Maßnahmen gegen Lira-Verfall Erdoğan stemmt sich gegen Dollarisierung der Türkei

Angesichts der hohen Inflation und des Lira-Verfalls flüchten viele Türken in den Dollar. Um das zu stoppen, hat Staatschef Erdoğan jetzt Maßnahmen ergriffen - zunächst mit Erfolg.
Konsumenten in Ankara: Die Preise in der Türkei steigen rasant

Konsumenten in Ankara: Die Preise in der Türkei steigen rasant

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (67) hat eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, die eine weitere "Dollarisierung" der Wirtschaft verhindern sollen. Die Schritte sollten sicherstellen, dass die Bürger nicht ihre heimische Währung Lira in ausländische Devisen tauschen müssten, sagte Erdoğan nach einem Kabinettstreffen am Montag. Er gab den Sparern eine Einlagengarantie. Zudem brachte Erdoğan angesichts der Währungsturbulenzen Maßnahmen zur Unterstützung von Exporteuren und Rentnern auf den Weg.

Von Dollarisierung spricht man, wenn die nationale Währung teilweise oder ganz in ihren Funktionen ersetzt wird. Hauptursachen eines derartigen Austauschs der nationalen Währung sind Inflation und politische Unsicherheiten. Nach Erdoğans Rede erholte sich die Lira zum Dollar. Ihr Kurs notierte zuletzt bei 14,90 zum Dollar nach zuvor 18,40.

Erdoğan erklärte außerdem, dass er von seinem neuen Wirtschaftsmodell, das auf niedrigen Zinsen basiere, nicht abrücken wolle. Die Zinssenkung der Zentralbank werde die Inflation innerhalb von Monaten drücken, prognostizierte er. Die Inflationsrate war im November sprunghaft auf mehr als 21 Prozent gestiegen. Im kommenden Jahr dürfte die Geldentwertung nach Prognose von Ökonomen sogar 30 Prozent erreichen. Das geht vor allem auf den Verfall der Landeswährung zurück, die in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt hat. Dadurch werden Importe – etwa von Öl und Medikamente – teurer, weil diese zumeist in Devisen wie Dollar oder Euro bezahlt werden müssen.

Den Grund für die Währungskrise und starke Teuerung sehen die Experten auch in der unorthodoxen Geldpolitik der Zentralbank. Diese hat ihren Leitzins seit September von 19 auf jetzt 14 Prozent gesenkt, obwohl Ökonomen eine deutliche Anhebung für die richtige Antwort halten. Erdoğan will damit Exporte, Kredite und Wachstum im vor der Wahl im Jahr 2023 ankurbeln.

cr/Reuters
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