Gerichtsbeschluss Tennor Holding insolvent - Lars Windhorst wiegelt ab

Ein niederländisches Gericht hat die Tennor Holding von Lars Windhorst für insolvent erklärt. Der Hertha-Investor akzeptiert das Urteil nicht.
Investor Lars Windhorst: Einspruch gegen das Insolvenz-Urteil

Investor Lars Windhorst: Einspruch gegen das Insolvenz-Urteil

Foto: David Swanson / REUTERS

Das Urteil zur Insolvenz der Tennor Holding B.V. sei bereits am 2. November gefallen, bestätigte ein Sprecher des Finanzgerichts in Amsterdam am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein Insolvenzverwalter sei bestellt worden . Zuvor hatte die "Bild"  darüber berichtet. Tennor ist hierzulande vor allem bekannt, weil das Unternehmen von Investor Lars Windhorst (44) beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC im Jahr 2019 für 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der GmbH & Co. KGaA erworben hatte, wobei eine weitere niederländische Holding namens Peil zwischengeschaltet ist. Im Juli 2020 steckte Tennor weitere 150 Millionen Euro in den Bundesligisten und stockte damit seine Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA auf 66,6 Prozent auf. manager magazin hatte bereits vor einigen Wochen von den finanziellen Schwierigkeiten und Notverkäufen des Investors Windhorst berichtet.  

Tennor will gegen die Entscheidung des Amsterdamer Gerichts vorgehen. "Wir haben Einspruch eingelegt", sagte ein Sprecher. Das Unternehmen sei nicht insolvent. Hertha BSC sei so wie alle anderen Investments von der Entscheidung des Gerichts in keiner Weise betroffen. Man gehe davon aus, dass das Gericht dem Einspruch stattgeben werde.

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"Tennor hat sich mit dem Antragsteller außergerichtlich geeinigt", so der Sprecher. Das Unternehmen werde 2021 einen hohen Gewinn erwirtschaften und komme allen Verpflichtungen nach. Lars Windhorst schrieb auf Twitter: "Die Tennor-Gruppe und meine Unternehmensgruppe sind solvent." Er bezeichnete das Gerichtsurteil als "technisch". Es sei auf Antrag eines "sehr kleinen Gläubigers" erfolgt. Tennor halte an seinen Wachstumsplänen unverändert fest. Im Mai hatte die Holding sich mit einer Gläubigergruppe auf eine Umschuldung geeinigt und dafür kurzfristige Anleihen für 1,45 Milliarden Euro ausgegeben.

Ermittlungen in Berlin

Windhorst hat bereits verschiedene Insolvenzen hinter sich. Sein in den 90er Jahren um den Handel mit Computerteilen aufgebautes Firmennetz endete 2004 in mehreren Insolvenzverfahren. In diesem Zusammenhang meldete Windhorst auch Privatinsolvenz an und wurde später wegen Untreue zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Umgehend startete der Investor von London aus neu. Die deutsche Windhorst-Holding Vatas ging jedoch 2009 insolvent, nachdem die NordLB Schadenersatz für erlittene finanzielle Verluste verlangt hatte. Daraufhin wurden die Beteiligungen unter der niederländischen Tennor Holding, damals noch unter dem Namen Sapinda, neu gegliedert.

Die Staatsanwaltschaft Berlin nahm im Juli Ermittlungen gegen Windhorst auf, weil die Finanzaufsicht Bafin Anzeige wegen des Verdachts auf verbotene Bankgeschäfte über die Investmentfirma Evergreen erstattet hatte. Dieses Vehikel sollte laut "Financial Times"  Anleihen von Windhorst-Firmen aus der Fondsgesellschaft H2O übernehmen. Einige von deren Fonds wurden 2020 von den französischen Behörden wegen "Bewertungsunsicherheiten" eingefroren. Zuvor musste die Investmentbank Natixis ihren Mehrheitsanteil an dem einst hochprofitablen Vermögensverwalter abstoßen, der sich mit Windhorst-Investments verspekuliert hatte. Auch in diesem Fall betonte Windhorst, die Vorwürfe seien unbegründet und "wir sind unbesorgt".

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Tennor ist neben Hertha unter anderem am Reitturnierveranstalter Global Champions Tour, der börsennotierten italienischen Dessousmarke La Perla, der inzwischen um die Rendsburger Werft Nobiskrug ergänzten Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, der Jenaer Medizinroboterfirma Avatera sowie dem US-Mobilwerbungsspezialisten Digital Turbine beteiligt.

la, ak/DPA
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