Fonds Unkontrollierbare Masse

Ex-Fidelity-Mann Wagner über die Flops der Fondsbranche
Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan

mm:

Fondsmanager galten in den 90er Jahren als die Herrscher der Kapitalmärkte. Was ist von diesem Ruf nach zwei Jahren Baisse noch übrig?

Wagner: Nicht viel. Das ganze Getöse war für mich ohnehin nie nachvollziehbar. Der einzelne Fondsmanager hat wenig Entscheidungsspielraum. Die Investmentgesellschaft gibt einen Referenzindex vor, mit dem sie die spätere Performance weit gehend festlegt. Der Manager selbst ist also wenig mehr als ein Erfüllungsgehilfe.

mm: Der Fondsmanager wird für viele Konzernchefs schnell zur Bedrohung, wenn er massiv Aktien abstößt.

Wagner: Das stimmt nur dann, wenn viele Fondsmanager zur gleichen Zeit große Pakete auf den Markt werfen.

mm: Gerade weil sich die Mehrheit der Börsenprofis in die gleiche Richtung bewegte, ist der Absturz an den Börsen so extrem ausgefallen. Wie kommt ein solches Massenverhalten zu Stande?

Wagner: Gute Investmentideen verbreiten sich in der vernetzten Welt der Finanzindustrie mit rasender Geschwindigkeit. Hinzu kommt ein unglaublicher Druck, nichts falsch zu machen. Viele Fondsmanager orientieren sich deshalb an den Strategien ihrer Kollegen. Sie kaufen und verkaufen Aktien, weil alle anderen es auch tun. Das führt zu mächtigen, aber unkontrollierbaren Modewellen.

mm: Was heißt das für den Anleger?

Wagner: Die Eigendynamik dieser Wellen ist so groß, dass der überwiegende Teil der Fondsmanager den rechtzeitigen Ausstieg versäumt. Die meisten haben nach dem Ende der Technologieeuphorie den Wechsel zu substanzstarken Werten verpasst und stattdessen auf günstige Einstiegskurse bei den einstigen Stars gewartet - die Anleger zahlten dafür mit hohen Verlusten.

mm: Glauben Sie, dass die Fondsmanager ihre Lektion gelernt haben?

Wagner: Ich würde jede Wette eingehen, dass sich dieses Muster wiederholt. Man kann deshalb nur davor warnen, einem Fondsmanager viel zuzutrauen.

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