Schuldenkrise Kunden stoßen Lebensversicherungen ab

Eine wachsende Zahl von Deutschen will sich offenbar von der Lebensversicherung trennen. Weil Policeninhaber Angst vor Inflation und Schuldenkrise haben, verzeichnen die Versicherungsaufkäufer steigende Anfragen.
Geruhsamer Lebensabend? Eine wachsende Zahl von Deutschen stößt die Lebensversicherung ab

Geruhsamer Lebensabend? Eine wachsende Zahl von Deutschen stößt die Lebensversicherung ab

Foto: Oliver Berg/ dpa

München - Aufkäufer von Lebensversicherungen wittern Morgenluft. Euro-Schuldenkrise und Inflation verunsichern viele Versicherungskunden. "Alleine im Juli verzeichneten wir Anfragen im Wert von über 100 Millionen Euro. Das geht in Richtung Verdoppelung", sagte der Finanzvorstand des deutschen Marktführers Cash.Life AG, Ingo Weber, am Mittwoch in Pullach. Beim Branchenverband BVZL hieß es: "Vielleicht eine Panikreaktion."

Die meisten Verkäufer veräußerten die Versicherungen aus Geldnot, erklärte Ingo Wichelhaus, Vorstand des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen. "Die Renditen der Versicherungen sind sehr anständig im Verhältnis zum Risiko und zu alternativen Anlagen. 4 Prozent Garantiezins bekommt man am Kapitalmarkt kaum, zumindest nicht mit dem gleichen Risikoprofil", sagte Wichelhaus der Nachrichtenagentur dapd.

Trotzdem steigt Cash.Life-Vorstand Weber zufolge der Anteil der Kunden, die aus einer Lebensversicherung in profitablere Geldanlagen umsteigen wollen. Sie sähen ihre Rendite durch Inflation und Abschreibungen auf Papiere in Schuldenländern bedroht, erklärte er.

Vom Niveau vor der Finanzkrise ist der Zweitmarkt Lebensversicherungen noch weit entfernt. Wurden 2007 noch Lebensversicherungen für 1,4 Milliarden Euro gehandelt, waren es im vergangenen Jahr gerade einmal 160 Millionen Euro. "Langsam kommt Bewegung rein den Markt, aber es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das alte Niveau wieder erreicht ist", sagte Wichelhaus.

Der Verband rät Verkäufern von Policen dringend zur Vorsicht, wenn Anbieter 200 bis 300 Prozent der Rückkaufwerte als Kaufpreis bieten. Über seriöse Anbieter informiert er auf seiner Website.

nis/dpad
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