Mittwoch, 20. November 2019

Geldanlage Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt 

Lebensversicherung: Der Garantiezins für neue Verträge sinkt auf 1,75 Prozent - derzeit liegt die Gesamtverzinsung der laufenden Verträge noch bei rund 4,8 Prozent

Der Garantiezins für neue Lebensversicherungen wird deutlich abgesenkt. Die Lieblingsanlage Millionen Deutscher wird damit weniger attraktiv. Das Finanzministerium drückte den Zinssatz unter die Marke von 2 Prozent - damit wird es für die Versicherer schwerer, neue Kunden zu gewinnen.

Berlin - Der Höchstrechnungszins, der die unabhängig von der Lage an den Kapitalmärkten garantierte Verzinsung pro Jahr bemisst, werde zum 1. Januar auf 1,75 Prozent fallen, teilte der Versicherungsverband GDV am Dienstag in Berlin mit. Noch liegt der Mindestrechnungszins bei 2,25 Prozent.

Die GDV berief sich auf einen Beschluss des Bundesfinanzministeriums. Hintergrund der Änderung sind die Probleme vieler Anbieter, mit ihren Investitionen am Kapitalmarkt eine ausreichend hohe Rendite einzufahren. Damit sind potenziell die langfristigen Versprechen an die Kunden in Gefahr.

Wir hatten uns für eine moderate Anpassung des Höchstrechnungszinses auf 2,0 Prozent ausgesprochen", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Auch die Aktuare - die Versicherungsmathematiker aus der Branche - hatten eine Absenkung auf 2,0 Prozent für ausreichend gehalten. Das Ministerium hatte dagegen mit einer Senkung schon zur Jahresmitte gedroht.

Für bereits laufende Verträge ändert sich nichts

Der GDV argumentierte, dass die Zinsen zuletzt gestiegen seien und der Konjunkturaufschwung eine weitere Normalisierung erwarten lasse. Der Branchenverband betonte, nur Neuabschlüsse ab 2012 seien von der Senkung betroffen. für laufende Verträge, die oft noch mit deutlich höheren Renditen lockten, ändere sich nichts. "Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages."

Momentan liegt die Gesamtverzinsung in der Lebensversicherung - einschließlich der Schlussüberschüsse - bei rund 4,8 Prozent, der Garantiezins macht also nur einen Teil davon aus. Garantieren können die Lebensversicherer ihren Kunden damit aber künftig über die Laufzeit der Verträge kaum mehr als einen Inflationsausgleich, wie Kritiker warnen.

Damit wird für die Versicherer das Neugeschäft schwieriger. Der Rest hängt von den Wertpapiermärkten ab, an denen die Versicherer die Beiträge der Kunden anlegen - überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen.

la/reuters

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