Mark Böschen

Elon Musk zockt mit Kryptowährung Teslas Bitcoin-Investments sind verantwortungslos

Mark Böschen
Ein Kommentar von Mark Böschen
Ein Kommentar von Mark Böschen
Elon Musk hat etwas von König Midas. Allerdings hat der Goldfinger aus der griechischen Sage seine Mitmenschen nicht per Twitter in halbgare Investments getrieben. Genau das tut Musk - mit sadistischer Lust.
Tesla-Chef Elon Musk als Bitcoin-Investor: Tesla-Hype und Bitcoin-Hype werden eins

Tesla-Chef Elon Musk als Bitcoin-Investor: Tesla-Hype und Bitcoin-Hype werden eins

Foto: REUTERS

Alles, was Elon Musk anfasst - ob Tesla oder Space-X - wird durch seine Berührung zu Gold. Sein staunenswerter Erfolg mit Tesla hat Musk bereits zum reichsten Menschen des Planeten gemacht. Nun schickt Musk sich an, mit Bitcoin im großen Stil zu spekulieren - jener Währung, die mit der Geldflut der weltweiten Notenbanken immer neue Höhen erreicht hat. Für Musk könnte sein Bitcoin-Investment zu Gold werden: Für viele andere jedoch könnte die Geschichte erneut schlecht ausgehen.

Kurzfristig ist so ein Bitcoin-Goldfinger eine schöne Sache. Nachdem Musk das Investment in die Kryptowährung am Montag bekannt gemacht hatte, kletterte der Tesla-Kurs um zwei Prozent. Der Börsenwert stieg damit um mehr als das Zehnfache der 1,5 Milliarden Dollar, die Tesla im Januar insgesamt in Bitcoin angelegt hat.

Schon seit Anfang Januar hatten Twitter-Meinungsführer wie Anthony Pompleano darüber geschrieben, dass Tesla in Bitcoin investieren könnte. Damit befeuerten sie den Kursanstieg des Bitcoin - und den von Tesla. Seit Jahresanfang ist der Börsenwert des Elektroautoherstellers bereits um fast ein Viertel hochgeschossen, auf mehr als 800 Milliarden Dollar. Für Börsenhistoriker: Noch im Herbst 2019 kostete eine Tesla-Aktie (bereinigt um den seither erfolgten Aktiensplit) weniger als 50 Dollar, und nicht gut 850 Dollar wie zuletzt.

Tesla und Bitcoin: Im Hype vereint

Nun zündet Musk die nächste Stufe. Wir nähern uns dem, was von Spaßvögeln in Silicon Valley inzwischen als "The Singularity" bezeichnet wird: Dem Zeitpunkt, in dem der Tesla-Hype und der Bitcoin-Hype eins werden.

Mit dem Krypto-Kauf besorgt Musk weiteren Treibstoff für seine Kursrakete Tesla. Der Schritt dürfte weitere Anleger in die Aktie locken, sagten die Analysten von Wedbush voraus, die ein Kursziel von 950 Dollar nebst "Bull case" (oder besser: Bitcoin Case) von 1250 Dollar verkündet haben. Musk hat den Elektromagneten angestellt für alle Anleger, die an steigende Bitcoin-Kurse glauben: Davon gibt es auf Robinhood und bei Reddit nicht wenige.

Für Musks Tesla-Aktien und somit für sein Privatvermögen ist "HODL" - das Kypto-Codewort für "Kaufen und Halten" - ein brillantes Kommando. Zugleich ist es ein verantwortungsloses Manöver, das erneut zeigt, wie egal dem großen Visionär so langweilige Dinge wie Börsenregeln oder Privatanleger sind.

Musk sind Privatanleger herzlich egal - er ergötzt sich an Dogecoin

Was das Problem ist, illustriert der Vergleich mit Investorenlegende Warren Buffett. Der nutzt seit Jahrzehnten ebenfalls den Effekt, dass sein Investment andere Anleger anzieht. Nicht selten lässt er es sich teuer bezahlen, wenn er seine Reputation verleiht, so wie bei der mit 10 Prozent Garantiedividende verzinsten Finanzierung für die Investmentbank Goldman Sachs auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zwölf Jahren. Ganz anders als Musk bemüht Buffett sich aber seit langem, Privatanleger zu einem sinnvollen und erfolgreichen Anlagestil zu ermuntern.

