Private Zusatz-Pflegeversicherung Die besten Tarife im Check

Millionen Bundesbürger sorgen überdurchschnittlich stark für den Pflegefall vor. Doch die zusätzliche Absicherung wird bei der Wahl des falschen privaten Anbieters zum schlechten Geschäft. Finanztest hat deshalb 30 private Zusatzversicherungen überprüft - und nicht alle sind offenbar ihr Geld wert.
Pflegeversicherung: Die Leistungen kommen nicht von selbst

Pflegeversicherung: Die Leistungen kommen nicht von selbst

Foto: dapd

Berlin - Rund 2,4 Millionen pflegebedürftige Menschen bekommen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Da die meisten Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen versorgt werden, ist dies für sie und ihre Familien eine wichtige Hilfe. Doch erst einmal müssen sie herausfinden, was ihnen zusteht: Neben dem monatlichen Pflegegeld oder der Kostenübernahme für professionelle Pflegedienste gibt es zum Beispiel Zuschüsse für den barrierefreien Umbau der Wohnung oder für die Anschaffung eines Badewannenlifts. Die Pflegeversicherung zahlt auch, wenn die pflegende Person erkrankt oder Urlaub braucht.

Leistungen der Pflegeversicherung kommen nicht von selbst: Pflegebedürftige Menschen müssen sie bei ihrer Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung beantragen. Ein medizinischer Gutachter prüft, wie viele Stunden am Tag jemand Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen wie Aufstehen, Körperpflege oder Essen braucht. Danach richtet sich die Pflegestufe, von der wiederum die Höhe der Leistungen abhängt. Demenzkranke Menschen, die körperlich noch fit sind, bekommen nach dieser Definition oft keine Pflegestufe. Trotzdem können ihre Angehörigen bis zu 2400 Euro im Jahr für die Betreuung und Beaufsichtigung bekommen.

Ein Platz im Pflegeheim kostet leicht 3000 bis 4000 Euro im Monat. Reichen Zahlungen aus der Pflegeversicherung, Einkommen und Vermögen der pflegebedürftigen Eltern nicht, springt zunächst das Sozialamt ein. Anschließend versucht die Behörde, Geld bei den Kindern einzutreiben. Seit Anfang des Jahres ist jedoch der Selbstbehalt erhöht. Das heißt: Kinder dürfen mehr Geld für sich behalten. Der Mindestselbstbehalt für die zum Elternunterhalt verpflichteten Kinder beträgt nun nach der Düsseldorfer Tabelle 1500 Euro (vorher 1400 Euro). Für einen Ehepartner kommt ein Mindestselbstbehalt in Höhe von 1200 Euro (ehemals 1050 Euro) dazu. Im Einzelfall kann die Unterhaltslast dadurch um über 100 Euro pro Monat sinken.

Schwiegersöhne und -töchter sind nicht mit den Eltern des Ehepartners verwandt. Sie sind ihnen deshalb auch nicht zum Unterhalt verpflichtet. Indirekt kommt es aber in Einzelfällen doch zur Haftung des Schwiegerkindes. Etwa dann, wenn der Schwiegersohn mehr als seine Ehefrau verdient und beide zusammen ein Nettogehalt von monatlich mehr als 2700 Euro erhalten. Dann trägt der Ehemann den Hauptteil des Familienunterhalts und seine Frau hat mehr finanziellen Spielraum für Unterhalt an ihre Mutter oder ihren Vater. So kann es sogar passieren, dass eine Tochter mit einem Nettoeinkommen unter dem Selbstbehalt von 1500 Euro Elternunterhalt zahlen muss.

Vorsorgen für die eigene Zukunft

Und was wird aus mir, wenn ich selbst einmal zum Pflegefall werde? Die Kosten für eine gute Versorgung im Pflegefall werden in Zukunft sicher nicht geringer. Wer im Alter nicht auf die Kinder oder aufs Sozialamt angewiesen sein möchte, kann mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorsorgen. Es gibt sie in verschiedenen Formen, die bekanntesten sind:

  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung.

