Dienstag, 10. Dezember 2019

Japan-Beben Swiss Re erwartet Milliardenbelastung

Suchen nach Überresten: Tsunami und Beben in Japan haben das Land schwer getroffen. Auf Rückversicherer, die Schäden der Erstversicherer regulieren, kommen Milliardenschäden zu

Erdbeben und Tunami in Japan kosten den weltweit zweitgrößten Rückversicherer Swiss Re wohl eine Milliardensumme. Die Wettbewerber Münchener Rück und Hannover Rück rechnen noch. Für die Folgen der Reaktorkatastrophe werden die Unternehmen indes wohl nicht zahlen müssen.

Tokio/Zürich/München/Hannover - Die Brutto-Schadenbelastung dürfte 1,2 Milliarden US-Dollar (846 Millionen Euro) erreichen, teilte die Swiss Reinsurance Börsen-Chart zeigen am Montag in Zürich mit. Allerdings müsse die Schätzung im Nachhinein womöglich noch "erheblich" angepasst werden. Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück Börsen-Chart zeigen, der Branchendritte Hannover Rück Börsen-Chart zeigen sowie die Allianz Börsen-Chart zeigen arbeiten noch an ihren Schadenprognosen. Die Folgen der Reaktorkatastrophe dürften die Branche allerdings kaum treffen.

Aktien der SwissRe legten am späten Vormittag um 2,00 Prozent auf 51,00 Schweizer Franken zu. Einige Analysten hatten mit einer höheren Schadenbelastung gerechnet. Die Papiere von Munich Re, Hannover Rück und Allianz gewannen im ähnlichen Maße, nachdem sie in der Vorwoche stark an Wert verloren hatten.

Einen Teil der übernommenen Risiken hat die Swiss Re Börsen-Chart zeigen nach eigenen Angaben an andere Rückversicherer weitergegeben. Wie groß dieser Anteil ausfällt, ließ das Unternehmen offen. In der Schätzung von 1,2 Milliarden Dollar sind dieser Betrag sowie die steuerlichen Auswirkungen der Katastrophe noch nicht berücksichtigt. Die Schadenszahlungen mindern den Gewinn des Rückversicherers und dürften daher auch die Steuerlast schrumpfen lassen. Bei der Ermittlung der Schäden gibt es der Swiss Re zufolge noch "besonders" große Unsicherheiten. Es dürfte mehrere Monate dauern, bis die Informationen zusammengetragen seien.

Die jetzige Berechnung beruht vor allem auf einem Berechnungsmodell für die Risiken, die die Schweizer aus Japan übernommen haben. Diese müssten mit den Schätzungen der Geschäftspartner aus der Branche und den Schäden der Versicherungsnehmer abgeglichen werden, hieß es. Zudem hätten Beben und Tsunami viele Industrieanlagen und gewerbliche Gebäude beschädigt. Dies werde den Prozess zusätzlich verzögern. Unternehmen haben sich üblicherweise nicht nur gegen Gebäudeschäden, sondern auch gegen Produktionsausfälle infolge solcher Katastrophen versichert.

Münchener Rück, Hannover Rück und Allianz rechnen noch

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re und der Branchendritte Hannover Rück wollten sich zu ihrer Belastung am Montag noch nicht äußern. Den Schweizern zufolge müssen die globalen Rückversicherer für Schäden geradestehen, die Erdbeben und Tsunami an Gewerbe- und Industrieanlagen angerichtet haben. Für Wohngebäude gebe es in Japan ein staatliches Versicherungsprogramm, das durch Erstversicherer gedeckt werde. An diesen Risiken seien internationale Rückversicherer in der Regel nicht beteiligt. Brände, die durch das Erdbeben ausgelöst wurden, könnten hingegen auch die Rückversicherungsbranche treffen.

Auch Europas größter Versicherer Allianz Börsen-Chart zeigen trägt noch Schadenmeldungen seiner Kunden zusammen, wie eine Sprecherin am Montag sagte. Der Dax-Konzern ist in Japan als Rückversicherer sowie im Geschäft mit Firmenkunden und Kreditversicherungen aktiv. Japan sei ein "sehr wichtiger Markt", betonte das Münchner Unternehmen. Der französische Konkurrent Axa Börsen-Chart zeigen sieht sich von der Katastrophe hingegen kaum getroffen: Er bietet in Japan zwar Lebens- und Kfz-Versicherungen, jedoch keine Gebäudeversicherungen an.

Atomunfall in Fukushima belastet die Versicherer kaum

Klar scheint, dass die Assekuranz kaum für die Unfälle in den Atommeilern in Fukushima geradestehen muss. Bei der Versicherung von Kernkraftwerken in Japan seien die Folgen von Erdbeben, Feuer nach Erdbeben und Tsunami ausgeschlossen, stellte die Swiss Re klar. Dies gelte sowohl für die Versicherung der Anlagen selbst als auch für die Haftpflichtversicherung, die sonst für die Schäden an Menschen und Unternehmen geradestehen müsste. Daher rechnet das Management nicht damit, dass die Atomunfälle die Versicherungsbranche größere Schäden einbrocken werden.

Von dem Ausmaß der Katastrophe lassen sich die Schweizer nicht abschrecken. "Es ist unsere Aufgabe, unsere Kunden in Japan mit unserem Fachwissen und unserer Erfahrung bei der Bewältigung solch verheerender Ereignisse zu unterstützen", sagte Swiss-Re-Chef Stefan Lippe. Auch künftig wolle das Unternehmen Versicherungen auf dem japanischen Markt anbieten.

rei/dpa-afx

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