Freitag, 5. Juni 2020

Unerwartet hohe Kosten Die Vermögensfalle Pflegefall vermeiden

Im Ernstfall geht's ans Eingemachte: Die gesetzliche Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Pflegekosten, den Rest trägt der Pflegebedürftige oder seine Verwandten. Wer sich absichert, senkt das finanzielle Risiko.

Im Ernstfall kann ein Pflegefall ein Vermögen kosten. Schlimmstenfalls droht der Gang zum Sozialamt. manager magazin zeigt Möglichkeiten, das finanzielle Risiko zu minimieren, und gibt grundlegende Tipps.

Hamburg - Das Urteil des Bundesgerichtshofs (AZ: XII ZR 148/09) im September schreckte auf. "Kinder haften für ihre Eltern" titelten die Medien. Die Karlsruher Richter verurteilten einen Mann (48), für seine psychisch kranke und verstorbene Mutter rund 40.000 Euro Pflegekosten an das Gelsenkirchener Sozialamt zurückzuzahlen - obwohl das Verhältnis zwischen den beiden seit Kindheit als zerrüttet galt.

Das Urteil rückt einmal mehr ins Bewusstsein: Pflege im Alter ist teuer. Und wer sich oder seine Eltern nicht zusätzlich absichert, verliert im schlimmsten Fall ein Vermögen. Denn die Kassen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken nur einen Teil der Pflegekosten ab. Sollten Rente und Vermögen des Pflegebedürftigen nicht ausreichen, müssen die Verwandten, die in erster Linie voneinander abstammen, nach Abzug eines je nach Einkommen und Familienstand abhängigen Selbstbehalts finanziell für einander einspringen.

"Die Gefahr, durch Pflegebedürftigkeit der Eltern das eigene Vermögen zu verlieren ist groß. Denn heute schon ist fast jeder Dritte aller über 80-Jährigen pflegebedürftig", sagt Regina Weihrauch von den Finanzfachfrauen, einem bundesweiten Zusammenschluss von Finanzberatern.

Im Ernstfall können die Restkosten alles auffressen

Tatsächlich wird der finanzielle Aufwand - insbesondere der eigene - im Pflegefall für gemeinhin unterschätzt. Zwei Beispielrechnungen: Die durchschnittlichen Pflegekosten in Pflegestufe II bei stationärer Unterbringung im Heim beziffern die Experten von MLP auf rund 2700 monatlich. Die gesetzliche Pflegeversicherung trägt davon 1279 Euro. Der monatliche Eigenaufwand, den der Pflegebedürftige oder eben seine Verwandten zu tragen haben, beträgt demnach 1421 Euro. In Pflegestufe III belaufen sich die Heimpflegekosten im Schnitt auf 3200 Euro, die Kasse erstattet davon 1510 Euro - monatlicher Eigenaufwand: 1690 Euro.

Bei einer unterstellten Pflegezeit von zehn Jahren kann sich der Eigenaufwand schnell auf bis zu 200.000 Euro und mehr summieren. Dieses enorme finanzielle Risiko lässt sich durch private Pflegezusatzversicherungen zumindest mindern. Die Versicherer bieten drei Alternativen an: Pflegerentenversicherung, Pflegekostenversicherung und Pflegetagegeldversicherung.

Nach Angaben der Versicherungswirtschaft gab es bis Ende vergangenen Jahres 1,482 Millionen Pflegezusatzversicherungen, davon 1,293 Millionen Pflegetagegeldversicherungen, der Rest entfällt im Wesentlichen auf Pflegekostenversicherungen. Doch welche Varianten sind ihr Geld wert?

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung