Donnerstag, 2. April 2020

Analystentest Die Zunft der Blindgänger

Blauäugig vertrauten Millionen Anleger den Tipps der Aktienanalysten von Banken und Sparkassen. Erst der Crash entzauberte die Pusher. manager magazin hat ermittelt, welche Banken dennoch brauchbare Prognosen liefern - und welche nicht.

Hamburg - Die Analysten waren die Einpeitscher des Börsenhypes. Inzwischen sind sie die Parias der Kapitalmärkte. Das Ansehen der Wertpapierprofis sank in den vergangenen zwei Jahren noch schneller als die Kurse an den Technologiebörsen.

Was ist der Rat der Banken und Sparkassen wirklich wert? Welchen Experten können private Investoren noch am ehesten vertrauen? Reinhart Schmidt, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Halle, hat für manager magazin die Qualität der Researchabteilungen in den wichtigsten deutschen und ausländischen Geldhäusern untersucht.

Die Resultate sind ernüchternd. Wer den Kauftipps für die 30 Werte des Dax folgte, erzielte bis Ende März 2002 im Schnitt ein Minus von 19,3 Prozent; die Empfehlungen für die 50 Unternehmen des europäischen Börsenbarometers Stoxx bescherten einen durchschnittlichen Verlust von 24,5 Prozent; und wer sich auf die Urteile der Experten für den Neuen Markt verließ, verlor im Mittel sogar 67,3 Prozent seines Einsatzes.

In der Zwischenzeit begegnet auch die Mehrheit der Privatanleger den Urteilen der Analysten mit Skepsis. In einer exklusiv für manager magazin durchgeführten repräsentativen Umfrage des Bielefelder Emnid-Instituts unter 963 Privatanlegern sagten 56 Prozent der Befragten, sie vertrauten den Empfehlungen der Analysten nicht mehr.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung