Freitag, 20. September 2019

Fonds Ein dreister Griff in die Tasche

Hohe Kosten, miese Ergebnisse und fragwürdige Anlagepraktiken - zwei Jahre Börsenflaute haben die Schwächen der Investmentbranche gnadenlos bloßgelegt. manager magazin sagt, wie Sie künftig handeln müssen.

Das Schreiben war knapp und höflich im Ton, allein der Inhalt war alarmierend.

 Hall of Shame: Die größten Geldvernichter der Fonds-Industrie
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Hall of Shame: Die größten Geldvernichter der Fonds-Industrie
Mit dürren Worten kündigte die kanadische Fondsgesellschaft Orbitex im November 2001 dem Großteil ihrer deutschen Kunden die Geschäftsbeziehung und zog fünf ihrer acht in Deutschland zugelassenen Investmentzertifikate zurück.

Es war das jähe Ende einer ohnehin unglücklichen Verbindung. Die Kanadier gehörten mit Ausgabeaufschlägen von über 5 Prozent und einer durchschnittlichen Managementgebühr von 2 Prozent zu den teuren Anbietern auf dem deutschen Markt.

Die Höhe der Kosten stand allerdings nie im Einklang mit der Leistung. Allein im vergangenen Jahr verloren die vom Orbitex-Rückzug betroffenen Anleger über zwei Drittel ihres Kapitals.

Besonders hart traf es Investoren, die ihr Geld in den Rohstofffonds der Kanadier gesteckt hatten. Ende 2001 waren über 80 Prozent des Einsatzes weg - und das in einer Zeit, in der ähnliche Produkte im Schnitt nur 6,2 Prozent eingebüßt hatten.

Geschönte Zahlen: Mit welcher Rendite die Anbieter werben - und was beim Anleger ankommt
Eine der Hauptursachen für das schlechte Ergebnis: Der verantwortliche Manager Kenneth Hoffman ging mit dem Kapital seiner Anleger hochriskante Wetten auf kleine Nasdaq-Firmen ein. Verlustreiche Unternehmen wie der Solarzellenhersteller Astropower oder der Turbinenproduzent Capstone gehörten noch im Frühjahr 2001 zu den größten Anlagen des Fonds.

Das Abenteuer endete mit dem aus der Welt der Dotcoms hinlänglich bekannten Ergebnis: Der Fonds schmierte ab.

Hohe Kosten, schlechte Performance und eine fragwürdige Anlagestrategie - das Orbitex-Sündenregister dürfte vielen Anlegern vertraut sein. Die Masse der Kapitalanlagegesellschaften schnitt in den vergangenen Jahren vielfach ebenso schlecht ab wie der obskure kanadische Konkurrent (siehe: "Hall of Shame - Die acht größten Geldvernichter der Fondsindustrie").

Im Gleichschritt erhöhten die großen deutschen Fondsanbieter 2001 ihre Managementgebühren. Bis zu 100 Prozent mehr als bislang müssen die Anleger bei Adig, Dit, DWS und Co. für die Verwaltung ihres Kapitals hinblättern.

Und das, obwohl die Leistung alles andere als überzeugend war. Eine Untersuchung der Bad Homburger Vermögensverwaltung Feri Trust legt offen, dass es seit 1997 weniger als ein Viertel der auf Europa oder die USA spezialisierten Blue-Chip-Fonds schaffte, die Börsenindizes zu schlagen. Ein desaströses Resultat.

Die teilweise zweistelligen Wachstumsraten der Boomjahre erkauften sich viele Fondsmanager durch gewagte Anlagestrategien. Statt das Kapital ihrer Fonds auf viele verschiedene Unternehmen zu streuen, konzentrierten sich etliche Manager auf wenige Favoriten wie die Telekommunikationskonzerne Nokia oder Vodafone.

Manche Rentenfonds polierten ihre Performance gar mit Aktien vom Neuen Markt auf.

Die Quittung bekamen die Anleger nach dem Ende des Technologiebooms an den Weltbörsen. Viele der einstigen Spitzenpapiere schnitten deutlich schlechter ab als die Referenzindizes.

Was daraus folgt? Fonds sind keineswegs die günstigen oder unproblematischen Produkte, wie eine unheimliche Koalition aus Banken, Fondsgesellschaften und Anlegerzeitschriften in den vergangenen Jahren suggerierte. Als langfristiges Investment zur Absicherung der privaten Altersvorsorge taugen Fonds nur nach eingehender Prüfung.

manager magazin sagt, wie Sie vorgehen müssen. Eine Analyse in vier Kapiteln.

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