die Altersvorsorge anlegen? (Teil III)

Lesen Sie die zum Teil sehr konträren und überraschenden Einschätzungen. Teil I (Dienstag, 20. Dezember), den zweiten Teil am Mittwoch, 21. Dezember, und Teil III am Donnerstag, 22. Dezember, auf manager magazin Online.

Wie jetzt am besten 50.000 Euro für die Altersvorsorge anlegen?

Die Verunsicherung scheint groß, viel Geld landet derzeit auf schwach verzinsten Konten. Was raten Sie, wenn jetzt jemand 50.000 Euro für seine Altersvorsorge investieren möchte?

Weber: Die meisten Menschen haben derzeit ihr Geld in der Tat auf schwach verzinsten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten abgeladen. Im Moment erzielen sie damit nach Steuern und Inflation eine Negativrendite von knapp 2 Prozent. Wenn sie so zehn Jahre lang "sparen", werden aus 1000 Euro etwa 817 Euro. Das heißt, sie verlören durch Inflation und geringen Zins fast 20 Prozent des Vermögens. Die zumindest teilweise Investition in eine breit diversifizierte Anlage in unterschiedliche, riskante Assetklassen, die zudem noch auf die Kosten achtet, ist das Gebot der Stunde.

Kleinlein: Ob Tagesgeldkonto, Fondssparen, Immobilie oder andere Finanzprodukte - es gilt immer die persönliche Lebenssituation zu betrachten. Bei der Altersvorsorge, muss geprüft werden, welches Risiko man bereit ist einzugehen, wie schnell man an das Geld im Notfall herankommen möchte und ob man am Schluss eine einmalige Zahlung oder eine Rente wünscht. Also Hände weg von Ratschlägen, die die persönlichen Umstände nicht berücksichtigen. Nur mit unabhängiger und persönlicher Beratung kann man eine richtige Lösung finden.

Schmidt: Das kommt natürlich ganz auf die persönliche Lebenssituation, die Risikobereitschaft und den Anlagehorizont an. Ganz generell rate ich zu einem breit aufgestellten kostengünstigen und einfach zu verstehenden ETF-Portfolio, das den globalen Aktien- und Rentenmarkt abbildet und gut ausbalanciert ist. Ich glaube, es ist besser, langfristig auf das Funktionieren unseres marktwirtschaftlichen Systems und der Innovationskraft seiner Unternehmen zu setzen, als sich täglich durch die Achterbahnfahrt an den Börsen verrückt machen zu lassen.

Poweleit: Das hängt sehr vom Alter des Vorsorgers ab. Wer kurz vor Eintritt in den Ruhestand ist, kommt an der sofortbeginnenden Rente gegen Einmalbeitrag kaum vorbei. Das Langlebigkeitsrisiko erfordert eine Versicherungslösung, und steuerlich ist diese Lösung unschlagbar.

Laue: In diesem Fall sollte man eine sofortbeginnende oder aufgeschobene Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag abschließen. Vorteile: Ein vielseitiges und flexibles Angebot mit lebenslanger Rentengarantie, gepaart mit hoher Verzinsung.

Heinen: In eine private Rentenversicherung. Diese Antwort mag vielleicht pauschal klingen, weil letztlich der entscheidende Punkt bei dieser Frage die persönliche Zukunftserwartung und die eigene - ungewisse - Langlebigkeit ist, aber für die große Mehrheit der Bürger ist sie die richtige Antwort. Entgegen landläufiger Meinung ist es gerade in Niedrigzinszeiten besonders sinnvoll, eine Rentenversicherung abzuschließen.

Rätz: Sie können die Wohnung oder das Haus kaufen, in dem Sie leben. Wer schon im Eigentum wohnt, kann es energetisch auf den neuesten Stand bringen. Aber tatsächlich gibt es individuell keine wirklich überzeugenden Möglichkeiten. Die Vorsorge für die großen Lebensrisiken wie Alter und Gesundheit muss gesellschaftlich erfolgen, indem alle Personen und alle Einkommen mit einbezogen werden.

Weinmann: Solche Ratschläge kann man nur altersabhängig geben. Ich selbst bin Altersklasse 60. Die garantierte lebenslange Rentenzahlung in Form einer Leibrente ist für mich ein Axiom der Lebensqualität. Deshalb wählte ich eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag mit Rentenbeginn 70 Jahre. Bis dahin erwarte ich eine steuerfreie Verzinsung des Nettobeitrags, die ich für einen betriebswirtschaftlich guten Versicherer bei 3,5 Prozent bis 4 Prozent im Jahr sehe. Wäre ich noch ein "Jungspund", setzte ich zusätzlich auf die eigene Immobilie als zweites Axiom der Lebensqualität.

Zschaber: Die oberste Priorität bei der Einmalanlage sollte, in aktuell schwankungsintensiven Zeiten und sicherlich zukünftig nicht minder volatilen Rahmenbedingungen, die Liquidität des Kapitals sein. Der jederzeitige Zugriff auf das Vermögen ist die einzige Möglichkeit auf Szenarien und exogene Ereignisse zu reagieren. Generell sehen wir die Anlage in Aktien/Vermögensverwaltungsfonds als das am besten geeignete Mittel, um durch Sachwertinvestitionen in Qualität unter Einbindung von Rohstoffen und Edelmetallen wie Gold, sein Vermögen gegen mögliche Währungsrisiken und Inflation zu schützen.

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