Pläne für Aktienhandel US-Börsenaufsicht greift Online-Broker an

SEC-Chef Gary Gensler will mit neuen Regeln Kleinanleger schützen. Doch sein Plan für den Aktienhandel etwa in Form eines Auktionsmodells ist im Kern eine tief greifende Finanzmarktreform - sie dürfte Online-Broker massiv in Bedrängnis bringen.
Fairer und transparenter sollen Wertpapiertransaktionen künftig sein, sagt der Chef der US-Börsenaufsicht, Gary Gensler

Fairer und transparenter sollen Wertpapiertransaktionen künftig sein, sagt der Chef der US-Börsenaufsicht, Gary Gensler

Foto: EVELYN HOCKSTEIN / REUTERS

Nach Kontroversen im Zuge von Marktturbulenzen rund um sogenannte Meme-Aktien will der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler (64), neue Handelsregeln einführen. Es müsse sichergestellt werden, dass Wertpapiertransaktionen transparent und fair ablaufen, erklärte Gensler am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Branchenkonferenz. Kleinanleger dürften nicht benachteiligt werden.

Damit Kleinaktionäre nicht schlechter als institutionelle Großinvestoren gestellt und Interessenkonflikte vermieden werden, erwägt der SEC-Chef unter anderem ein Auktionsmodell. Kern der Reform soll ein Wettstreit unter Handelshäusern um jeden Auftrag von Kleinanlegern sein. Die Broker müssten die Kauf- oder Verkaufsorders an Auktionen weiterleiten, die von Börsen oder anderen Handelsplätzen organisiert werden. Dort würden dann Marktteilnehmer um den besten Deal wetteifern. Bislang können Broker Aufträge von Kleinanlegern direkt an große Handelshäuser weiterleiten, die diese Orders abwickeln, sofern der Preis mindestens genauso gut ist wie der offizielle Börsenkurs. Gensler hat dies in der Vergangenheit als Hemmnis für freien Wettbewerb kritisiert.

Bei dem derzeit geltenden Modell des Payment-for-Order-Flow (PFOF) erhalten Broker als Gegenleistung für die Weiterleitung von Aufträgen an große Handelshäuser von diesen Rabatte oder Zahlungen. Regulierer befürchten daher, dass Orders nicht an diejenigen weitergeleitet werden, die die besten Kurse bieten, sondern die höchsten Rückvergütungen. Die Praxis ist in Großbritannien, Kanada und Australien verboten. Sie weise "inhärente Konflikte" auf, erklärte Gensler am Mittwoch. Er hielt fest, dass einige Broker auch ohne PFOF keinerlei Gebühren von den Kunden verlangten. In der Vergangenheit hat er auch für die USA ein Verbot nicht ausgeschlossen.

Diese Regeländerung würde zu den größten Veränderungen am US-Aktienmarkt seit mehr als einem Jahrzehnt führen. Es wäre eine tief greifende Finanzmarktreform, die Online-Broker in Bedrängnis bringen könnte.

Robinhood reagiert reserviert und verteidigt Geschäftsmodell

Entsprechend defensiv äußerte sich Robinhoods Rechtsvorstand Dan Gallagher bei der Konferenz zu Genslers Plänen. Das kommissionsfreie Modell von Robinhood habe Investoren "Milliarden gespart" und vielen Kleinanlegern den Aktienmarkt erschlossen.

Hintergrund der Diskussion sind unter anderem Konflikte bei "Meme Stocks" genannten Aktien wie der des US-Videospielhändlers Gamestop Anfang 2021. Damals schränkte Robinhood den Handel ein, nachdem sich einige Hedgefonds verzockt hatten. Dadurch entstand der Verdacht von Mauscheleien.

Aktionärsvertreter begrüßten dagegen die Pläne. "In der Finanzbranche gibt es heute zu viele, die sich an wettbewerbsfeindlichen und räuberischen Praktiken in den stark zersplitterten Märkten bereichern", sagte Dennis Kelleher von der Interessenvertretung Better Markets. Dies führe dazu, dass Kleinanleger "schlecht behandelt, wenn nicht sogar abgezockt werden". Branchenvertreter zeigten sich dagegen skeptisch. "Wir reden davon, wie neidisch die Welt auf unsere Märkte ist", sagte Joseph Mecane von Citadel Securities. "Wir müssen sehr vorsichtig sein, damit wir nicht ungewollt in eine Zeit zurückkehren, in der es noch schlimmer aussah als heute."

rei/DPA, Reuters
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