Mittwoch, 23. Oktober 2019

Riester-Rente So retten Sie Ihre Zulage

Orientierungslos: Im Zulagenlabyrinth der Riester-Förderung sind Fehler kaum auszuschließen

Rund 500 Millionen Euro fordert der Bund von Riester-Sparern in Deutschland zurück. Sie haben die Zulagen zu Unrecht erhalten. manager magazin zeigt die schlimmsten Fallen im Zulagendschungel und sagt, wie man sie am besten vermeidet.

Hamburg - So mancher Riester-Sparer dürfte beim Blick auf die Mitteilung seines Anbieters der Kragen geplatzt sein. Schlimm genug, dass das eingezahlte Kapital seines fondsbasierten Produkts sich kaum vermehrt hat, weil die Investmentgesellschaft aufgrund der Garantieverpflichtungen von Aktien- in weniger volatile und risikoärmere Rentenfonds umschichten musste. Und dann das noch: Fast klammheimlich hat der Anbieter auf Anweisung der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) auch einen Teil der in den vergangenen Jahren gewährten Zulagen zurückgebucht.

Das ist bitter. Sehr wahrscheinlich ist dem Sparer oder gar seinem Berater beim Zulagenantrag ein Fehler unterlaufen. Der Abgleich elektronisch gespeicherter Daten zwischen den verschiedensten Behörden und Ämtern durch die ZfA hat den Fehler jetzt ans Tageslicht gebracht, und schon ist die Förderung weg. Die Fehlerquellen können vielfältig sein. Im folgenden die wichtigsten Stolpersteine im Überblick:

Daten: Die Zulagenstelle gleicht die Antragsdaten mit denen anderer Ämter wie der Rentenversicherung, der Familienkasse, des Finanzamts oder der Meldebehörde ab. Widersprechen sich die Daten, kann die Zulagenberechtigung womöglich nicht bestätigt werden. Das passiert bereits dann, wenn Namen einmal als Doppelname und einmal ohne den Zweitnamen eingetragen wurden. Selbst die Kleinigkeit uneinheitlich gesetzter Bindestriche oder der Namenswechsel nach Hochzeiten können zu einer falschen Zuordnung führen. Ein folgenreicher aber laut ZfA häufiger Fehler ist in diesem Kontext, dass der Riester-Sparer statt des standesamtlichen Namens seines Kindes dessen Rufnamen eingetragen hat. Im Abgleich ist das Kind quasi nicht auffindbar - und schon wackelt die Kinderzulage.

Umzug: Ein ähnlicher Fehler kann beim Umzug unterlaufen. Ziehen die Eltern um und werden damit einer neuen Kindergeldstelle oder einem neuen Finanzamt zugewiesen, laufen sie Gefahr, dass sie selbst oder ihre Kinder beim Datenabgleich nicht gefunden werden. Keine oder widersprüchliche Daten können auch hier zum Verlust der Zulagenberechtigung führen.

Statuswechsel: Das Leben ist nun 'mal keine Einbahnstraße. Verändern sich die Lebensumstände eines Riester-Sparers, so wirkt sich das in der Regel auf die Förderung seines Vertrages aus. Dazu ein Beispiel: Ein Ehepartner bleibt daheim, kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Über seinen Partner, der einen Riester-Vertrag führt, ist er aber trotz des fehlenden eigenen Einkommens "mittelbar zulageberechtigt". Geht dieser Ehepartner nach der Geburt eines weiteren Kindes nun in Elternzeit, erwirbt er für diese Zeit automatisch das Recht auf Rentenansprüche in der Deutschen Rentenversicherung. So weit, so gut möchte man meinen. Die tückische Folge: Der Ehepartner wird damit als "unmittelbar zulagenberechtigt" eingestuft und müsste nun einen Eigenbeitrag von mindestens 60 Euro jährlich leisten. Tut er dies nicht, kann er seine Zulagenberechtigung verlieren.

Ein weiteres Beispiel: Eltern erhalten kein Kindergeld mehr, denn der Filius ist jetzt älter als 25, geht einem rentenversicherungspflichtigen Job nach und hat seine eigene Familie gegründet. Damit erlischt selbstverständlich der Anspruch auf die Kinderzulage im Riester-Vertrag. Eine solche Änderung muss der Riester-Sparer seinem Anbieter zwingend mitteilen und den Dauerzulagenantrag schriftlich widerrufen. Aufgepasst! Fällt die Förderfähigkeit des Kindes und damit die Kinderzulage weg, muss der Riester-Sparer die Beitragsprämie erhöhen, um seine volle Grundzulage zu erhalten, berichtet der Finanzdienstleister MLP.

Unterlagen, Unterschriften: In den meisten Fällen ist für die Gewährung der Kinderzulage auch die Unterschrift des Ehepartners notwendig. Diese scheinen Riester-Sparer im Antrag immer wieder zu vergessen. Beamte müssen darüber hinaus die sogenannte "Einverständniserklärung zur Datenübermittlung" erteilen.

Schädliche Verwendung: Diesen technisch klingenden Begriff kann sich nur ein Bürokrat ausgedacht haben. Dahinter verbirgt sich aber ein klar definiertes politisches Ziel mit eindeutig rechtlichen Folgen. Politik und Gesetzgeber haben die Riester-Rente als zusätzliches Altersvorsorgeprodukt neben der gesetzlichen Rente konzipiert. Sie soll die Lücke schließen helfen, die das fallende Rentenniveau hinterlässt. Die Riester-Rente ist nur dann förderungswürdig, wenn das angesparte Kapital auch dem Zweck der Altersvorsorge dient. Löst der Riester-Sparer seinen Vertrag vorzeitig auf, verhindert er damit bewusst, dass das Förderziel - die Zahlung einer lebenslangen Rente - erreicht wird. Da kennt der Gesetzgeber kein Pardon: Der Verbraucher muss dann alle gewährten Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Schon die wenigen Beispiele aus dem Riester-Zulagendschungel zeigen, hier kann man sich kräftig verirren, und so manches auch schlicht vergessen. Einmal abschließen und dann in die unterste Schublade mit dem Dauerzulagenantrag - das ist der falsche Weg. Daher im folgenden ein paar wichtige Tipps, wie sich Fehler und damit drohende Zulagenkürzungen vermeiden lassen.

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