Fondsbilanz Die Gewinner des Krisenjahres

Renten-, Immobilien- oder Geldmarktfonds gehörten im Vorjahr zu den Gewinnern. Deutsche Aktienfonds brachen dagegen zweistellig ein. Der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften verzeichnet einen deutlichen Geldrückfluss, bleibt für 2002 aber optimistisch.

Frankfurt/Main - Die Börsenturbulenzen im vergangenen Jahr haben den Besitzern von Aktienfonds herbe Verluste von teilweise mehr als 20 Prozent beschert. Rentenfonds, Geldmarktfonds und Offene Immobilienfonds erwiesen sich dagegen als Stabilitätsfaktor im Portfolio der Anleger.

Auf längere Sicht waren die Renditen der Aktienfonds allerdings deutlich höher als die der anderen Fondsarten, wie der Bundesverbandes deutscher Investmentgesellschaften (BVI) berichtet.

Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland verzeichneten 2001 eine Wertminderung von durchschnittlich 20,7 Prozent. Auf fünf Jahre bescherten sie den Anlegern im Schnitt aber einen Zuwachs von 65,3 Prozent, nach zehn Jahren lag die Wertsteigerung bei 181,3 und nach 20 Jahren bei 862,3 Prozent.

Europäische Aktienfonds gaben im vergangenen Jahr im Schnitt um 22,5 Prozent nach. Nach fünf Jahren betrug die Wertsteigerung 66,2 Prozent, nach zehn Jahren 164,5 Prozent und nach 20 Jahren 763,1 Prozent.

International investierende Aktienfonds verzeichneten 2001 ein Minus von durchschnittlich 19,9 Prozent. Nach fünf Jahren erzielten sie im Mittel ein Plus von 71,7 Prozent, nach zehn Jahren von 189,5 und nach 20 Jahren von 691,5 Prozent.

Bei gemischten Fonds, die je nach Marktlage, stärker in Aktien oder fest verzinsliche Wertpapiere investieren, fiel der Rückgang im vergangenen Jahr dementsprechend moderater aus. Mischfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland wiesen ein Minus von 7,8 Prozent aus. Nach zehn Jahren wiesen sie ein Plus von 157,9 und nach 20 Jahren von 714,0 Prozent aus.

Rentenfonds deutscher Emittenten mit Anlageschwerpunkt Euro wiesen 2001 eine Wertsteigerungen von 5,3 Prozent aus, nach fünf Jahren belief sich der Zuwachs auf 26,3 Prozent, nach zehn Jahren auf 94,3 und nach 20 Jahren auf 310,6 Prozent.

International anlegende Rentenfonds erzielten Werterhöhungen von 6,3 Prozent im vergangenen Jahr. Nach fünf Jahren machte der Zuwachs im Schnitt 47,4 Prozent, nach zehn Jahren 109,5 Prozent und nach 20 Jahren 419,4 Prozent aus.

Geldmarktfonds mit nationalem Anlageschwerpunkt legten 2001 im Schnitt um 4,1 Prozent zu. Nach drei Jahren betrug der Zuwachs 10,4 Prozent. Geldmarktfonds mit internationaler Ausrichtung verzeichneten im vergangenen Jahr im Schnitt sogar ein Plus von neun Prozent, nach drei Jahren waren es 46,9 Prozent. "Damit haben die Geldmarktfonds ihre Eignung als kurzfristige Parkmöglichkeit von Liquidität deutlich unter Beweis gestellt", erklärte der BVI weiter.

Offene Immobilienfonds profitierten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr von der hohen Nachfrage nach Mietflächen in den Metropolen. Im Ein-Jahres-Zeitraum erzielten sie einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 5,4 Prozent, über fünf Jahre wuchs ihr Wert um 25,4 Prozent, über zehn Jahre von 75,7 Prozent und nach 20 Jahren war es ein Plus von 237,5 Prozent.

Hoffnung für 2002

Die deutsche Investmentbranche macht sich dennoch wieder Hoffnung auf bessere Zeiten im zweiten Halbjahr 2002. "Es gab bislang nie drei negative Börsenjahre hintereinander, wir rechnen nach dem Minus in 2000 und 2001 wieder mit einem zweistelligen Plus", sagte der Vorstandssprecher des BVI, Horst Zirener, am Mittwoch in Frankfurt.

Anleger ziehen Geld ab

Insgesamt ging im vergangenen Jahr das durch die BVI-Gesellschaften verwaltete Vermögen von 932 auf 918,6 Milliarden Euro zurück. Zugleich fiel der Anteil der Investmentbranche am gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte von 50 Prozent auf 30 Prozent. Die Anleger hätten im vergangenen Jahr besonders darauf geachtet, dass ihr Geld in sichere Kanäle geflossen seien. Davon hätten risikoärmere Anlagen wie Renten-, Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds profitiert.

40 Milliarden weniger für Aktienfonds

Die Nummer Eins der Investmentliste ist aber nach wie vor der Aktienfonds, in den die Anleger mit 173,3 Milliarden Euro fast 40 Milliarden weniger steckten als noch als im Jahr 2000. Die Rentenpapiere lagen 2001 erstmals seit 1994 wieder im Plus. Insgesamt 111,1 Milliarden Euro waren zum Jahresende in dieser Anlageform investiert.

"In weltweit anlegende Fonds flossen im letzten Jahr zusätzlich sechs Milliarden Euro", sagte Zirener. Dagegen waren Länder- und Regionenfonds sowie Branchenfonds wenig gefragt. Gegen den Trend stemmten sich überraschenderweise Nordamerika- und Technologie-Angebote.

Mehr lesen über