Freitag, 6. Dezember 2019

Private Krankenversicherung Der Kostenkiller der PKV

"Unseriös kalkuliert": Ozan Sözeri ist Chef des Beratungshauses "Widge.de" mit 30 Mitarbeitern. Der Wirtschaftsingenieur und Ex-Versicherungsmakler boxt für Versicherte den Wechsel in günstigere und nicht selten sogar bessere Tarife durch

4. Teil: "Im Schnitt liegt die Ersparnis bei 270 monatlich"

mm: Wenn Sie gegenüber dem Versicherer die Interessen des Kunden vertreten, kommt es dabei auch zu Reibereien?

Sözeri: 50 Prozent meines Arbeitstages bestehen darin, diese Reibereien zu klären und nicht selten müssen wir dabei auch unsere Anwälte in die Spur schicken, um die Interessen des Kunden gegen den Widerstand des Versicherers gegen einen Tarifwechsel durchzusetzen.

mm: Mit welchen Argumenten lehnen die Gesellschaften den Wechsel in einen günstigeren Tarif ab?

Sözeri: Ein Standardargument ist oft, der Kunde sei zu alt oder zu krank. Immer wieder versuchen die Gesellschaften auch, den Wechsel mit neuen Risikozuschlägen zu vereiteln. Mitunter erklären sie das Tarifkollektiv einfach für geschlossen oder nur für Neukunden zugänglich. Zur beliebten Hinhaltetaktik gehört, die Korrespondenz einfach zu verweigern. Die Kassen sind da sehr erfinderisch. All diese Strategien und Argumente entbehren aber jeder rechtlichen Basis.

mm.de: Sie werben mit Einsparungen von bis zu 40 Prozent bei gleichem Leistungsniveau. Wie viel Geld sparen Ihre Kunden im Schnitt ein?

Sözeri: Im Schnitt liegt die durchschnittliche Ersparnis unserer gut 2000 Kunden, für die wir seit 2010 einen Tarifwechsel durchgeboxt haben, bei etwa 270 Euro monatlich - bei gleichem Leistungsniveau wohlgemerkt. Mitunter verbessert sich für sie sogar der Leistungskatalog. Manche verzichten aber ganz bewusst auf Leistungen, um noch mehr Ersparnis herauszuholen.

mm.de: Wie oft entscheiden sich Kunden, die Leistungen zu reduzieren, um eine Ersparnis zu erzielen?

Sözeri: Mit einem von 15 Kunden ist das der Ausnahmefall. Wir bevormunden die Versicherten nicht, das ist nicht unser Job. Wenn sie mehr einsparen möchten als unsere recherchierten Alternativen hergeben, dann ist das ihre Entscheidung.

mm: Sie haben den Beruf des Versicherungsmaklers an den Nagel gehängt. Sind Beratungshonorare so viel lukrativer als üppige Vermittlerprovisionen?

Sözeri: Auf den Einzelfall gerechnet ganz bestimmt nicht. Um es an dieser Stelle klar zu betonen, wir arbeiten absolut unabhängig von Versicherungsunternehmen und beziehen keine Provisionen. Unsere Gebühr ist auch völlig transparent. Willigt der Kunde nach erheblicher Vorarbeit von uns in ein Mandat ein, dann berechnen wir ihm als erfolgsabhängiges Honorar acht mal die monatliche Ersparnis. Den Job des Versicherungsmaklers habe ich übrigens mit Freude an den Nagel gehängt: Wenn Sie zweimal in der Woche ältere Versicherte am Telefon haben, die ihren Beitrag nicht mehr zahlen können und deren Geschichte dazu hören, dann wissen sie auch warum. Anfangs bot ich den Service umsonst an. Irgendwann musste ich mich entscheiden: Entweder gehe ich als Makler bankrott oder ich widme mich dem zeitaufwändigen Beratungsgeschäft des Tarifwechsels.

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