Mittwoch, 18. September 2019

Riester-Check "Da wird verschleiert, versteckt, verschwiegen"

Verloren: Aus einem Angebot können Riester-Kunden faktisch nicht herausfinden, wieviel Geld ihr Vertrag tatsächlich kostet und was er leistet. Gesamtkosten von bis zu 8000 Euro und mehr sind möglich - damit wäre ein Großteil der staatlichen Zulagen wieder aufgezehrt

3. Teil: "Die Allianz-Kostenquote führt in die Irre"

mm: Der Marktführer Allianz hat seit Jahresbeginn mehr Transparenz für seine Produkte versprochen. Hält er Wort?

Kleinlein: Nein. Diese so genannte Transparenzoffensive besteht nur darin, dem Kunden eine neue "Kostenquote" mitzuteilen, die "Reduction in Yield". Ausgehend von einem sogenannten kostenfreien Zins wird ihm erläutert, auf wie viel Rendite er jährlich im Schnitt in der Ansparphase verzichten müsste. Der Kunde soll dann anhand dieser Größe unterschiedliche Angebote verschiedener Unternehmen vergleichen können.

mm: Das wäre doch ein Fortschritt.

Kleinlein: Diese Allianz-Kostenquote lädt aber zum Tricksen ein. Denn wenn der Allianz-Vertreter einen möglichst späten Rentenbeginn - zum Beispiel mit 70 - vorschlägt, sinkt die Allianz-Kostenquote im Vergleich zum Konkurrenzangebot, das passgenau bis 67 läuft. Die Kosten, die der Verbraucher bis zum Rentenbeginn mit 67 zahlt, können dann aber bei der Allianz-Variante "bis 70" sogar tatsächlich höher sein, trotz niedrigerer Allianz-Kostenquote. Das heißt, der Allianz-Vertrag wäre unter dem Strich tatsächlich teurer für den Kunden. Diese Allianz-Kostenquote führt in die Irre.

mm: Warum sollte ein Vermittler hier tricksen und ein Angebot mit Rentenbeginn 70 vorschlagen?

Kleinlein: Ganz einfach, je später die Rente beginnt, desto höher ist üblicherweise die Provision des Vermittlers.

mm: Lassen sich zumindest Angebote der Allianz untereinander vergleichen?

Kleinlein: Auch das ginge letztlich nur, wenn die Allianz mit einem einheitlichen Zinssatz vor Kosten rechnen würde. Das tut sie aber nicht. Bei den verdeckt von "Öko-Test" erhobenen Angeboten sind es bei einem Kunden 4,88 Prozent, beim anderen 4,74 Prozent. Ich habe den Eindruck, dass die Allianz hier mit möglichst verwirrenden Angaben rechnet, um Vergleiche nach wie vor zu verhindern.

mm: Könnte das auf die Wettbewerber abfärben? Muss jetzt der Gesetzgeber nachbessern?

Kleinlein: Beides. Auch andere Anbieter haben angekündigt, diese vermeintliche Kostenquote künftig zu verwenden. Dann hat der Kunde keine Chance mehr, tatsächlich das beste Angebot zu finden, ohne in die Irre geführt zu werden. Spätestens dann wird der Gesetzgeber nicht umhinkommen, dem Wildwuchs ein Ende zu bereiten.

mm: Was soll jetzt ein Riester-williger Neukunde tun?

Kleinlein: Er sollte nur einen Vertrag abschließen, den er auch versteht. Angesichts der Intransparenz der Produkte könnten dann aber eigentlich nur noch Versicherungsmathematiker riestern.

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