Lira unter Druck Türkei entdeckt Erdgas im Schwarzen Meer - aber wie viel?

Der türkische Präsident Erdogan frohlockt über einen großen Erdgasfund seines Landes im Schwarzen Meer. Experten dämpfen die Zuversicht allerdings ein Stück weit.
Erfolgreich gesucht: Das türkische Bohrschiff "Fatih" fand Erdgas im Schwarzen Meer

Erfolgreich gesucht: Das türkische Bohrschiff "Fatih" fand Erdgas im Schwarzen Meer

Foto: Jason Dean / imago images/ZUMA Wire

Die Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan (66) zufolge im Schwarzen Meer das bislang größte Erdgasvorkommen in der Geschichte des Landes entdeckt. Dort seien Gasquellen im Volumen von 320 Milliarden Kubikmeter gefunden worden, sagte Erdogan am Freitag. Zudem gebe es Anhaltspunkte für weitere Funde in der Region. "Dieses Vorkommen ist tatsächlich Teil einer viel größeren Quelle. So Gott will, wird es viel mehr sein", sagte Erdogan. Nun müsse die Erschließung und Ausbeutung geplant werden mit dem Ziel einer Produktion ab 2023. Die Türkei sei jahrelang von Erdgas aus dem Ausland abhängig gewesen. Nun blicke das Land mit mehr Sicherheit in die Zukunft.

Im Devisenhandel gab die türkische Lira  dennoch nach. Der Dollar legte um rund 0,6 Prozent auf 7,3380 Lira zu. Laut Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank, ist der Erdgas-Fund nicht so groß ausgefallen, wie zunächst erwartet worden sei. "Das ist immer noch gut und toll, dass die Türkei weniger von Energieimporten abhängig ist, aber nicht der 'game changer'." Außerdem sei es die Hoffnung gewesen, dass sie bei großen Gasfunden im Schwarzen Meer nicht mehr in umstrittenen Regionen im Mittelmeer suchen müssen. Das habe sich jetzt nicht bewahrheitet.

"Es wird kein Halten geben, bis wir bei Energie zu einem Nettoexporteur werden", sagte Erdogan. Aktuell ist das Land noch stark von ausländischen Energieimporten abhängig. Allein im vergangenen Jahr lagen diese bei rund 41 Milliarden Dollar. Das Bohrschiff "Fatih" war seit Ende Juli in einem als "Tuna-1" bekannten Gebiet im Schwarzen Meer aktiv, das rund 100 Seemeilen vor der türkischen Küste liegt. Alle Tests und Ingenieurarbeiten seien inzwischen abgeschlossen, sagte Erdogan. Laut Analysten könnte es aber noch bis zu zehn Jahre dauern, bis Gas aus dem Fundgebiet strömt. Experten rechnen mit Milliarden Dollar an Investitionen für den Aufbau der Infrastruktur.

Erdogan kündigte zudem an, die umstrittenen Bohrungen im Mittelmeer fortzuführen. Darüber gibt es derzeit einen Konflikt mit Griechenland und der EU. Denn Griechenland und die Türkei erheben beide Ansprüche auf Seegebiete im östlichen Mittelmeer, in denen Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Die EU hat die Türkei aufgefordert, Bohrungen in den umstrittenen Gewässern zu stoppen. Kürzlich waren offenbar zwei Kriegsschiffe Griechenlands und der Türkei in der Region kollidiert. Das schürte die Sorge vor einer kriegerischen Auseinandersetzung der beiden Nato-Länder. Deutschland und Frankreich kündigten am Donnerstag an, den Streit zwischen den beiden Nato-Partnern gemeinsam schlichten zu wollen.

cr/Reuters