Altersvorsorge Die Rendite fällt und fällt

Inhaber einer privaten Lebensversicherung bekommen die Krise der Branche derzeit voll zu spüren. Nicht nur die Überschussbeteiligung sinkt. Auch was nach vielen Jahren des Sparens übrig bleibt, wird immer geringer.

Hamburg – Post vom Lebensversicherer in diesen Tagen verheißt nichts Gutes. Bedarf es noch eines Belegs für die Krise der Branche, jetzt bekommen ihn die Kunden schwarz auf weiß. Viele Unternehmen haben in Folge der Baisse an den Kapitalmärkten in 2002 die Verzinsung der Kundenguthaben deutlich gesenkt – im Marktdurchschnitt um rund einen Prozentpunkt auf 6,13 Prozent – Ende offen.

Enttäuschender als die erneute Senkung der Überschussbeteiligung dürfte für viele Verbraucher allerdings der Blick auf die zu erwartende Ablaufleistung aus ihrem Vertrag sein.

Langzeitsparer schneiden nur wenig besser ab

In einer Beispiel-Rechnung des viel beachteten Branchendienstes map-report sank die Auszahlung für einen zwölfjährigen Vertrag, der Ende 2002 ausgelaufen ist, im Marktdurchschnitt um 5,96 Prozent. Die Rendite auf die eingezahlten Beiträge rutschte damit von 6,08 auf 5,75 Prozent ab. Der Rechnung liegt ein Eintrittsalter von 30 Jahren und ein Jahresbeitrag von 1200 Euro zu Grunde.

Vor allem im letzten Laufjahr des Vertrages schlägt nach Erkenntnis von map-report die geringere Verzinsung des eingezahlten Kapitals zu Buche, weil hier das größte Guthaben zur Verzinsung ansteht.

Langzeitsparer schneiden dabei nur wenig besser ab. Wäre dieser Vertrag 20 Jahre gelaufen, sänke die Auszahlung im Schnitt um 4,14 Prozent bei einer Rendite von 6,29 Prozent. Bei einem Vertrag mit 30-jähriger Laufzeit betragen die Einbußen knapp 4000 Euro oder 3,73 Prozent. Die Rendite fällt in diesem Fall auf 6,10 Prozent.

"Bei gleichem Jahresbeitrag ist die absolute Auswirkung über lange Laufzeiten am höchsten, weil durch die Länge der Einzahlungszeit das höchste Guthaben jetzt geringer verzinst wird", schreibt Chefredakteur Manfred Poweleit von map-report. Relativ gesehen seien wiederum die Auswirkungen bei kürzeren Laufzeiten besonders schmerzhaft, da ein schwaches Verzinsungsjahr unter zwölf hier schwerer wiegt als etwa bei einem Vertrag mit 30 Jahren Laufzeit.

Verzinsung sinkt in 2003 auf 4,79 Prozent im Schnitt

Ein wenig Trost mag der Inhaber einer privaten Lebensversicherung finden, wenn map-report die Einbußen bei den Ablaufleistungen im Verhältnis zu den "dramatischen Verlusten", die Verbraucher mit Aktien, Fonds und Immobilien erlitten haben, als vergleichsweise bescheiden bezeichnet.

Doch darf dies nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Verzinsung der Kundenguthaben auch in diesem Jahr weiter sinken wird. Im Schnitt zahlen die Lebensversicherer nur noch 4,79 Prozent statt der erwähnten 6,13 Prozent in 2002. Wie weit diese Abwärtsspirale sich noch nach unten drehen wird, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte ab.

Zieht man dann noch die gegenwärtige Inflationsrate von etwa 1,2 Prozent ab, nähert sich die reale Nettorendite allmählich jenem niedrigen Niveau, das die Lebensversicherer gesetzlich einhalten müssen. In Deutschland wird Lebensversicherungskunden derzeit noch eine Verzinsung von 3,25 Prozent garantiert. Doch dürfte nach Ansicht von Experten für Neukunden auch dieser Satz bald sinken.

Gemessen am Durchschnitt der Ablaufrenditen über 12, 20 und 30 Jahre belegen in der Rangliste von map-report die "Debeka", "Neue Leben" und der Direktversicherer "Cosmos" wie im Vorjahr die Plätze eins bis drei. Überraschend dürfte der zwölfte Platz der Hannoversche Leben sein. Das Unternehmen war in den vergangenen Monaten wegen seiner schwachen Kapitalausstattung ins Gerede gekommen, konnte sich aber noch fünf Plätze vor dem Marktführer Allianz positionieren.

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