Montag, 23. September 2019

Zukunft der Altersvorsorge III Was tun mit 50.000 Euro?

Zukunft der Altersvorsorge: Was Experten sagen und raten
Corbis

Niedrigzinsen und Politik setzen die Lebensversicherer unter Druck. Die Rendite der Policen fällt 2012 weiter ab, die Einnahmen brechen weg. Auf welche Weise sollte man 50.000 Euro investieren, um optimal für den Ruhestand vorzusorgen? Neun Experten geben Antworten.

Hamburg - Mit rund 90 Millionen Verträgen und 750 Milliarden Euro Kapitalanlagen sind die Lebensversicherer nach wie vor der wichtigste Altersvorsorgepartner der Deutschen. Doch für die politisch gut verdrahtete Branche, deren Geschäft über viele Jahre von der Steuerfreiheit aller Policen-Erträge und später dann von der staatlich geförderten Riester-Rente profitierte, wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel.

Wegen des nachlassenden Geschäfts in der Lebensversicherung muss die gesamte Assekuranz in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten sinkende Betragseinnahmen hinnehmen. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer selbst werden in diesem Jahr geschätzt um knappe 6 Prozent zurückfallen.

Die Branche hat zu kämpfen: Da sie das Geld der Versicherten möglichst langfristig und zu 88 Prozent in festverzinsliche Papiere anlegt, stellt das anhaltend niedrige Zinsniveau die größte Gefahr für die Unternehmen dar. Ihre Kunden spüren das schmerzhaft. Jahr um Jahr fällt die laufende Verzinsung ihres um die Kosten verminderten Sparbeitrags. Lag die Rendite vor zehn Jahren noch bei stolzen 7,1 Prozent im Branchenschnitt, dürfte sie in 2012 erstmals in der Nachkriegsgeschichte unter die Marke von 4 Prozent rutschen. Immer mehr Anbieter schaffen nicht einmal diese 4 Prozent, manche haben ihr Neugeschäft bereits eingestellt. Bitter für die Kunden: Zugleich nagt die Inflation von zuletzt 2,4 Prozent an der Rendite der Verträge.

Steigende Verzinsungen sind wegen der Schuldenkrise in Europa die kommenden Jahre nicht in Sicht, räumen Versicherungsvorstände ein. Die Vorsorgepläne vieler Menschen, die in erster Linie auf einer Lebensversicherung aufbauten, sind damit weitgehend Makulatur. Ihre Lücke zur gesetzlichen Rente, die die private Vorsorge eigentlich schließen sollte, wächst tendenziell.

Und die Lebensversicherung verliert an Attraktivität: Der Bundesfinanzminister hat der Branche gegen den Widerstand des Versicherungsverbandes GDV für das Neugeschäft ab 2012 einen auf 1,75 Prozent abgesenkten Garantiezins verordnet, um die schwächeren Anbieter zu entlasten. Denn ihnen fällt es immer schwerer, die durchschnittlich garantierten 3,4 Prozent ihres Vertragsbestands am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Einzelne Versicherungsvorstände und andere Experten denken deshalb bereits offen über abgespeckte Garantiezusagen nach.

Härtere Eigenkapitalregeln werden die Wettbewerbsfähigkeit finanzschwächerer Anbieter noch verschlechtern: Denn die Versicherer müssen für risikoreichere Anlagen künftig mehr Eigenmittel zurücklegen. Damit aber würden sie in in niedrig verzinste Wertpapiere gezwungen und ihre Chancen im Wettbewerb beschnitten, monieren Kritiker. Eine attraktive Rendite sei so erst recht nicht zu erwirtschaften. Kunden dieser Anbieter drohe eine "Zweiklassengesellschaft". Soll heißen: Werden die Rücklagen knapp, müssten Neukunden künftig mit einer niedrigeren Überschussbeteiligung als Altkunden derselben Gesellschaft rechnen, deren Verträge 4 Prozent Zinsen garantieren und die der Anbieter zahlen muss.

Die Branche gerät nicht nur durch niedrige Kapitalmarktzinsen und schärfere Auflagen verstärkt unter Druck. Dass bei den Versicherten immer weniger ankomme, habe vor allem mit den hohen Kosten der Produkte zu tun, behaupten Studien immer wieder. Der zentrale Vorwurf: Viele Anbieter kalkulierten den Verkaufsschlager Riester-Rente für die Kunden nicht nur völlig undurchsichtig, sondern auch mit einer viel zu langen Lebenserwartung der Vorsorgesparer, so dass sich die Verträge erst lohnten, wenn die Versicherten steinalt werden. Die Angriffe gegen die Riester-Rente gipfelten zuletzt in dem von dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zugespitzten Vergleich, die Riester-Rente sei so löchrig wie ein "Sparstrumpf".

Jenseits des Skandals um den Versicherer Ergo hat das Image der Riester-Rente in ihrem Jubiläumsjahr auch durch die Tatsache Schaden genommen, das viele Riester-Sparer das komplizierte Zulagenverfahren offenbar nicht verstehen und nun 500 Millionen Euro staatliche Zulagen zurückzahlen müssen. Das Urteil mancher Experten nach gut zehn Jahren staatlich geförderter Altersvorsorge in Deutschland fällt nicht gerade freundlich aus. "Gut gedacht, schlecht gemacht." Sie fordern mittlerweile ganz offen einen "Systemwechsel".

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage der Lebensversicherer als wichtigster Vorsorgepartner der Deutschen hat manager magazin Online neun Experten nach ihrer Meinung befragt. Im Mittelpunkt stehen fünf Themen:

• Warum erlahmt das Interesse an privater Vorsorge? (Teil I)

• Müssen wir als Rentner trotz privater Vorsorge noch hinzuverdienen? (Teil I)

• Braucht Deutschland eine grundlegende Reform der Altersvorsorge? (Teil II)

• Würde eine "Positivliste" für Vorsorgeprodukte in Deutschland helfen? (Teil II)

• Wie jetzt am besten 50.000 Euro für die Altersvorsorge anlegen? (Teil III)

Lesen Sie die zum Teil sehr konträren und überraschenden Einschätzungen. Teil I (Dienstag, 20. Dezember), den zweiten Teil am Mittwoch, 21. Dezember, und Teil III am Donnerstag, 22. Dezember, auf manager magazin Online.

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