Abkehr von Oracle Googles Software-Schwenk lässt SAP-Aktien steigen

Der Internetriese Google will seine Buchhaltungssoftware von Oracle auf SAP umstellen - eine warmer Aufwind für die SAP-Aktie.
SAP-Logo: Der Software-Konzern gewinnt mit Google einen Kunden für seine Buchhaltungssoftware

SAP-Logo: Der Software-Konzern gewinnt mit Google einen Kunden für seine Buchhaltungssoftware

Foto: Ralph Orlowski / REUTERS

Die Aktie des Software-Herstellers SAP hat am Dienstag zunächst von einem Medienbericht über einen prestigeträchtigen Auftrag durch den Internetkonzern Google profitiert. Später wurden die Informationen durch einen Mitarbeiter Googles bestätigt.

Zuletzt ging es mit den SAP-Papieren um knapp 2 Prozent auf 108,90 Euro nach oben. Kurzzeitig kletterte sie sogar bis dicht unter den Widerstand bei 110 Euro von Ende Januar und Anfang Februar. Sollte er überwunden werden, könnte mittelfristig der Bereich für weitere Kursgewinne um die 122 bis 123 Euro liegen. Unter dieses Niveau war das SAP-Papier im Oktober gesackt, nachdem der Konzern wegen Corona und der Kosten für die Ausrichtung auf das Cloud-Geschäft seine Ziele gestutzt hatte.

Auslöser für den aktuellen Kurssprung war zunächst ein CNBC-Bericht am Montag . Unter Berufung auf eine interne Email an Google-Angestellte berichtete der US-Wirtschaftssender, dass die Kernfinanzsysteme von Google sowie des Mutterkonzerns Alphabet im Mai von Oracle - auf SAP-Software umgestellt würden. Diese Informationen wurden inzwischen durch einen Mitarbeiter von Goodle bestätigt.

"Die Ankündigung von Google ist ein schöner öffentlicher Sieg für SAP", kommentierte JPMorgan-Analystin Stacy Pollard. "Google und Oracle haben eine Reihe von Konflikten", erläuterte sie. Unter anderem seien die beiden sogenannte "Hyperscaler"-Wettbewerber im Bereich Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Hyperscaler sind Anbieter von IT-Ressourcen auf Basis des Cloud Computings. Zudem habe sich Oracle wohl geweigert, seine Datenbanksoftware für die Google Cloud zu zertifizieren, was auf Kosten von Googles Kunden ging, wie Pollard schrieb.

Die JPMorgan-Expertin verwies darüber hinaus auch auf eine gerichtliche Niederlage von Oracle am Vortag. In einem wegweisenden Urteil für die Software-Branche entschied das Oberste Gericht der USA einen Urheberrechtsstreit um das Smartphone-System Android zugunsten von Google. Die Verwendung von Schnittstellen sei als "fair use" (faire oder angemessene Nutzung) rechtens gewesen, urteilten die Richter mehrheitlich. Damit unterlag der Softwarekonzern Oracle, der von Google wegen der Nutzung dieser Schnittstellen - Java-Software-Codes - rund 9 Milliarden Dollar Entschädigungszahlungen verlangt hatte.

cr/dpa-afx
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