Zusätzliche Krankenversicherungen Was die teuren Extras wert sind

Etwa sechs Milliarden Euro zahlen die Bundesbürger jährlich für private Krankenzusatzversicherungen, für bessere Behandlungen im Krankheitsfall. Doch nicht immer ist das gut angelegtes Geld. Ein Überblick über die besten Policen und darüber, welcher Schutz überhaupt sinnvoll ist.
Chefarztbehandlung: Honorare für Chefärzte können bei aufwendigen Behandlungen etliche tausend Euro betragen

Chefarztbehandlung: Honorare für Chefärzte können bei aufwendigen Behandlungen etliche tausend Euro betragen

Foto: Corbis

Berlin - Patienten wissen oft nicht, was ihnen von der gesetzlichen Kasse zusteht und an welchen Stellen privater Zusatzschutz sinnvoll ist. Außerdem sind die Verträge oft schwer durchschaubar, so dass manch einer für schwache Leistungen hohe Beiträge zahlt. Auch bei sinnvollen Zusatzversicherungen müssten die Kunden genau auf die Leistung achten.

Eine Versicherung abschließen und gleich danach Leistungen beanspruchen - das können Kunden nie. Sie müssen drei Monate warten, ehe sie erstmals Anspruch auf Leistungen aus dem Vertrag haben. Für Zahnersatz und für Entbindungen im Krankenhaus beträgt die Wartezeit sogar acht Monate. Bei Vertragsschluss bereits begonnene Behandlungen sind vom Versicherungsschutz generell ausgeschlossen. Als Behandlungsbeginn sehen die Versicherer den Zeitpunkt an, wenn der Arzt dem Patienten die Diagnose stellt.

Zahnzusatzversicherungen sind sinnvoll für Kassenpatienten, die die zusätzlichen Kosten für teuren Zahnersatz wie Kronen oder Brücken in höherwertiger Ausführung oder für Implantate nicht alleine tragen wollen. Die gesetzliche Kasse zahlt immer nur einen festen Zuschuss, der vom zahnmedizinischen Befund abhängt. Lässt sich ein Patient beispielsweise ein Implantat einsetzen, kann der privat zu zahlende Teil der Rechnung schnell 2000 Euro ausmachen. Wer sicher sein will, dass die Versicherung sich auch an so hohen Zahnarztrechnungen ausreichend beteiligt, muss einen leistungsstarken Tarif wählen. Sehr gute Leistungen fand Finanztest im Test Zahnzusatzversicherungen (05/2010) nur in 16 von 110 geprüften Tarifen.

Manche Kunden schließen auch Versicherungspakete ab, in denen verschiedene Leistungen enthalten sind, zum Beispiel Zuschüsse zum Zahnersatz, zur Heilpraktikerbehandlung, zu Brillen oder Kontaktlinsen, aber auch Versicherungsschutz für Auslandsreisen und weitere Extras. Interessant sind solche Angebote für Menschen, die regelmäßig teure Behandlungen beim Heilpraktiker in Anspruch nehmen. Denn dafür bezahlt die gesetzliche Krankenkasse nichts. Ein Ergänzungspaket lohnt sich vor allem, wenn jemand neben der Kostenerstattung für Heilpraktiker auch noch Zuschüsse zu Zahnersatz oder Brillen will. Die vollständigen Ergebnisse im Test Zusatzpakete (10/2010) . Geht es dagegen nur um möglichst hohe Zahnersatzleistungen, ist eine reine Zahnpolice günstiger Test Zahnzusatzversicherungen (05/2010).

Wichtig und günstig: Auslandsreise-Krankenversicherung

Die Reisekrankenversicherung ist das einzige Muss unter den Zusatzpolicen. Die Krankenkassen kommen zwar innerhalb der Europäischen Union und in einigen wenigen weiteren Staaten für notwendige Behandlungen auf.

