Sanktionen gegen Oligarchen Ehefrau kontrolliert Tui-Anteile des russischen Großaktionärs

Alexej Mordaschow gehört zu den reichen Russen, gegen die die EU Sanktionen verhängt hat. Er war größter Anteilseigner beim Touristikkonzern Tui – nun ist es seine Frau.
Oligarch Alexej Mordaschow: Wegen Nähe zu Putin auf Sanktionsliste

Oligarch Alexej Mordaschow: Wegen Nähe zu Putin auf Sanktionsliste

Foto: Vyacheslav Prokofyev / ITAR-TASS / IMAGO

Der Trick ist von Vätern bekannt, die sich ihren Unterhaltspflichten entziehen wollen, doch auch sanktionierte Oligarchen scheinen ihn zu kennen: Ein Großteil der Stimmrechte des langjährigen russischen Tui-Hauptaktionärs und Oligarchen Alexej Mordaschow ist jetzt unter Kontrolle seiner Ehefrau. Dies geht aus einer Mitteilung von Tui an die Finanzmärkte hervor. Als Mitteilungspflichtige wird darin Marina Mordaschowa angegeben – und als Aktionär das Mordaschow-Unternehmen Unifirm, hinter dem wiederum eine Firma namens Ondero stehen soll.

Laut Tui prüft das Bundeswirtschaftsministerium das Geschäft im Fall Unifirm/Ondero jedoch nach dem Außenwirtschaftsgesetz. Für die Dauer dieses Verfahrens seien die betreffenden Stimmrechte gesperrt, teilte der Konzern mit.

Ende vergangenen Monats hatte die EU wegen des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine Strafmaßnahmen gegen zahlreiche Oligarchen erlassen, denen eine Unterstützung von Wladimir Putin vorgeworfen wird. Auch Mordaschow steht auf dieser Sanktionsliste. Der Großaktionär musste daraufhin den Aufsichtsrat des Konzerns verlassen.

Die Eigentümerschaft von Ondero war nach einer komplizierten Umschichtung von Anteilen wochenlang unbekannt, selbst Tui wusste offenbar nichts Genaues. Die Unifirm und Mordaschowa zugeordneten Stimmrechte betragen nun 29,87 Prozent, als Datum der Transaktion wird der 28. Februar genannt.

Der Verdacht steht im Raum, es könnte sich um ein gezieltes Manöver des Oligarchen handeln, seine Anteile indirekt weiter zu halten, aber von Vertrauten managen zu lassen. Die persönlichen Sanktionen der EU und das Einfrieren seines Tui-Vermögens würden dann womöglich ins Leere laufen.

Zur Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium hieß es aus dem Konzern: "Es ist ein schwebendes Verfahren, und so lange sind die betreffenden Stimmrechte von Unifirm an Tui gesperrt." Formal sei Mordaschowa dennoch als "nicht nahe stehende Person" gemeldet worden. Das Ressort von Minister Robert Habeck (Grüne) wollte dazu noch keine Stellung nehmen.

fdi/dpa