Musk dagegen twitterte kürzlich nachts gegen zwei Uhr kalifornischer Zeit sogar über die Kryptowährungs-Satire Dogecoin, worauf deren Kurs explodierte. Der reichste Mensch der Welt, der unzweifelhaft große Verdienste besitzt als Ingenieur , hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass er eine Verantwortung trägt für das, was er sagt. Vor allem, weil er damit weniger gut informierte Menschen ins Unglück (also in Dogecoin) treiben kann.

Außerdem droht dem Tesla-Chef nun Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC. Schließlich ist Musk Serientweeter und musste nach einigen börsenrelevanten und teils sachlich falschen Tweets bereits einen Teil seiner offiziellen Titel bei Tesla aufgeben. Nun nutzt er Twitter intensiv, um mit Bitcoin seine eigenen Investments weiter in die Höhe zu pushen: Tesla gibt seine Krypto-Investments zwar ganz unschuldig als ergänzende Finanzinvestments aus, doch so einfach ist die Sache nicht.

Bitcoin ist "too big to fail" - ein Verbot wird kaum noch möglich sein

Der Hype um Bitcoin "stellt alles bisher dagewesene in den Schatten", schrieb Vermögensverwalter Jens Ehrhardt von DJE Kapital bereits im Januar. Die Euphorie zeige, welche Blüten die ultralockere Geldpolitik und die mit der Rally wachsende Gier der Anleger treiben können.

Der Wahn schafft seine eigene Realität. Noch vor vier, fünf Jahren hätten sich auch die Besonnenen unter den Krypto-Freunden nicht sehr gewundert, wenn ihre Bitcoins sich innerhalb kurzer Zeit in wertlosen Elektroschrott verwandelt hätten. Heute dagegen ist Bitcoin bereits so groß, dass die Kryptowährung nicht mehr einfach verschwinden kann. Mit dem Musk-Midas-Kurssprung um zeitweise 14 Prozent auf 43.000 Dollar übertraf die Marktkapitalisierung von Bitcoin die 800-Milliarden-Dollar-Marke. Mit den übrigen 3000 Kryptowährungen kommen mehr als 1000 Milliarden Dollar zusammen. Das ist mehr als ein Fünftel der 4000 bis 5000 Milliarden Dollar, die alles Gold wert ist, das weltweit für Investments zur Verfügung steht.

"Der Markt für Cyber-Währungen hat eine Größenordnung erreicht, die ein Verbot gar nicht mehr möglich macht", urteilt Vermögensverwalter Ehrhardt. Ein staatliches Verbot - oder ein starker Kurseinbruch aus anderen Gründen - würde die Finanzmärkte, die Vermögen der Anleger und letztlich auch die Privatwirtschaft erschüttern. Die Notenbanken kommen deshalb in die absurde Situation, die Papiergeldfeinde mit ihren Alternativwährungen stützen zu müssen, wenn sie keinen Crash an den Finanzmärkten riskieren wollen.

Verantwortungslose Scherze

Tesla und Bitcoin führen vor aller Augen, welche Verwerfungen die Rettungspolitik der Notenbanken bereits erzeugt hat. Niemand weiß, ob dieses beispiellose Experiment langfristig erfolgreich sein kann oder ob die Menschen eines Tages das Vertrauen in diese Politik und in die Stabilität ihrer Währungen verlieren, wie Hedgefondsmanager Paul Singer von Elliott Management kürzlich warnte.

Für langfristig orientierte Anleger ist das ein schwieriges Umfeld. Wenn der reichste Mensch der Welt Börsenregeln leicht nimmt und seinen Twitter-Account dazu nutzt, Anleger in überhypte Spaß-Investments zu treiben, ist der nächste Crash programmiert.

Der alte König Midas wäre übrigens fast verhungert und verdurstet, weil sich auch von ihm berührte Speisen und Getränke in Gold verwandelten. Ihn rettete nur die Gnade des Gottes Dionysos, der ihm verriet, wie er seine verfluchte Gabe wieder loswerden konnte.