Neues Geschäftsfeld Biontech-Investoren setzen auf Quantencomputer

Die Biontech-Mehrheitseigner Andreas und Thomas Strüngmann haben in das deutsch-finnische Startup IQM investiert. Biontech-Chefaufseher Helmut Jeggle soll die Kommerzialisierung der neuen Technik voranbringen.
Hoffen auf einen erneuten Coup: Investor Thomas Strüngmann mit Chefaufseher Thomas Jeggle

Hoffen auf einen erneuten Coup: Investor Thomas Strüngmann mit Chefaufseher Thomas Jeggle

Foto: Dirk Bruniecki für manager magazin

Die Biontech-Mehrheitseigner Andreas und Thomas Strüngmann (71) erschließen ein neues Geschäftsfeld: Sie haben in eines der wenigen europäischen Unternehmen investiert, das Quantencomputer baut. Ihr Family-Office Athos finanzierte den Löwenanteil der 39 Millionen Euro, die das deutsch-finnische Startup IQM Ende 2020 erhielt. Nun zieht Biontech-Chefaufseher Helmut Jeggle (50) in den Aufsichtsrat des im Sommer 2019 aus der Aalto-Universität in Espoo ausgegründeten Unternehmens ein.

Der erfahrene Investor und Stratege begleitete bei Biontech eng die rasante Entwicklung des Corona-Impfstoffs, nun soll er IQM bei der raschen Kommerzialisierung ihrer Hard- und Software-Produkte unterstützen. "Wir wollen unsere Quantenrechner jetzt auch für Konzerne wie BMW oder BASF interessant machen", sagt IQM-Gründer und Chef Jan Goetz (35). Die Rechner könnten etwa bei der Entwicklung neuer Materialien oder selbstfahrender Autos zum Einsatz kommen.

Das Biontech-Trio habe er aber vor allem mit der Möglichkeit überzeugt, die Entwicklung neuer Medikamente mit Quantentechnologie extrem zu beschleunigen. Durch die Simulation von Molekülen oder die blitzschnelle Auswertung gigantischer Datenmengen mithilfe Künstlicher Intelligenz lasse sich der derzeit noch viele Jahre dauernde Prozess auf Monate verkürzen.

"In der Pharmaentwicklung stoßen selbst die leistungsfähigsten Computer schnell an ihre Grenzen", erklärt Jeggle das Engagement: "Deshalb brauchen wir technologische Alternativen." Mit IQM habe Europa die einmalige Chance, eine weitere junge Höchsttechnologie-Firma zu einem globalen Unternehmen aufzubauen. "Ich freue mich darauf, das Team auf dem Weg in die Quanten-Zukunft zu unterstützen."

Den ersten Rechner hat IQM bereits verkauft

Mit der Finanzierung, die das Startup mit rund 200 Millionen Euro bewertet, will Goetz vor allem die Skalierung seiner Technologie vorantreiben. Dazu brauche er neue Fertigungsanlagen und vor allem mehr hochqualifiziertes Personal. Drei Viertel seiner derzeit knapp 100-köpfigen Belegschaft sind promoviert. Dieses Jahr will er jede Woche ein weiteres Quanten-Ass für die Niederlassungen in Espoo oder München einstellen: "Glücklicherweise können wir Topleute aus aller Welt für uns gewinnen."

Der Quantenexperte hat bereits einen ersten IQM-Rechner für gut 20 Millionen Euro an ein finnisches Forschungsinstitut verkauft. Für ein 60-Millionen-Euro-Projekt in Israel rechnet sich Goetz gute Chancen aus. Mitte März konnte er in München am Leibniz-Rechenzentrum eine Anlage in Betrieb nehmen, in der seine Quantentechnologie die vorhandenen Supercomputer bei bestimmten Aufgaben unterstützt.

In einer ersten Seed-Runde 2019 hatte IQM zwölf Millionen Euro erhalten. Neben der finnischen Investmentgesellschaft Tesi und der Münchener Vito Ventures waren daran auch die MIG Fonds beteiligt. Deren Geschäftsführer Michael Motschmann (63) kooperiert häufig eng mit den Strüngmann-Brüdern, so auch bei Biontech. Er war nun auch Lead-Investor bei der aktuellen Runde. Einen kleinen Anteil an IQM hat sich dabei auch der chinesische Digitalriese Tencent gesichert. IQM-Chef Goetz versichert, er habe alles Notwendige getan, um das Know-How seines Unternehmens zu schützen.

em
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.