Tabelle: Vor-und Nachteile der unterschiedlichen Versicherungen

Pflegetagegeldversicherung im Test

Finanztest hat 30 Pflegetagegeldtarife untersucht und dabei besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet. Die Modellkunden zahlten jeweils den gleichen festgelegten Beitrag - zum Beispiel 55 Euro im Monat für eine Frau, die den Vertrag mit 45 Jahren abschließt. Die Tester ermittelten, in welchem Maße die Leistungen aus dem Vertrag den geschätzten Bedarf im Pflegefall decken. Frauen müssen deutlich höhere Beiträge zahlen als Männer, um auch nur annähernd gleiche Leistungen im Pflegefall zu erhalten. Auch wer beim Abschluss schon älter ist, zahlt mehr als jüngere Neukunden. Insgesamt sind nur zwei Angebote in allen vier Modellfällen gut.

Tipps Pflegetagegeldversicherung

  • Bedarf: Eine private Absicherung für den Pflegefall ist sinnvoll. Selbst wenn nach der Pflegereform alle mehr Beitrag zahlen müssen, wird die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten decken.
  • Vorsorge: Eine Pflegetagegeldversicherung eignet sich für Sie, wenn Ihr Einkommen so sicher ist, dass Sie die Beiträge dauerhaft zahlen können. Wenn Sie mit Mitte 40 abschließen, zahlen Sie viel weniger als bei Abschluss mit 60 oder später. Ältere werden auch häufiger wegen Vorerkrankungen abgelehnt.
  • Testsieger: Das beste Gesamturteil für Frauen erhielt der Tarif PET der DKV, für Männer der PZTBest der Allianz. In der vollständigen Fassung des Themas finden Sie 30 Pflegetagegeldtarife im Test. Sie können sich von der Stiftung Warentest auch für 16 Euro den günstigsten Anbieter nach Ihren Vorgaben ermitteln lassen: www.test.de/analyse-pflege .

Tipps Unterhalt für Eltern

  • Selbstbehalt: Wenn Sie bereits Unterhalt zahlen, können Sie noch im Januar zum Sozialamt gehen und dort eine Neuberechnung beantragen. Seit diesem Jahr gilt ein höherer Selbstbehalt, doch die Behörde wird nicht von sich aus tätig.
  • Auskunft: Rechtsrat gibt Ihnen ein Fachanwalt für Familien- oder Sozialrecht. Anwälte finden Sie im Internet bei www.anwaltauskunft.de  (unter "erweiterte Anwaltsuche" nach einem Fachanwalt suchen). Sie erreichen die Anwaltauskunft auch telefonisch unter 0 180 5/ 18 18 05 (Festnetzpreis 14 Cent pro Minute).
  • Rechner: Einen Unterhaltsrechner gibts unter www.anwaelte-du.de  (Link "Elternunterhalt" und dann "Berechnungshilfe").
  • Versicherung: Wer Angst hat, seinen Kindern zur Last zu fallen, kann mit einer Pflegezusatzversicherung vorsorgen. Mehr im aktuellen Finanztest-Heft 2/11 und im kommenden Heft 3/11 (Pflegerente).

Tipps Pflegeversicherung

  • Leistungen: Beantragen Sie Leistungen der Pflegeversicherung bei der Krankenkasse oder Ihrer privaten Krankenversicherung, sobald Sie merken, dass Sie oder Ihr Angehöriger auf Dauer Hilfe brauchen.
  • Antrag: Stellen Sie zunächst formlos einen schriftlichen Antrag mit Datum, da die Pflegekasse bei Bewilligung rückwirkend zahlt. Die Kasse schickt Ihnen daraufhin ein Formular, das Sie ausfüllen müssen. So beantragen Sie die Leistung .
  • Pflegetagebuch: Notieren Sie vor dem Besuch des medizinischen Gutachters Ihrer Krankenversicherung mindestens eine Woche lang sehr detailliert, wie viel Zeit Sie für die Hilfe bei täglichen Verrichtungen wie Körperpflege, Essen und Arbeit im Haushalt brauchen. Was bei der Zuordnung zu einer Pflegestufe zählt, zeigt die nebenstehende Grafik. Schummeln Sie nicht beim Aufschreiben der Zeiten.

Tabelle: Vor-und Nachteile der unterschiedlichen Versicherungen

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