Dienstag, 12. November 2019

Lebensversicherungen Deutsche zahlen fast 179 Milliarden Euro ein

GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen: Prämienwachstum ohne Einmaleinzahlungen nur bei 0,5 Prozent

2. Teil: Gesamtverzinsung im Schnitt bei 4,8 Prozent

Experten gehen davon aus, dass die Beiträge sowohl in der privaten Krankenversicherung als auch in der Rentenversicherung insgesamt leicht steigen werden. Auch mehrfache Nachfrage von Journalisten wollte der GDV sich am Mittwoch nicht auf mögliche Prämienprognosen hinsichtlich des Urteils festlegen.

GDV-Vorstand Zimmerer, der zugleich Chef des Marktführers Allianz Leben ist, kritisierte die Garantiezinssenkung um 50 Basispunkte als zu groß und überhastet. Angesichts der schon zum Zeitpunkt der Entscheidung wieder gestiegenen Kapitalmarktzinsen, höherer Inflationsraten und der zu erwartenden Wende der EZB in ihrer Zinspolitik, hätte das Ministerium mit seiner Entscheidung besser abgewartet. "Jetzt haben wir den niedrigsten Höchstrechnungszins in der gesamten Euro-Zone", kritisierte Zimmerer. Das schaffe für die deutsche Assekuranz im europäischen Binnenmarkt auch Wettbewerbsnachteile.

Mit Blick auf die Kunden käme es jetzt darauf an, sie noch intensiver auf den Wert von laufender Überschussbeteiligung und Schlussgewinnanteile hinzuweisen, die zusammen mit der garantierten Leistung die Gesamtverzinsung einer Police bilden. Laut Hochrechnung der Ratingagentur Assekurata liegt die Gesamtverzinsung im Schnitt aktuell bei 4,8 Prozent. "Wer hier von Magerzinsen spricht, kann kaum einen Überblick über die Verzinsung von Alternativanlagen haben", stichelte Zimmerer gegen Kritiker, die schon ein Ende der Lebensversicherung wähnen. "Wir liegen hier deutlich über der Umlaufrendite. Und das wissen auch unsere Kunden." 90 Milliarden Euro Beitragszahlung allein in der Lebensversicherung seien ein klarer Vertrauensbeweis der Kunden.

Trotz des für die Branche offenbar zur Zufriedenheit verlaufenen letzten Testlaufs hält der GDV Nachbesserungen an den geplanten neuen Eigenkapitalregeln Solvency II für unerlässlich. Das Regelwerk sei zu komplex und würde es den Lebensversicherern "deutlich erschweren oder sogar unmöglich machen, langfristige Zinsgarantien anzubieten", sagte GDV-Präsident Hoenen. Das neue Aufsichtsregime "darf kein Instrument zur Marktkonsolidierung sein", warnte Hoenen. Die Verhandlungen über Solvency II laufen noch. Das neue Regelwerk soll 2013 in Kraft treten, vereinzelt sind Überleitungsfristen vorgesehen.

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