Freitag, 6. Dezember 2019

Private Krankenversicherung Der Kostenkiller der PKV

"Unseriös kalkuliert": Ozan Sözeri ist Chef des Beratungshauses "Widge.de" mit 30 Mitarbeitern. Der Wirtschaftsingenieur und Ex-Versicherungsmakler boxt für Versicherte den Wechsel in günstigere und nicht selten sogar bessere Tarife durch

3. Teil: Warum der Basistarif keine Alternative ist

mm: Empfiehlt sich ein Wechsel in den Basistarif, den alle Privatkassen anbieten müssen?

Sözeri: Nein, der ist zum einem mit 575 Euro monatlich alles andere als günstig, und wer einmal in den Basistarif wechselt, erlebt da sein blaues Wunder. Viele Ärzte verweigern den Kunden im Basistarif die Behandlung, weil diese zu schlecht abgegolten werden. Mit einem Gebührensatz von 1,2 gibt sich kein Arzt zufrieden. Wünscht der Kunde dennoch eine Behandlung, muss er die Spanne zum 2,3fachen oder 3,5fachen Abrechnungssatz oft aus eigener Tasche zahlen, andernfalls wird aus er Praxis komplimentiert oder bekommt erst gar keinen Termin. Das grundlegende Problem ist: Der Arzt hat das Recht, diese höheren Sätze auch im Basistarif zu verlangen.

mm: Wie reagieren private Kassen für gewöhnlich, wenn Kunden eine Beitragserhöhung anzweifeln oder einen günstigeren Tarif wünschen?

Sözeri: Üblicherweise bieten die Kassen dem Kunden dann drittklassige Tarife mit deutlichen Leistungsabstrichen an oder fordern sie auf, ihren Selbstbehalt zu erhöhen. Damit sollte sich kein Versicherter abspeisen lassen. In der absoluten Mehrzahl der Fälle führt der Versicherer auch einen Tarif, der gleiche oder mitunter sogar bessere Leistungen für weniger Geld anbietet.

mm: Warum informieren private Krankenversicherer in diesen Fällen so schlecht?

Sözeri: Weil ihr primäres Interesse möglichst hohe Einnahmen sind.

mm: Wenn der Kunde Ihnen ein Mandat erteilt, was tun Sie dann für ihn konkret?

Sözeri: Unsere Dienstleistung besteht aus bis zu 80 verschiedenen Schritten, je nachdem wie sehr sich der Versicherer des Kunden quer stellt. Im Kern schauen wir uns den Tarif des Versicherten an, recherchieren und prüfen aufwändig die Alternativen bei seinem Anbieter, stellen Punkt für Punkt die Tarifalternative dem alten Tarif gegenüber und stellen dem Kunden dieses Ergebnis in einer detaillierten Auswertung in einem persönlichen Gespräch dann vor. Erst danach entscheidet er sich für oder gegen eine weitere, dann aber kostenpflichtige Zusammenarbeit.

mm: Wieviele Angebote unterbreiten Sie dem Kunden?

Sözeri: In der Regel zwei oder drei gute Alternativen, mehr Optionen kommen nur selten in Frage. Geprüft und gerechnet haben wir aber ein Vielfaches an Tarifalternativen.

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