Sonntag, 18. August 2019

Rückversicherer "Sie werden von der Katastrophe auch profitieren"

Desasterfolgen: Japans Riesenkampf gegen das Wirtschaftsbeben
REUTERS

2. Teil: "Die lang erhoffte Preiswende wird kommen"

mm: Könnte die Erfahrung des Japan-Bebens die Rückversicherer dazu bewegen, bestimmtes Geschäft nicht mehr zu zeichnen, und sei es, weil sie dafür keine bezahlbare Police mehr anbieten können?

Zielke: Die Risikoaversion der Versicherungsnehmer wird steigen und damit ihr Bedarf an Rückversicherungsschutz. Für die Rückversicherer wächst damit zugleich die Chance, deutlich höhere Prämien durchsetzen zu können. In einem zweiten, späteren Schritt also werden sie von dieser Katastrophe auch profitieren.

mm: Nun müssen Rück- und Erstversicherer gerade in Japan zum 1. April viele ihrer Verträge erneuern. Mit welchem Prämienaufschlag rechnen Sie?

Zielke: Angesichts des Ausmaßes des Unglücks in Japan werden sich die Prämiensteigerungen vermutlich im zweistelligen Bereich bewegen. Mit mehr als 20 Prozent im Schnitt rechne ich allerdings nicht. Klar ist, die Kumulation der Katastrophen in diesem Jahr dürfte im Rückversicherungsmarkt zu der lang erhofften Preiswende führen.

mm: Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa will angesichts der Japan-Erfahrungen künftige Stresstests um ein Katastrophenszenario erweitern. Halten Sie das für eine gute Idee?

Zielke: Nein, bereits der letzte Testlauf zu den neuen Eigenkapitalrichtlinien Solvency II hat gezeigt, dass die meisten Versicherer das Naturkatastrophenmodul der Aufsicht schlicht nicht verstanden hatten. Und Naturkatastrophen berühren in erster Linie Rück- und nicht die Erstversicherer.

mm: Die Allianz zum Beispiel ist in Japan als Rückversicherer sowie im Geschäft mit Firmenkunden und Kreditversicherungen aktiv. Ist der erweiterte Stresstest der Eiopa insofern nicht legitim?

Zielke: In gewisser Weise mag das zutreffen. Ich denke aber, dass viele Erstversicherer bereits über entsprechende Risikomodelle verfügen und ohnehin ein internes Modell anstreben. Insofern sehe ich wenig Sinn in zusätzlichen Katastrophenszenarien als weitere Stressfaktoren.

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