Dienstag, 22. Oktober 2019

Allianz Der Platzhirsch prescht vor

Maximilian Zimmerer: Der Chef der Allianz Lebensversicherung setzt auf mehr Transparenz. Der deutsche Marktführer weist seit Jahresbeginn im Neugeschäft für die Kunden eine Gesamtkostenquote aus.

Die Allianz Leben will für mehr Transparenz in der Lebensversicherung sorgen. Ab sofort weist das Unternehmen für Neuverträge eine Gesamtkostenquote aus, wie sie in angelsächsischen Ländern bereits üblich ist. Verbraucher sollten die Schwächen des neuen Konzepts kennen.

Berlin - Nach Jahren der Kritik und ausgelassener Chancen hat der Platzhirsch unter den Lebensversicherern offenbar genug. Der Marktführer Allianz Leben wagt sich aus der Deckung und will ab sofort für neue Verträge eine Gesamtkostenquote ausweisen.

Altverträge werden von dieser Transparenzinitiative nicht profitieren. Die neue Kennziffer soll der gesamten Branche ein Signal sein, sich auf einen einheitlichen Standard zu einigen, der die Kosten transparenter und ihre Produkte untereinander vergleichbarer macht.

Zwar zeigte sich Allianz-Chef Maximilian Zimmerer am Mittwoch in Berlin optimistisch, dass nun viele Wettbewerber dem Beispiel folgen werden. Das muss sich aber erst noch erweisen. Entscheidungen von dieser Tragweite werden üblicherweise von langer Hand und in enger Abstimmung zusammen mit dem Interessenverband GDV vorbereitet. Dass der GDV seinen Mitgliedern jetzt das Konzept der Gesamtkostenquote empfehlen will, das die Allianz bereits im Januar eingeführt hat, spricht laut Marktkennern für einen Alleingang des Marktführers.

Wettbewerber müssen sich auf Vergleich erst einlassen

Klar ist allerdings: Je weniger Wettbewerber das Konzept der Gesamtkostenquote adaptieren, desto weniger Vergleichsmöglichkeiten haben die Verbraucher und desto größer ist die Gefahr, dass ein weiterer Ansatz für mehr Kostentransparenz in der Lebensversicherung einmal mehr steckenbleibt. So wie im Jahr 2008, als der Gesetzgeber nach langem Ringen die Anbieter über die sogenannte Informationspflichtenverordnung fortan dazu verdonnerte, die Abschluss- und die Vertriebskosten sowie die laufenden Kosten einer Lebensversicherung in Euro und Cent auszuweisen.

In gewisser Weise war dies ein Fortschritt. Das Gros der Wettbewerber allerdings nutzte den vom Gesetzgeber eingeräumten Spielraum offenbar eher dazu, um seine Kunden über die tatsächlichen Kosten im Unklaren zu lassen. Gut zwei Jahre nach Einführung der verpflichtenden Produktinformationsblätter hatten gleich zwei unabhängige Studien den meisten Anbietern in puncto Kostentransparenz schlicht ein "Mangelhaft" attestiert.

Die Angaben seien auch absolut ungeeignet, um die vom Gesetzgeber gewünschte Vergleichbarkeit der Produkte zu gewährleisten, urteilte im Sommer vergangenen Jahres etwa das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

"Kostenausweis hat nur bedingt mehr Vergleichbarkeit gebracht"

Zimmerer hielt mit seiner Kritik an dem bestehenden Konzept daher auch nicht hinter dem Berg. "Der Kostenausweis hat nur bedingt mehr Transparenz und für den Verbraucher mehr Vergleichbarkeit gebracht." Der Euro-Ausweis reiche daher nicht aus, um den Einfluss der Kosten auf die Rendite der Produkte einzuschätzen.

Die Gesamtkostenquote dagegen stelle eine deutliche Verbesserung dar. Sie soll zeigen, um wie viel sich die jährliche Wertentwicklung eines Vertrages durch Kosten reduziert. Mit ihr würden künftig alle Kosten in einer Kennziffer ausgewiesen - neben den laufenden Kosten (etwa Verwaltungskosten) soll sie also ebenso die Abschluss- und Vertriebskosten sowie bei fondsgebundenen Produkten auch die Fondskosten beinhalten.

Dabei will die Allianz bei Neuverträgen künftig auch angeben, wie sich die Rendite eines Produkts vor Kosten voraussichtlich entwickeln wird. Denn die Kostenquote allein gebe noch keine abschließende Auskunft darüber, wie leistungsfähig ein Angebot tatsächlich sei. "Der Kunde muss sich immer überlegen, von welcher Wertentwicklung vor Kosten er sinnvollerweise auszugehen hat. Erst, wenn man diese Wertentwicklung um die Gesamtkostenquote reduziert, sieht man, was unter dem Strich übrig bleibt", erläuterte der Allianz-Leben-Chef.

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