MLP Neuland

Deutschlands größter Finanzdienstleister wird künftig neben privaten auch gesetzliche Krankenversicherungen vermitteln. Kritik an dem Vorstoß äußert die Barmer Ersatzkasse.

Frankfurt am Main - "Damit geben wir den meisten unserer gesetzlich versicherten Kunden die Möglichkeit, bei einem vergleichbaren Leistungsspektrum mehrere hundert Euro pro Jahr zu sparen", sagte Gerhard Frieg, Vorstand der MLP Finanzdienstleistungen, am Dienstag. Das Heidelberger Unternehmen habe derzeit mit sechs Betriebskrankenkassen (BKK) eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, teilte das im Nebenwerte-Index MDax  gelistete Unternehmen weiter mit.

Es handele sich nicht zwingend um die preisgünstigsten Kassen. Vielmehr seien stabile Beitragssätze Kriterium bei der Auswahl gewesen. In den kommenden Monaten solle das Angebot um weitere Kassen ergänzt werden. Bisher vermittelt MLP seinen überwiegend akademischen Kunden vor allem private Krankenversicherungen, die in Deutschland aber erst ab einem bestimmten Monatseinkommen abgeschlossen werden dürfen.

In Branchenkreisen hieß es, bei den sechs bisherigen Kooperationspartnern aus dem Lager der gesetzlichen Krankenkassen handele es sich um die BKK Securvita, BKK 24, Salus-BKK, BKK Pfalz, BKK Signal-Iduna und die BKK DBV Winterthur.

MLP erwartet durch die Vermittlung der gesetzlichen Krankenversicherungen einen "nennenswerten" Geschäftsbeitrag. "Für ein konkretes Geschäftsvolumen ist es aber noch zu früh", sagte Unternehmenssprecher Christian Maertin am Dienstag in Heidelberg. Für den Wechsel der gesetzlichen Versicherung erhalte MLP nur eine geringe Provision. "Die Zusatzversicherung ist das Geschäft", sagte Maertin.

MLP vermittelt darüber hinaus ab sofort private Zusatzversicherungen mit einer so genannten Nachversicherungsgarantie. Diese Policen würden die immer größer werdenden Lücken im Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen schließen, hieß es.

MLP-Aktien  stiegen am Dienstag - ähnlich stark wie der Gesamtmarkt - um rund 0,5 Prozent auf 14,57 Euro.

Kritik von der Barmer

Kritik an den MLP-Plänen kam indes vom Vorstandschef der mit den BKK konkurrierenden Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, der in der Vereinbarung zwischen MLP und den Krankenkassen eine unzulässige Kooperation sieht: "Es gibt Wettbewerbsrichtlinien des Bundesversicherungsamtes, die den Krankenkassen den Einsatz professioneller Vermittler und vor allem die Entlohnung solcher Vermittler verbieten", sagte Fiedler der FTD.