Ist ein Rücktransport nach Deutschland nötig, bezahlen die Kassen dafür aber generell nicht. Und reist jemand zum Beispiel nach Thailand, muss er auch alle Krankheitskosten selbst tragen. Versicherungen für Leute, die maximal für sechs Wochen am Stück verreisen, sind am günstigsten als Jahresvertrag. Sie gelten dann für sämtliche Reisen. Verträge mit sehr guten Versicherungsbedingungen gibt es bereits für weniger als 10 Euro im Jahr. Test Reisekrankenversicherungen (05/2010)

Im Krankenhaus können gesetzlich Versicherte sich mit einer Krankenhauszusatzversicherung wie Privatpatienten behandeln lassen. Sie empfiehlt sich für Patienten, die sicher sein wollen, dass sie im Fall einer schweren Erkrankung kurzfristig Zugang zum Spezialisten ihrer Wahl haben. Sie haben dann Anspruch auf die Behandlung durch Chefärzte und auf die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Die Kostenübernahme für die Chefarztbehandlung ist die wichtigste Leistung einer solchen Zusatzpolice. Anders als die Kosten fürs Einzelzimmer kann der Patient Chefarzthonorare kaum selbst zahlen. Sie können bei aufwendigen Behandlungen etliche tausend Euro betragen. Test Krankenhaus-Zusatzversicherungen (10/2009)

Überflüssig: Krankenhaustagegeld-Versicherung

Die Krankentagegeldversicherung zahlt für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit einen Betrag in vereinbarter Höhe. Für Selbstständige kann die Existenz davon abhängen. Gesetzlich versicherte Selbstständige haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie wählen das Krankengeld ihrer Kasse, das aber erst ab der siebten Krankheitswoche gezahlt wird. Die Lücke davor können sie mit Wahltarifen ihrer gesetzliche Krankenkasse schließen. Oder sie verzichten auf das Krankengeld ihrer Kasse und sichern das Tagegeld komplett mit einer privaten Police. Dann zahlen sie nur den ermäßigten Beitragssatz an ihre Kasse. Die Beiträge für ein privates Krankentagegeld von 80 Euro ab der dritten Krankheitswoche liegen für 43-jährige Selbstständige bei 100 bis 150 Euro im Monat (Mann) und 110 bis 180 Euro (Frau).

Krankenhaustagegeld-Versicherungen dagegen sind als Absicherung gegen krankheitsbedingten Verdienstausfall nicht geeignet. Als "Taschengeld" für die Zeit des Klinikaufenthalts werden sie viel verkauft, sind aber überflüssig.

Ratgeber: Tipps zu Zusatzversicherungen

  • Bedarf: Welche Zusatzversicherungen für Sie wichtig sind, können Sie mit folgender Frage einschätzen: Würde es mich finanziell in Bedrängnis bringen, wenn ich die Leistung selbst bezahlen müsste?

  • Eintrittsalter: Schließen Sie möglichst frühzeitig ab. Idealerweise im Alter von Anfang 40 oder früher. Vor allem Krankenhauszusatzversicherungen und Pflegezusatzversicherungen sind bei Abschluss im Seniorenalter extrem teuer.

  • Kassenangebote: Policen privater Versicherer, die Ihnen Ihre gesetzliche Kasse anbietet, sind oft nicht die beste Wahl für Sie. Schließen Sie lieber direkt bei den Spitzenreitern aus den aktuellen Tests ab.

  • Wechsel: Schauen Sie in Ihren Versicherungsunterlagen nach, zu welchem Stichtag Sie kündigen können. Kündigen Sie Ihre alte Police erst, wenn Sie sicher sind, dass Sie den neuen Vertrag zu einem akzeptablen Beitrag bekommen. Steht eine Behandlung an, kann es sinnvoll sein, im laufenden Vertrag zu bleiben.

  • Überversichert: Sehen Sie nach, welche Zusatzpolicen Sie bereits haben. Kündigen Sie Überflüssiges, zum Beispiel eine Krankenhaustagegeld-Versicherung. Haben Sie eine Versicherung doppelt, behalten Sie nur den besseren Vertrag. Und prüfen Sie mithilfe aktueller Tests, ob Sie für den gewünschten Leistungsumfang zu hohe Beiträge zahlen.

Tabelle: Regelleistungen der gesetzlichen Kassen und mögliche Ergänzung durch private Tarife

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