Nach EZB-Entscheidung Deutsche Bank und Postbank kündigen Ende des Strafzinses an

Für Juli hat die Europäische Zentralbank angekündigt, die Zinsen leicht anzuheben. Nun reagiert die Deutsche Bank: Das Geldinstitut will die Negativzinsen im gleichen Maß reduzieren, im nächsten Schritt könnten sie ganz wegfallen.
Der Blick auf den Kontoauszug konnte so manchen Bankkunden angesichts von Strafzinsen in der Vergangenheit schon mal zur Verzweiflung bringen. Erste Institute wollen das sogenannte Verwahrentgelt zum 1. Juli nicht mehr erheben.

Der Blick auf den Kontoauszug konnte so manchen Bankkunden angesichts von Strafzinsen in der Vergangenheit schon mal zur Verzweiflung bringen. Erste Institute wollen das sogenannte Verwahrentgelt zum 1. Juli nicht mehr erheben.

Foto: Christoph Hardt / imago images / Future Image

Bankkunden in Deutschland können im Zuge der für Juli angekündigten Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein Ende der Negativzinsen auf Giro- oder Tagesgeldkonto hoffen. Die Höhe des Verwahrentgeltes richte sich nach der sogenannten Einlagenfazilität der Europäischen Zentralbank, sagte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Montag. "Wenn die EZB den Satz der Einlagenfazilität gemäß ihrer jüngsten Ankündigung im Juli um 0,25 Prozentpunkte anhebt, werden Deutsche Bank und Postbank diese Anpassung an ihre Privatkunden weitergeben und das Verwahrentgelt um 0,25 Prozentpunkte kurzfristig reduzieren", kündigte er an.

Der EZB-Rat hatte am Donnerstag beschlossen, bei seiner nächsten Sitzung am 21. Juli die Leitzinsen im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Im September sei dann "ein größerer Zinsschritt" möglich. Derzeit müssen Banken noch 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Die Kosten dafür geben etliche Institute an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

"Wenn der Satz der Einlagenfazilität in einem zweiten Schritt auf null oder in den positiven Bereich angehoben wird, werden wir im Privatkundengeschäft kein Verwahrentgelt mehr erheben", teilte der Deutsche-Bank-Sprecher mit. "Der zweite Schritt der EZB wird für September erwartet, sodass Deutsche Bank und Postbank voraussichtlich im Oktober vollständig auf die Erhebung des Verwahrentgelts für ihre Privatkunden verzichten werden."

Die Deutsche Bank erhebt seit Mitte Mai 2020 in ihrem Privatkundengeschäft sogenannte Verwahrentgelte. Derzeit müssen Kundinnen und Kunden dort ab 50.000 Euro auf Giro- und Anlagekonten sowie ab 25.000 Euro für Tagesgeld Negativzinsen zahlen. Ebenso ist es bei der zum Deutsche-Bank-Konzern gehörenden Postbank.

Die Commerzbank legt sich weiterhin nicht fest, wann sie ihre Verwahrentgelte für Kunden mit hohen Einlagen zurückschrauben wird. Die Bank warte die nächsten EZB-Entscheidungen ab, sagte ein Sprecher des Frankfurter Instituts am Montag auf Anfrage. Commerzbank-Chef Manfred Knof hatte Mitte Mai gesagt: "Wenn die EZB reagiert, dann können und werden auch wir schnell reagieren."

Commerzbank zögert noch, ING schafft Strafzins ab

Die Direktbank ING Deutschland war am 10. Mai vorgeprescht und hatte sich darauf festgelegt, zum 1. Juli die Negativzinsen für fast alle ihrer Privatkunden abzuschaffen.

Dem Vergleichsportal Verivox zufolge verlangen aktuell mindestens 451 von etwa 1300 ausgewerteten Kreditinstituten in Deutschland Negativzinsen von Privatkunden (Stand: 8. Juni). Das Internet-Portal Biallo zählt sogar 582 Banken und Sparkassen, die Negativzinsen von Privatkunden kassieren (Stand 9. Juni).

akn/dpa-afx
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