Nach Ende des Tankrabatts Benzin in Deutschland teurer als in allen EU-Nachbarländern

Mit dem Auslaufen des Tankrabatts Ende August ist Kraftstoff in Deutschland wieder teurer als in allen direkten EU-Nachbarstaaten. Mit durchschnittlich 2,07 Euro für einen Liter Super zahlen Autofahrer etwa 30 Prozent mehr als in Polen.
Teuer Tanken: Benzin und Diesel kosten in Deutschland mehr als zwei Euro pro Liter

Teuer Tanken: Benzin und Diesel kosten in Deutschland mehr als zwei Euro pro Liter

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Karl-Josef Hildenbrand/ picture alliance/dpa

Zum Stichtag 5. September wurden hierzulande Tagesdurchschnittspreise von 2,07 Euro für einen Liter Super E5 und 2,16 Euro für einen Liter Diesel ermittelt, berichtet das Statistische Bundesamt am Montag. Nur in Dänemark (2,04 Euro) und den Niederlanden (2,01 Euro) war Superbenzin ähnlich teuer wie in Deutschland. Am günstigsten konnten die Autobesitzer im Nachbarland Polen tanken mit 1,38 Euro für Super und 1,61 Euro für Diesel.

Die Steuern auf Benzin und Diesel wurden in Deutschland zwischen Juni und August gesenkt, so dass die Preise an den Tankstellen sanken. Einschließlich der Mehrwertsteuereffekte wurde so der Liter Super um 35,16 Cent entlastet, beim Diesel waren es 16,71 Cent. Umstritten war, in welchem Umfang die Steuerentlastung tatsächlich an die Endkunden weitergegeben wurde. Seit dem 1. September gelten die normalen Steuersätze. Damit gehört Deutschland wieder zu den teuersten Staaten in der EU.

Insgesamt sind die Kraftstoffpreise laut Bundesamt weiterhin höher als vor Beginn des Kriegs in der Ukraine. So hatte am 21. Februar 2022 ein Liter E5 noch 1,80 Euro und Diesel 1,66 Euro pro Liter gekostet. Besonders deutlich fällt der Preisanstieg damit beim Diesel-Kraftstoff aus. Am teuersten war der Sprit im März.

Noch größere Unterschiede bei Diesel

"Noch deutlicher fällt der Vergleich bei Diesel-Kraftstoff aus", ermittelten die Statistiker. In Dänemark, das Land mit den höchsten Diesel-Preisen unter den EU-Nachbarn, kostete ein Liter 2,07 Euro und damit neun Cent weniger als in Deutschland. In den Niederlanden waren es mit 2,05 Euro sogar elf Cent weniger. Unter den angrenzenden EU-Staaten waren die Preise am 5. September in Polen (E5: 1,38 Euro, Diesel: 1,61 Euro) am günstigsten. Aber auch in Luxemburg, Frankreich, Tschechien, Belgien und Österreich war das Tanken deutlich billiger als in Deutschland.

Tankrabatt sorgte für spürbare Entlastung

"Noch Mitte August waren Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen niedriger oder ähnlich hoch wie in den meisten direkten EU-Nachbarstaaten Deutschlands", erläuterten die Statistiker. "Hauptgrund für den aktuellen Preisanstieg ist das Auslaufen der vorübergehenden Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe zum 31. August 2022, des sogenannten Tankrabatts." Dabei wurden die Sätze für Benzin um 29,55 Cent pro Liter, die für Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt – befristet auf drei Monate vom 1. Juni an. Werden noch die Auswirkungen auf die Mehrwertsteuer berücksichtigt, betrug die Entlastung 35,16 Cent pro Liter Benzin und 16,71 Cent pro Liter Diesel.

Viele Ökonomen hatten den Tankrabatt kritisiert, mit dem die Bundesregierung die Inflation dämpfen wollte. Hauptnutznießer seien Besserverdiener mit zum Teil zwei oder drei Autos im Haushalt, sagte etwa DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Der Rabatt lohne sich zudem im Vergleich besonders bei großen Autos mit großen Motoren und hohem Spritverbrauch.

la/dpa/reuters
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