Höchstes Niveau seit zwei Jahren Profi-Investoren wetten gegen den Euro

Die Zahl der Wetten, dass der Euro gegenüber dem Dollar weiter an Wert verlieren wird, ist so groß wie seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 nicht mehr. Beobachter führen die hohe Zahl der Short-Wetten vor allem auf zwei Faktoren zurück.
Schwacher Euro, starker Dollar: Die Zahl der Wetten gegen den Euro ist Ende August auf rund 44.000 Kontrakte gestiegen. Das ist das höchste Niveau seit März 2020

Schwacher Euro, starker Dollar: Die Zahl der Wetten gegen den Euro ist Ende August auf rund 44.000 Kontrakte gestiegen. Das ist das höchste Niveau seit März 2020

Foto: DPA

Der Euro ist in der vergangenen Woche bereits kurzzeitig unter die Marke von 1 US-Dollar und damit unter die Parität gefallen. Eine steigende Zahl von Investoren geht davon, dass die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert verlieren wird. Die Zahl der Short-Wetten auf den Euro ist in der letzten Augustwoche über die Marke von 44.000 Terminkontrakten gestiegen, wie die dafür zuständige Handelskommission am Freitag bekannt gab. Laut einem Bericht der Financial Times  ist dies das höchste Niveau seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020.

Investoren führen laut FT derzeit vor allem zwei Gründe an, um gegen den Euro zu wetten. Sie gehen davon aus, dass die explodierenden Energiepreise Europa und den Euro-Raum in eine Rezession stürzen werden. Zugleich ist die Wette auf die Euro-Schwäche auch eine Wette auf die Dollar-Stärke: Bei seiner Rede in Jackson Hole zeigte sich Fed-Chef Jerome Powell fest entschlossen, die Inflation in den USA mit weiteren Zinserhöhungen wieder auf die Marke von 2 Prozent herunterzudrücken. Dieser entschlossene Kurs der US-Notenbank stärkt den Dollar bereits seit einigen Wochen und führt dazu, dass der Euro gegenüber der US-Währung abwertet.

Investoren haben in Jackson Hole jedoch nicht nur der Rede Powells gelauscht. Auch die Äußerungen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel wurden aufmerksam registriert. Gemeinsam mit dem Präsidenten der französischen Zentralbank, François Villeroy de Galhau, machte sich Schnabel für Zinserhöhungen der EZB sowie für eine striktere Geldpolitik stark, die für eine längere Zeit andauern dürfte. Bislang galt Schnabel nicht als ausgesprochener "Falke", doch der strikte Kurs der US-Notenbank und die hohe Inflation in der Euro-Zone setzen auch die europäischen Währungshüter unter Zugzwang. Rasche Zinserhöhungen der EZB, verbunden mit hohen Energiepreisen, verstärken das Rezessionsrisiko in Europa.

Der Euro hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem Dollar bereits rund 15 Prozent an Wert verloren. Mit dem Sturz unter die 1-Dollar-Marke hat die Gemeinschaftswährung das niedrigste Niveau seit ihrer Einführung erreicht.

"Die Abwertung des Euro bildet schlicht und einfach den Energiepreis-Schock in Euro ab", sagt Mark McCormick, Analyst bei TD Securities, gegenüber der FT. Die Befürchtung, dass Russland zu Beginn der Heizperiode im Oktober die Gaspipeline Nord Stream 1 vollends zudrehen könnte, hat den Gaspreis bereits auf Rekordhöhen gepeitscht.

Hohe Gas- und Energiepreise bedeuten nach Einschätzung der Profi-Investoren zweierlei: Die Inflation in Europa wird nicht so rasch wieder verschwinden, und die Wirtschaft der Euro-Zone wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession stürzen. "Investoren gehen davon aus, dass der Euro-Zone und Großbritannien nicht nur ein rauer Winter bevorstehen, sondern dass sich dieses Szenario über ein oder zwei Jahre hinziehen könnte, sagt Jane Foley, Analystin bei der Rabobank.

Nach Einschätzung der US-Investmentbank Morgan Stanley ist dies ein Szenario, in dem der US-Dollar als vergleichsweise "sicherer Hafen" angesehen werde. Auch dies stärkt den Dollar gegenüber dem Euro. Allerdings könnte sich dieser "Fluss des Geldes", der derzeit in den Dollar-Raum strömt, im kommenden Jahr auch wieder umkehren, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen deutlich erhöhe und damit europäische Anleihen wieder attraktiver mache.

Ökonomen rechnen damit, dass die Inflation in der Euro-Zone im August die Marke von 9 Prozent erreicht hat. Die entsprechenden Daten werden am Mittwoch bekannt gegeben. Es wird außerdem erwartet, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 8. September den Leitzins um mindestens 0,5 Prozent in die Höhe schrauben wird.

la
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