Türkische Lira erholt sich kräftig Erdoğans Garantie zeigt Wirkung - vorerst

Der Währungsverfall in der Türkei scheint vorerst gestoppt, die Lira legt rund 7 Prozent zu. Sparer vertrauen offenbar auf die angekündigten Maßnahmen von Präsident Erdoğan. Wo das Geld dafür herkommen soll, ist allerdings nach wie vor unklar.
Schlange stehen vor der Wechselstube: Im Zuge der hohen Inflation in der Türkei fiel die Lira in den vergangenen Wochen auf Rekordtiefs zum Dollar und Euro

Schlange stehen vor der Wechselstube: Im Zuge der hohen Inflation in der Türkei fiel die Lira in den vergangenen Wochen auf Rekordtiefs zum Dollar und Euro

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Am Devisenmarkt wertete dank einer Garantie des türkischen Staates für Spareinlagen die Währung des Landes weiter auf. Dollar und Euro fielen um jeweils rund 7 Prozent auf 11,12 beziehungsweise 12,61 Lira. Zu Wochenbeginn hatten sie mit 18,36 und 20,73 Lira Rekordhochs erreicht.

Nach der Talfahrt der heimischen Währung hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan (67) am Montag unter anderem angekündigt, dass zum Schutz der Sparer künftig die Differenz zwischen Lira-Anlagen und vergleichbaren Dollar-Anlagen aus der Staatskasse beglichen werden. Mit einer Reihe von Maßnahmen will er eine weitere Dollarisierung der Wirtschaft verhindern. Die Lira erholt sich seit diesem Tag von ihren Rekordtiefs.

Mit welchem Geld die Regierung die Differenzen ausgleichen wolle, sei aber nach wie vor unklar, sagte Analystin Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank. Die Kosten hierfür könnten mit neuen Steuern finanziert werden, worüber niemand glücklich wäre. Sollten die Inflationsdaten im kommenden Monat einen anhaltenden Preisdruck signalisieren, werde es mit der Lira sicher wieder abwärts gehen.

Leitzinsen trotz Inflation gesenkt

Die Inflationsrate war im November sprunghaft auf mehr als 21 Prozent gestiegen. Im kommenden Jahr dürfte die Geldentwertung nach Prognose von Ökonomen sogar 30 Prozent erreichen. Das geht vor allem auf den Verfall der Landeswährung zurück, die in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt hat. Dadurch werden Importe – etwa von Öl und Medikamente – teurer, weil diese zumeist in Devisen wie Dollar oder Euro bezahlt werden müssen.

Den Grund für die Währungskrise und starke Teuerung sehen die Experten auch in der unorthodoxen Geldpolitik der Zentralbank. Diese hat ihren Leitzins seit September von 19 auf jetzt 14 Prozent gesenkt, obwohl Ökonomen eine deutliche Anhebung für die richtige Antwort halten. Erdoğan will damit Exporte, Kredite und Wachstum im vor der Wahl im Jahr 2023 ankurbeln.

mg/Reuters
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